AllgemeinFührungszeugnis: Kosten und Tipps zur Beantragung

Führungszeugnis: Kosten und Tipps zur Beantragung

Wenn du dich für einen Job bewirbst, kann es sein, dass der Arbeitgeber von dir ein Führungszeugnis verlangt. Was ist das genau – und was steht drin? Hier erfährst du mehr über den Inhalt und die Bedeutung von Führungszeugnissen, wie du es beantragst und welche Kosten damit verbunden sind.

Führungszeugnis: Was ist das?

Das Führungszeugnis ist ein offizielles Dokument, das einen Überblick über mögliche Eintragungen im Bundeszentralregister (BZR) der jeweiligen Person enthält. Das Bundeszentralregister ist ein amtliches Register, welches vom Bundesamt für Justiz geführt wird. Darin sind Vorstrafen und andere relevante Eintragungen aufgeführt, zum Beispiel Vermerke über die Schuldfähigkeit der Person, gerichtliche Feststellungen oder Verwaltungsentscheidungen.

Neben Urteilen von Gerichten in Deutschland können auch Verurteilungen von Gerichten in anderen Ländern ins Zentralregister aufgenommen werden. Das Führungszeugnis ist zwar als Auszug aus dem Bundeszentralregister zu verstehen, enthält allerdings nicht zwingend alle vorhandenen Eintragungen im Bundeszentralregister.

Umgangssprachlich ist auch vom polizeilichen Führungszeugnis die Rede, obwohl die Polizei mit dem Dokument wenig zu tun hat. Die Bezeichnung hängt damit zusammen, dass es früher die Polizei war, die Führungszeugnisse ausgestellt hat. Das ist inzwischen anders – heute kann das Führungszeugnis beim Einwohnermeldeamt beantragt werden.

Unterschiedliche Arten von Führungszeugnissen

Es gibt nicht ein gängiges Führungszeugnis, sondern verschiedene Arten von Führungszeugnissen. Das betrifft einfache (private) und erweiterte Führungszeugnisse, außerdem gibt es das behördliche Führungszeugnis und das europäische Führungszeugnis. Was unterscheidet diese Varianten voneinander?

Das einfache Führungszeugnis ist das Führungszeugnis, das am häufigsten verwendet wird. Es wird auch als privates Führungszeugnis bezeichnet. Es enthält zwar nicht immer sämtliche Verurteilungen, reicht aber in der Regel aus, wenn ein Arbeitgeber ein Führungszeugnis im Rahmen einer Bewerbung sehen möchte. Wenn es hingegen um Auskünfte über eine Person geht, die durch ihren Beruf oder ein Ehrenamt mit Kindern und Jugendlichen Kontakt hat, ist das erweiterte Führungszeugnis relevant. Anders als das einfache Führungszeugnis enthält es zusätzlich mögliche Verurteilungen über Sexualdelikte, die wegen ihrer Geringfügigkeit nicht in das private Führungszeugnis aufgenommen würden.

Das behördliche Führungszeugnis ist nur für Behörden relevant. In dieses Führungszeugnis werden sämtliche Verurteilungen aufgenommen. Das gilt auch für Straftaten, die mit den wirtschaftlichen Tätigkeiten der Person oder der Ausübung eines Gewerbes in Verbindung stehen. Dieses Führungszeugnis kann im Rahmen einer Bewerbung im öffentlichen Dienst gefragt sein. Außerdem gibt es das erweiterte behördliche Führungszeugnis, in dem ausnahmslos alle Verurteilungen stehen, egal, wie die Strafe ausgefallen ist.

Dann gibt es noch das europäische Führungszeugnis, das von Menschen aus dem EU-Ausland verlangt werden kann, die in Deutschland leben. Es enthält ebenso wie das deutsche Führungszeugnis Auszüge aus dem Strafregister, ist aber in der Sprache des Herkunftslands verfasst. Das kann dazu führen, dass es übersetzt werden muss, bevor es eingereicht werden kann.

Wofür braucht man das Führungszeugnis?

In bestimmten Umständen kann ein Führungszeugnis verlangt werden. Das gilt zum Beispiel im Rahmen einer Bewerbung, vor allem bei Bewerbungen für Jobs, in denen die Mitarbeiter Kontakt mit Kindern oder Jugendlichen haben. Der Arbeitgeber lässt sich in solchen Fällen ein Führungszeugnis vorlegen, um Vorstrafen des Bewerbers ausschließen. Auch wenn du ein Ehrenamt aufnehmen möchtest, kann es sein, dass du zuerst ein Führungszeugnis vorlegen musst. 

Ebenso kann ein Führungszeugnis gefragt sein, wenn du bei einer Behörde arbeiten möchtest. Dasselbe gilt für die Aufnahme in ein Beamtenverhältnis oder wenn ein Rechtsreferendariat angestrebt wird. Auch zur Beantragung eines Gewerbescheins ist ein Führungszeugnis erforderlich.

Wie hoch sind die Kosten für ein Führungszeugnis?

Die Beantragung eines Führungszeugnisses ist in aller Regel mit Kosten verbunden, nämlich mit einer Gebühr von 13 Euro. Es gibt jedoch Ausnahmen: Wenn du eine ehrenamtliche Tätigkeit beginnen möchtest, kannst du das Führungszeugnis kostenlos bekommen. Auch Bezieher von Arbeitslosengeld II („Hartz IV“) oder Sozialgeld müssen für die Beantragung eines Führungszeugnisses nichts bezahlen, allerdings nur bei einer Vorlage ihres Bewilligungsbescheids. Wenn du das Führungszeugnis für eine Bewerbung brauchst, kann es auch sein, dass der Arbeitgeber die Kosten dafür erstattet.

Wie kann man ein Führungszeugnis beantragen?

Wie beantragt man ein Führungszeugnis und was braucht man für ein Führungszeugnis an Unterlagen? Das Führungszeugnis muss in der Regel von der Person beantragt werden, die es betrifft. Es ist also zum Beispiel nicht möglich, einem potenziellen Arbeitgeber zu erlauben, das Führungszeugnis in deinem Namen zu beantragen. Jeder, der mindestens 14 Jahre alt ist, kann ein Führungszeugnis beantragen.

In bestimmten Fällen dürfen auch Behörden die Beantragung des Führungszeugnisses übernehmen, wenn sie eines benötigen. Allerdings geschieht dies in der Regel nur, wenn die betreffende Person trotz Aufforderung nicht selbst ein Führungszeugnis beantragt hat. Außerdem gilt für Gerichte und Staatsanwaltschaften ein uneingeschränktes Auskunftsrecht – sie dürfen sich bei Bedarf Informationen über Personen einholen. Darüber müssen sie diese im Zweifel weder informieren noch ihr Einverständnis einholen.

Um ein Führungszeugnis zu beantragen, wendest du dich an das zuständige Einwohnermeldeamt. Normalerweise musst du persönlich dort erscheinen, es sei denn, du hast einen Personalausweis mit Online-Ausweisfunktion und ein entsprechendes Kartenlesegerät. In diesem Fall kannst du die Beantragung des Führungszeugnisses auch online erledigen. Falls du dafür Nachweise einreichen musst, musst du die entsprechenden Dokumente einscannen.

Bei einer persönlichen Beantragung des Führungszeugnisses beim Einwohnermeldeamt brauchst du deinen Personalausweis oder Reisepass. Falls du minderjährig bist, sollte ein Erziehungsberechtigter dich begleiten oder aber dir eine Vollmacht für die Beantragung des Führungszeugnissees ausstellen, die du dann beim Amt vorzeigst.

Nach der Beantragung kann es mehrere Wochen dauern, bis dir das Führungszeugnis zugeschickt wird. Meist dauert es bis zu drei Wochen. Frage im Zweifel bei deinem Ansprechpartner bei der Behörde nach, wann du mit dem Führungszeugnis rechnen kannst.

Führungszeugnis bei Bewerbungen: Dürfen Arbeitgeber es verlangen?

Viele Unternehmen verlangen von Bewerbern ein Führungszeugnis – entweder schon im Rahmen des Bewerbungsprozesses oder aber als Formalie nach der Einstellung. Das Führungszeugnis dient dann als Sicherheit für den Arbeitgeber, dass der neue Mitarbeiter nicht vorbestraft ist. Dürfen Arbeitgeber überhaupt von Bewerbern ein Führungszeugnis verlangen? Es kommt auf den Job an, um den es geht. Arbeitgeber dürfen ein Führungszeugnis voraussetzen, wenn es um eine Tätigkeit mit Kindern oder Jugendlichen geht, es sich um einen Job im Bereich Bewachung oder Sicherheit handelt sowie bei Beamten.

In anderen Fällen haben Arbeitgeber hingegen keine Handhabe – sie dürfen zwar nach einem Führungszeugnis fragen, der Bewerber muss der Bitte aber nicht nachkommen. Das hängt schon damit zusammen, dass das Führungszeugnis Eintragungen enthalten könnte, die für die angestrebte Stelle gar nicht relevant sind. Allerdings reichen trotzdem die meisten Bewerber ein Führungszeugnis ein, wenn sie darum gebeten werden. Kein Führungszeugnis vorzulegen, obwohl der Arbeitgeber es verlangt, könnte sonst schnell Fragen beim Arbeitgeber aufkommen lassen. Hat der Bewerber etwas zu verbergen? Legt er kein Führungszeugnis vor, weil es Eintragungen enthält? Kein Führungszeugnis einzureichen kann schnell zu einer Absage führen.

Zulässig ist es aber, wenn der Arbeitgeber sich bei Bewerbern erkundigt, ob sie Vorstrafen haben, die für die jeweilige Tätigkeit relevant sind. Solche Fragen müssen Bewerber wahrheitsgemäß beantworten. Tun sie das nicht, kann ihnen auch später noch die Kündigung drohen. 

Gültigkeit von Führungszeugnissen: Wie lange kann man ein Führungszeugnis nutzen?

Führungszeugnisse haben kein Ablaufdatum und sind grundsätzlich unbegrenzt gültig. Nichtsdestotrotz sollten sie möglichst aktuell sein, denn ein jahrealtes Führungszeugnis ist wenig aussagekräftig. Es können sich zwischenzeitlich schließlich neue Eintragungen ergeben haben, die im alten Führungszeugnis nicht aufgeführt sind. Wenn du also nicht zufällig vor kurzem ein Führungszeugnis beantragt hast, musst du wahrscheinlich ein neues Führungszeugnis beantragen, wenn dich zum Beispiel ein neuer Arbeitgeber darum bittet. Nutzt du ein bereits vorliegendes Führungszeugnis, sollte es im besten Fall maximal drei Monate alt sein.

Wie lange stehen Einträge im Führungszeugnis?

Einmal vorbestraft, immer Eintragungen im Führungszeugnis? Nein, nicht unbedingt. Vorstrafen stehen nur solange im Führungszeugnis, bis sie verjährt sind. Es kommt also auf die konkrete Straftat und ihre Verjährungsfrist an. Außerdem stehen Vorstrafen in der Regel schon früher nicht mehr im Führungszeugnis als im Bundeszentralregister – damit die Vorstrafe der Resozialisierung nicht im Weg steht. Gegebenenfalls kannst du auch einen Antrag darauf stellen, dass eine bestimmte Straftat nicht ins Führungszeugnis aufgenommen wird.

Außerdem findet gar nicht jede Vorstrafe überhaupt ihren Weg ins Führungszeugnis. Das ist bei Verurteilungen der Fall, die mit höchstens 90 Tagessätzen oder einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Monaten bestraft wurden. Dasselbe gilt in der Regel für Jugendstrafen von bis zu zwei Jahren, die zur Bewährung ausgesetzt wurden.

Bildnachweis: fizkes / Shutterstock.com

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