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Barrierefreies Internet: Warum und für wen ist das nützlich?

Ein Rollstuhlsymbol auf einer Tastatur, was ist barrierefreies Internet?

Wenn sie den Begriff Barrierefreiheit hören, denken viele Menschen sofort an barrierefreie Zugänge zu Gebäuden. Dabei spielt die Barrierefreiheit auch im Internet eine Rolle. Welche Hürden gibt es im Internet, wenn es um die Teilhabe aller Menschen geht? Und welche Möglichkeiten gibt es, für mehr Barrierefreiheit im Internet zu sorgen? In diesem Artikel erfährst du mehr.

Barrierefreies Internet: Was heißt das?

Barrierefreies Internet? Womöglich hast du dich mit diesem Thema bislang noch nie befasst und fragst dich an dieser Stelle: Was soll das überhaupt sein, Barrierefreiheit im Internet? Barrierefreiheit bedeutet, dass alle Menschen ungeachtet möglicher Einschränkungen ein Angebot gleichermaßen nutzen können. Das klassische Beispiel, an das viele sofort denken: Rampen und Aufzüge für Rollstuhlfahrer in öffentlichen Gebäuden. Barrierefreiheit umfasst jedoch noch viel mehr, sie kann zum Beispiel durch auditive Signale oder spezielle Tastvorrichtungen ermöglicht werden.

Der Begriff der Barrierefreiheit mag sich ursprünglich rein auf bauliche Aspekte bezogen haben. Inzwischen wird er in seiner Bedeutung breiter verstanden – zum Beispiel auch dann, wenn es um das Internet geht. Barrierefreies Internet bedeutet, dass allen Nutzern alle Möglichkeiten und Inhalte offenstehen, auch wenn sie eingeschränkt sind. Diese Einschränkungen können sich durch körperliche oder geistige Behinderungen ergeben, durch Krankheiten oder die technische Ausstattung, die die Person nutzt. Auch das Alter ist ein Faktor: Viele ältere Menschen surfen nicht im Internet, weil sie sich damit nicht auskennen. Sie wissen oft weder, welche Möglichkeiten ihnen das Internet bietet, noch, wie sie es nutzen können.

Barrieren können sich für Personen ergeben, die sehbehindert oder blind sind. Ebenso für Menschen, die bestimmte Geräte oder Techniken nutzen, für die bestimmte Websites nicht ausgelegt sind. Barrierefreie Webseiten hingegen können mit allen Geräten (PC, Handy, Tablet, Laptop), Betriebssystemen (etwa Mac, Microsoft, Linux) und Browsern (wie Firefox, Safari, Chrome, Internet Explorer) gleichermaßen abgerufen werden.

Richtlinien zur Stärkung des barrierefreien Internets

Es gibt auf Bundes- und EU-Ebene verschiedene Richtlinien und Gesetze, die sich auf die Barrierefreiheit im Internet auswirken. Am 1. Mai 2002 ist das Gesetz zur Gleichstellung behinderter Menschen und zur Änderung anderer Gesetze (Behindertengleichstellungsgesetz, kurz BGG) in Kraft getreten. Es enthält Regelungen zur Barrierefreiheit in der Informationstechnik in der öffentlichen Verwaltung. Die zugehörige Rechtsverordnung Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung BITV konkretisiert, welche Anforderungen und Bedingungen erfüllt sein müssen.

Relevant ist außerdem die EU-Richtlinie für barrierefreie Websites WCAG (Web-Content Accessibility Guidelines) 2.1. Sie ist seit Dezember 2016 in Kraft und gilt für öffentliche Einrichtungen. Die EU-Staaten hatten bis September 2018 Zeit, die Vorgaben der Richtlinie in nationales Recht umzusetzen. Inzwischen gilt: Seit dem 23. September 2019 müssen alle neuen Webseiten, die nach dem 23. September 2018 erstellt wurden, barrierefrei sein. Das gilt mittlerweile auch für alle mobilen Anwendungen. Diese Regelungen gelten für öffentliche Stellen auf allen Verwaltungsebenen, aber auch für Krankenhäuser, städtische Verkehrsbetriebe und bestimmte Dienstleister.

Barrierefreiheit im Internet: Grundprinzipien laut WCAG

Die Grundprinzipien des barrierefreien Internets sind laut WCAG:

Barrieren auf Websites: Daran kann es haken

Woran kann es liegen, wenn Webseiten nicht barrierefrei sind? Einerseits kann das die Wahrnehmung der Elemente und Inhalte betreffen. Je nachdem, welche Schriftgrößen, Schriftarten, Farben, Symbole und Gestaltungselemente gewählt wurden, kann möglicherweise nicht jeder eine Website im vollen Umfang wahrnehmen. Andererseits können sich Barrieren auf Webseiten auch beim Verständnis ergeben. Verstehen alle Nutzer alle Texte? Sind sie einfach geschrieben? Hat der Autor Abkürzungen oder Fachbegriffe verwendet, die möglicherweise nicht allen Usern geläufig sind? Das können Hindernisse sein.

Auch die Navigation auf Websites spielt eine Rolle bei der Barrierefreiheit im Internet. Hierbei kommt es zum Beispiel darauf an, ob Webseiten für unterschiedliche Geräte und Browser optimiert sind. Oder auch darauf, ob man Links auch mit dem Handy gut anklicken kann. Zu den weiteren Faktoren, die sich auf die Barrierefreiheit von Websites auswirken, zählen außerdem die Möglichkeiten der Teilhabe, etwa über Kommentare, eigene Beiträge und Feedback.

Barrierefreies Web: Welche Möglichkeiten gibt es?

Wie kann man eine Webseite barrierefrei gestalten? Grundsätzlich sollten Webangebote dazu bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Jede Webseite sollte übersichtlich gegliedert sein und eine klare Informationsstruktur aufweisen. Sie sollte logisch aufgebaut und maximal kompatibel sein, etwa mit verschiedenen Endgeräten, Betriebssystemen und Browsern. Welche Aspekte dabei helfen können, eine Website barrierefrei zu gestalten, erfährst du in diesem Abschnitt.

Screenreader einbinden

Im Sinne eines barrierefreien Internets sollten Websites assistive Technologien einbinden. Es gibt zum Beispiel die Möglichkeit, für Menschen mit einer Sehbehinderung Texte vorlesen zu lassen. Über eine Braille-Zeile und spezielle Ausgabegeräte werden Zeichen in Blindenschrift übersetzt. Mithilfe von spezieller Software – sogenannten Screenreadern – können die Inhalte dann angesteuert werden.

Assistive Technologien für gehörlose oder schwerhörige Menschen

Zu den assistiven Technologien, die zur Gestaltung von barrierefreien Internetseiten genutzt werden können, zählen auch spezielle Darstellungsformate für Menschen, die gehörlos oder schwerhörig sind oder Gebärdensprache sprechen.

Struktur und Design von Inhalten

Außerdem gehört zum barrierefreien Internet zum Beispiel die gute Strukturierung der Inhalte von Webseiten. Texte sollten viele Absätze aufweisen und übersichtlich gestaltet sein, damit sie besser lesbar sind. Dabei kommt es auch auf geeignete Schriftarten und Schriftgrößen an. Schriftgrößen sollten im Browser skalierbar sein, damit jeder Nutzer sie an seine Bedürfnisse anpassen kann. Eine Bildschirmlupe kommt Menschen mit eingeschränktem Sichtvermögen zugute.

Kontraste erleichtern die Wahrnehmung

Wichtig ist auch ein kontrastreiches Design: Texte und andere Elemente sollten sich hinreichend vom Hintergrund abheben. Schwarze Schrift auf einem dunkelroten Hintergrund wäre etwa keine gute Wahl im Sinne der Barrierefreiheit im Internet, der Klassiker schwarz auf weiß hingegen schon.

Leicht verständliche Texte, Beschreibung von Bildern

Texte sollten in leicht verständlicher Sprache verfasst sein, so dass alle Menschen die Inhalte verstehen können. Es sollte nicht nötig sein, dass jemand einen speziellen Hintergrund oder ein bestimmtes Bildungsniveau hat, um teilhaben zu können. Bilder sollten mit Beschreibungen versehen werden, damit auch blinde Menschen und Menschen mit Sehbehinderung ihren Inhalt wahrnehmen können.

HTML-Auszeichnungen und Positionierung von Elementen

Weitere Beispiele für Aspekte, die beim barrierefreien Internet wichtig sind, betreffen die Auszeichnungen von HTML-Elementen und die Positionierung von Elementen auf einer Website. Außerdem sollten die Inhalte auch rein über eine Tastatur nutz- und steuerbar sein – eine Maus benutzen zu müssen, kann eine Barriere darstellen.

Warum es im Sinne von Unternehmen ist, barrierefreie Webseiten anzubieten

Nur ein Bruchteil der Webseiten im Internet ist barrierefrei. Auch viele Unternehmen haben diesbezüglich Nachholbedarf. Dabei liegt es durchaus im Interesse von Firmen, digitale Inhalte auf ihren Webseiten barrierefrei anzubieten. Ganz grundlegend zeugt es von Wertschätzung, Offenheit und Inklusion, wenn Unternehmen darauf achten, dass sie zu einer größeren Barrierefreiheit im Internet beitragen. Damit kommen sie nicht nur ihrer sozialen Verantwortung nach – Stichwort Corporate Social Responsibility (CSR) –, es wirkt sich auch positiv auf ihren Ruf aus.

Immer mehr Menschen befassen sich intensiv mit Gerechtigkeitsfragen. Dazu gehört auch das Thema Barrierefreiheit im Internet. Wenn ein Unternehmen als Vorreiter wahrgenommen wird, ist das positiv fürs Image. Es ist damit auch ein PR-Tool, die eigene Webseite so barrierefrei wie möglich zu gestalten. Zugleich kann ein vorbildlicher Web-Auftritt Rufschädigungen und Umsatzrückgängen durch verlorene Kunden vorbeugen.

Darüber hinaus kann eine barrierefreie Webseite mehr Nutzer anlocken als Webseiten, die nicht inklusiv sind. Dadurch gewinnt das Unternehmen mit seinen digitalen Angeboten an Reichweite und rankt durch eine verbesserte SEO und gute Usability besser bei Suchmaschinen.

Bildnachweis: Markus Mainka / Shutterstock.com

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