Arbeitsleben & BerufArbeitsschutz im Homeoffice: Gesund und sicher zu Hause arbeiten

Arbeitsschutz im Homeoffice: Gesund und sicher zu Hause arbeiten

Auch bei der Arbeit zu Hause ist Sicherheit ein zentrales Thema, um Beschäftigte vor gesundheitlichen Risiken, langfristigen Belastungen und Unfällen zu schützen. Viele Menschen unterschätzen die Gefahren in den eigenen vier Wänden, doch ein schlecht eingerichteter Arbeitsplatz kann weitreichende Folgen haben. Erfahre hier, worauf es bei der Arbeitssicherheit im Homeoffice im Detail ankommt, welche gesetzlichen Vorgaben gelten und wer die Verantwortung für die Umsetzung trägt.

Arbeitssicherheit im Homeoffice: Rechtliche Grundlagen

In der modernen Arbeitswelt arbeiten viele Arbeitnehmer zumindest zeitweise im Homeoffice. Was auf den ersten Blick unkompliziert wirkt, bringt jedoch rechtliche Verpflichtungen mit sich – insbesondere beim Arbeitsschutz. Vielen Beschäftigten und auch manchen Arbeitgebern ist nicht bewusst, dass die gesetzlichen Regelungen zur Arbeitssicherheit im Homeoffice oder beim mobilen Arbeiten nahezu identisch mit denen im Betrieb sind. Relevant sind hierbei insbesondere die Bestimmungen des Arbeitsschutzgesetzes (ArbSchG) und der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV). Diese Gesetze verpflichten den Arbeitgeber dazu, Gefährdungen zu ermitteln und Maßnahmen zu deren Abwendung zu treffen.

Zusätzlich gelten für den Homeoffice-Arbeitsschutz die Vorschriften der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV). Die DGUV fungiert als Spitzenverband der Berufsgenossenschaften und Unfallkassen und ist somit für den gesetzlichen Unfallversicherungsschutz zuständig. Zu den relevanten Vorschriften, die auch im Heimbüro beachtet werden müssen, zählen etwa die DGUV-Vorschrift 1 („Grundsätze der Prävention“) sowie die DGUV-Regel 115-401 („Branche Bürobetrieb“), die detaillierte Anforderungen an Büroarbeitsplätze formuliert.

Die Hauptverantwortung für den Arbeitsschutz im Homeoffice trägt – wie auch im Büro oder im Betrieb – der Arbeitgeber. Er muss dafür sorgen, dass die Tätigkeit seiner Mitarbeiter unter Bedingungen stattfindet, die die Gesundheit nicht gefährden. In seinem Verantwortungsbereich liegt es beispielsweise sicherzustellen, dass der Arbeitsplatz ergonomischen Standards entspricht, dass die zur Verfügung gestellten Arbeitsmittel sicher sind und dass die Beschäftigten regelmäßig über mögliche Risiken unterwiesen werden.

Gefährdungsbeurteilung: Im Homeoffice nötig?

Ein wesentlicher Pfeiler des Arbeitsschutzes ist die Gefährdungsbeurteilung. Diese ist im Homeoffice genau wie im Betrieb gesetzlich vorgeschrieben. Der Arbeitgeber muss analysieren, welche physischen und psychischen Belastungen am heimischen Arbeitsplatz auftreten können. Da der Arbeitgeber jedoch kein uneingeschränktes Zutrittsrecht zur Wohnung des Mitarbeiters hat (Schutz der Unverletzlichkeit der Wohnung), erfolgt diese Beurteilung in der Praxis häufig durch eine strukturierte Befragung oder Checklisten, die der Mitarbeiter ausfüllt. Der Arbeitgeber muss sich also nicht zwingend persönlich vor Ort umsehen, er bleibt jedoch in der Dokumentationspflicht.

Gleichzeitig sind auch die Beschäftigten in der Pflicht, aktiv mitzuwirken. Sie müssen die Anweisungen des Arbeitgebers zum Arbeitsschutz befolgen und die bereitgestellten Schutzmaßnahmen auch tatsächlich nutzen. Das bedeutet konkret: Wenn der Arbeitgeber einen ergonomischen Stuhl stellt oder Vorgaben zur Kabelführung macht, muss der Mitarbeiter diese umsetzen. Zudem müssen Beschäftigte festgestellte Mängel an den Arbeitsmitteln umgehend melden.

Letztlich ist der Arbeitsschutz im Homeoffice Teamarbeit: Nur wenn Arbeitgeber und Arbeitnehmer Hand in Hand arbeiten und die Kommunikation über die Bedingungen vor Ort offen bleibt, kann ein sicheres und gesundes Arbeitsumfeld außerhalb des Betriebsgeländes gewährleistet werden.

Ergonomie am Homeoffice-Arbeitsplatz: Gesund zu Hause arbeiten

Das Thema Ergonomie ist ein entscheidender Faktor für die langfristige Gesundheit, ganz gleich, ob die Tätigkeit im Büro oder am heimischen Schreibtisch stattfindet. Gerade im Homeoffice besteht jedoch oft die Tendenz, provisorische Lösungen zu nutzen – etwa den Laptop am Küchentisch oder das Arbeiten auf dem Sofa. Eine solche suboptimale Ausstattung erhöht das Risiko für Verspannungen, chronisches Rückenleiden, Kopfschmerzen und Sehschwächen erheblich.

Für ein ergonomisches Arbeiten zu Hause muss der Arbeitsplatz systematisch eingerichtet sein. Bei der Bildschirmarbeit gilt die Faustformel: Die Oberkante des Monitors sollte etwa auf Augenhöhe enden oder leicht darunter liegen, damit der Nacken entspannt bleibt und der Blickwinkel leicht nach unten geneigt ist. Ein separater Monitor ist einem kleinen Laptop-Bildschirm bei längerer Tätigkeit immer vorzuziehen. Tastatur und Maus müssen so positioniert werden, dass die Unterarme waagerecht aufliegen können, ohne dass die Schultern unnatürlich hochgezogen werden müssen. Experten raten zudem zu regelmäßigen Mikropausen, in denen man die Hände ausschüttelt und den Blick in die Ferne schweifen lässt, um die Augen zu entlasten.

Ein weiterer zentraler Punkt sind die Sitzmöbel. Ein einfacher Küchenstuhl ist für einen Acht-Stunden-Tag nicht geeignet. Ergonomische Bürostühle zeichnen sich dadurch aus, dass sie individuell verstellbar sind – das betrifft die Sitzhöhe, die Sitztiefe, die Armlehnen sowie die Lordosenstütze für den unteren Rücken. Beim Sitzen sollten die Füße fest und flach auf dem Boden stehen, wobei Ober- und Unterschenkel einen Winkel von mindestens 90 Grad bilden sollten. Ist der Tisch zu hoch und lässt sich nicht verstellen, kann eine Fußstütze die nötige Entlastung bringen. Idealerweise verfügt der Arbeitsplatz über einen höhenverstellbaren Schreibtisch (Sitz-Steh-Tisch), da der regelmäßige Wechsel der Haltung die Wirbelsäule massiv entlastet.

Abgerundet wird das ergonomische Konzept durch das Raumklima und die Beleuchtung. Eine schlechte Ausleuchtung führt schnell zu Ermüdung und Konzentrationsmangel. Der Arbeitsplatz sollte daher ausreichend hell sein, idealerweise durch indirektes Tageslicht von der Seite, um Spiegelungen auf dem Bildschirm zu vermeiden. Das Raumklima spielt ebenfalls eine Rolle: Eine Temperatur von etwa 20 Grad Celsius und eine ausreichende Luftfeuchtigkeit (ggf. durch Pflanzen unterstützt) sind ideal. Regelmäßiges Stoßlüften sorgt zudem für den nötigen Sauerstoffgehalt im Raum.

Psychische Belastungen bei der Arbeit im Homeoffice – und wie man ihnen vorbeugen kann

Homeoffice bietet viele Freiheiten, doch der Wegfall der betrieblichen Strukturen bringt auch Risiken für die psychische Gesundheit mit sich. Die psychischen Belastungen durch die Arbeit zu Hause werden oft erst zeitverzögert bemerkt, können aber zu Stresssymptomen, Schlafstörungen oder im schlimmsten Fall zum Burn-out führen.

Eine der größten Herausforderungen ist die mangelnde räumliche und zeitliche Trennung von Beruf und Privatleben. Wenn der Schreibtisch im Schlafzimmer steht oder der Laptop abends auf dem Couchtisch liegen bleibt, kommt der Geist schwerer zur Ruhe. Diese Entgrenzung wird oft durch flexible Arbeitszeiten verstärkt, die zwar theoretisch Freiräume schaffen, in der Praxis aber oft zu einem ständigen Stand-by-Modus führen.

Besonders tückisch ist das sogenannte Work-Life-Blending: Man unterbricht die Arbeit für Haushaltstätigkeiten, Kinderbetreuung oder private Termine und arbeitet dafür bis spät in die Nacht. Die Folge ist oft, dass keine klaren Erholungsphasen mehr existieren. Die Arbeit fühlt sich dadurch omnipräsent an, und die Erschöpfung nimmt zu, weil die Qualität der Pausen durch die private Ablenkung sinkt.

Was Arbeitgeber und Arbeitnehmer tun können

Ein weiterer Faktor ist die soziale Isolation. Im Homeoffice fehlen die kurzen Gespräche an der Kaffeemaschine oder der schnelle Austausch über den Flur. Dieser Mangel an informeller Kommunikation kann dazu führen, dass sich Mitarbeiter vom Unternehmen abgekoppelt fühlen. Um dem entgegenzuwirken, sind virtuelle Meetings wichtig, die nicht nur rein geschäftliche Themen behandeln. Digitale „Kaffeeküchen“ oder regelmäßige Check-ins per Video können das Zugehörigkeitsgefühl stärken.

Der Arbeitgeber ist im Rahmen des Arbeitsschutzes verpflichtet, auch die psychischen Belastungen in die Gefährdungsbeurteilung einzubeziehen. Führungskräfte sollten sensibilisiert werden, Anzeichen von Überlastung oder Isolation bei ihren Mitarbeitern auch aus der Ferne zu erkennen. Regelmäßige Mitarbeitergespräche, in denen nicht nur über Ergebnisse, sondern auch über das Befinden im Homeoffice gesprochen wird, sind hierbei ein wichtiges Instrument.

Auf individueller Ebene müssen Arbeitnehmer lernen, Grenzen zu setzen. Feste Rituale können helfen: Morgens „zur Arbeit zu gehen“ (auch wenn es nur der Weg zum Schreibtisch ist) und abends den Laptop bewusst wegzuräumen. Eine klare Strukturierung des Tages mit festen Pausenzeiten ist essentiell. Zudem sollte die Erreichbarkeit nach Feierabend konsequent eingeschränkt werden, um dem Gehirn die nötige Regenerationszeit zu geben.

Elektrische Gefahrenquellen und Brandgefahr: Mehr Sicherheit im Homeoffice

Die elektrische Sicherheit wird im privaten Umfeld oft weniger streng kontrolliert als im Betrieb, was im Homeoffice zu ernsthaften Gefahren führen kann. Ein moderner Arbeitsplatz benötigt zahlreiche elektrische Geräte: PC, Monitor, Drucker, Lampen und Ladegeräte. Dies führt oft zu einer Überlastung der vorhandenen Steckdosen.

Es ist lebenswichtig, die elektrischen Leitungen und Geräte regelmäßig einer Sichtprüfung zu unterziehen. Beschädigte Kabel, lockere Steckdosen oder Geräte, die ungewöhnlich heiß werden, müssen sofort außer Betrieb genommen werden. Ein besonderes Risiko stellen Mehrfachsteckdosen dar: Werden mehrere Steckdosenleisten hintereinander gesteckt („Kaskadierung“), droht eine Überhitzung der Leitungen, die im schlimmsten Fall einen Kabelbrand auslösen kann. Der Arbeitgeber sollte idealerweise geprüfte Arbeitsmittel zur Verfügung stellen, die über aktuelle Prüfplaketten verfügen.

Auch der Brandschutz ist ein Thema für das Homeoffice. In den meisten Bundesländern sind Rauchwarnmelder in Wohnräumen ohnehin Pflicht – für das Homeoffice sollte man sicherstellen, dass diese auch im Arbeitsbereich funktionieren. Da im Heimbüro oft viele brennbare Materialien wie Papier und elektronische Bauteile zusammentreffen, ist Vorsicht geboten. Provisorische Elektroinstallationen oder das Abdecken von Netzteilen mit Unterlagen sind tabu. Zudem sollte man wissen, wo sich der nächste Feuerlöscher im Haus befindet und wie man im Notfall das Gebäude am schnellsten verlässt.

Sicherheit im Homeoffice: Unfallprävention und erste Hilfe

Unfallprävention hört an der Haustür nicht auf. Tatsächlich passieren im Haushalt statistisch gesehen die meisten Unfälle – und das Homeoffice ist davon nicht ausgenommen. Da die häusliche Umgebung primär zum Wohnen und nicht zum Arbeiten konzipiert wurde, lauern hier oft Gefahrenquellen, die im professionell gestalteten Büro bereits durch den Facility-Manager eliminiert wurden.

Stolperfallen sind die häufigste Ursache für Sturzunfälle. Lose verlegte Stromkabel quer durch den Raum, rutschige Teppichläufer oder im Weg stehende Kartons und Aktenordner stellen ein permanentes Risiko dar. Um die Arbeitssicherheit zu erhöhen, sollte der Arbeitsplatz so minimalistisch wie möglich gehalten werden. Kabelkanäle oder einfache Kabelbinder können helfen, Ordnung zu schaffen und Laufwege frei zu halten. Eine gute Beleuchtung der Verkehrswege innerhalb der Wohnung ist ebenfalls wichtig, um Hindernisse rechtzeitig zu erkennen.

Erste Hilfe ist auch zu Hause ein Thema. Während im Betrieb Ersthelfer benannt und Verbandkästen vorgeschrieben sind, muss der Homeoffice-Arbeiter selbst vorsorgen. Es sollte eine gut ausgestattete Hausapotheke mit aktuellem Verbandsmaterial vorhanden sein. Zudem ist es ratsam, eine Liste mit Notfallnummern (inklusive der Durchwahl zum betrieblichen Ansprechpartner oder Betriebsarzt) griffbereit zu haben.

Im Falle eines Unfalls stellt sich oft die Frage nach dem Versicherungsschutz. Grundsätzlich sind Unfälle im Homeoffice über die gesetzliche Unfallversicherung abgedeckt, sofern sie in einem direkten Zusammenhang mit der beruflichen Tätigkeit stehen. Der Weg vom Schreibtisch zum Drucker ist versichert; der Weg in die Küche, um sich ein privates Mittagessen zuzubereiten, galt lange als Grauzone, wird aber durch neuere Rechtsprechungen zunehmend geschützt. Dennoch gilt: Jeder Unfall während der Arbeitszeit muss dem Arbeitgeber unverzüglich gemeldet werden, damit eine korrekte Unfallanzeige bei der Berufsgenossenschaft erfolgen kann.

Sicherheitsunterweisungen und Schulungen im Homeoffice

Information ist die beste Prävention. Der Arbeitgeber hat die gesetzliche Pflicht, seine Mitarbeiter über die Gefahren am Arbeitsplatz aufzuklären – und diese Pflicht endet nicht an der Bürotür. Sicherheitsunterweisungen sind auch für Mitarbeiter im Homeoffice zwingend erforderlich. Nur wer die Risiken kennt und weiß, wie er sich ergonomisch und sicher verhält, kann seinen Teil zum Arbeitsschutz beitragen.

Diese Unterweisungen sollten vielfältige Themen abdecken: Von der korrekten Einstellung des Bürostuhls über den Brandschutz bis hin zum Datenschutz und zur IT-Sicherheit. Auch der Umgang mit psychischen Belastungen und Stressmanagement-Techniken sollten Teil der Schulung sein. Wichtig ist, dass diese Informationen nicht nur einmalig beim Start ins Homeoffice gegeben werden. Das Gesetz schreibt eine regelmäßige Wiederholung vor, in der Regel mindestens einmal jährlich.

In der Praxis nutzen viele Unternehmen hierfür digitale Formate. Interaktive E-Learning-Module, Webinare oder Lehrvideos ermöglichen es den Mitarbeitern, die Unterweisung flexibel in ihren Arbeitsalltag zu integrieren. Ergänzend dazu sind Checklisten wertvoll, mit denen die Beschäftigten ihren eigenen Arbeitsplatz selbstständig prüfen können. Der Arbeitgeber muss die Durchführung dieser Unterweisungen dokumentieren, um im Falle eines Falles nachweisen zu können, dass er seiner Aufklärungspflicht nachgekommen ist.

Fazit: Worauf es beim Arbeitsschutz im Homeoffice ankommt

Arbeitsschutz im Homeoffice ist weit mehr als eine bürokratische Hürde – er ist das Fundament für eine nachhaltig gesunde und produktive Arbeitsweise außerhalb des Betriebs. Die wichtigsten Punkte lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Gesetzliche Geltung: Die Bestimmungen des Arbeitsschutzgesetzes und der DGUV gelten uneingeschränkt auch im Heimbüro.
  • Geteilte Verantwortung: Während der Arbeitgeber für die Bereitstellung sicherer Arbeitsmittel und die Unterweisung verantwortlich ist, muss der Arbeitnehmer die Maßnahmen aktiv umsetzen und eigenverantwortlich auf Ordnung und Sicherheit achten.
  • Ganzheitliche Ergonomie: Ein passender Stuhl und Tisch sowie die richtige Beleuchtung beugen chronischen körperlichen Leiden vor.
  • Psychischer Schutz: Die strikte Trennung von Arbeitszeit und Freizeit sowie der Schutz vor sozialer Isolation sind entscheidend für das mentale Wohlbefinden.
  • Prävention durch Wissen: Regelmäßige Schulungen und Unterweisungen sorgen dafür, dass Sicherheitsaspekte im Bewusstsein bleiben und Risiken minimiert werden.

Indem beide Seiten das Thema Arbeitsschutz ernst nehmen, wird das Homeoffice zu einer echten Win-win-Situation: Der Mitarbeiter bleibt gesund und motiviert, während der Arbeitgeber von geringeren Fehlzeiten und einer hohen Arbeitsqualität profitiert.

Bildnachweis: New Africa / Shutterstock.com

VERWANDTE ARTIKEL

BEWERBUNG

Bewerbungsratgeber von Lebenslauf.de

Ratgeberwissen im Buchformat - Inklusive Gutscheincode

 

NEUE BEITRÄGE