AllgemeinAls Aussteiger leben: Vorteile, Risiken & wie es klappen kann

Als Aussteiger leben: Vorteile, Risiken & wie es klappen kann

Keine Lust mehr auf den ewiggleichen Trott des Alltags? Als Aussteiger lässt du das typische Leben, wie es die meisten arbeitstätigen Menschen führen, hinter dir. Du entscheidest selbst darüber, was du mit deiner Zeit anfängst und wo du sie verbringst. Aber geht das überhaupt, als Aussteiger leben? Ist es wirklich so toll, wie es klingt? Was du wissen und bedenken solltest, wenn du vom Aussteigerleben träumst.

Was bedeutet es, Aussteiger zu werden?

Aus der Gesellschaft aussteigen – was heißt das eigentlich genau? Wie kann es aussehen, wenn man zum Aussteiger wird? Prinzipiell ist das Definitionssache. Immer aber geht damit ein Bruch mit dem bisherigen Leben einher. Menschen entscheiden sich bewusst dafür, ihr Lebensmodell zu verändern und ihr Leben so zu gestalten, wie sie es für richtig halten – unabhängig von gesellschaftlichen Vorstellungen und Konventionen.

Das Leben vieler Menschen läuft nach einem festen Schema: Sie werden geboren, gehen zur Schule, machen eine Ausbildung oder studieren, treten ins Berufsleben ein. Dort ackern sie gute 40 Jahre lang, gründen vielleicht nebenbei eine Familie, kaufen ein Haus, zahlen die Hypothek ab. Dann folgt noch die Zeit als Rentner, in der man endlich ein bisschen mehr Zeit für sich hat, bevor das Leben auch schon wieder vorbei ist.

Aussteiger halten wenig davon, diesen scheinbar vorgezeichneten Weg stur zu gehen. Sie folgen stattdessen ihrem ganz persönlichen Lebensentwurf. Das kann bedeuten, dass sie ihren Job kündigen und eine Weltreise machen, es kann auch bedeuten, abgeschieden von der Gesellschaft mitten im Nirgendwo zu leben. Oder es heißt, ganz bewusst einen Job zu wählen, bei dem man sich nicht totarbeiten muss, um mehr Zeit für Privates zu haben.

Diese Vorteile kann ein Leben als Aussteiger mit sich bringen

Viele Menschen träumen zumindest gelegentlich davon, als Aussteiger zu leben. Besonders viele jüngere Menschen halten wenig davon, ihr Leben für die Arbeit aufzuopfern und all ihre Zeit einem Arbeitgeber zu schenken, der sie womöglich doch nicht wirklich zu schätzen weiß. Das Aussteigerleben ist als Gegenentwurf hierzu gedacht: Aussteiger erobern ihre Zeit zurück, und sie entscheiden selbst, was sie mit ihrem Leben anfangen.

Der Wunsch, Aussteiger zu werden, kann mit verschiedenen Gründen zusammenhängen. Manche Menschen haben einfach keine Lust mehr darauf, sich tagtäglich für einen Job aufzuopfern. Sie möchten sich nicht von einem Arbeitgeber bestimmen lassen, wann sie wo zu sein und was sie wie zu tun haben, sondern ihren eigenen Weg gehen. Als Aussteiger ist das möglich, was viele Menschen an diesem Modell reizt. Andere möchten raus aus dem ewigen Hamsterrad und weg vom Dauerstress des Alltags.

Wenn jemand zum Aussteiger wird, kann dem eine Lebenskrise vorausgegangen sein. Vielleicht hatte jemand einen Burnout, eine schwere Krankheit oder musste einen großen persönlichen Verlust verkraften. In solchen Ausnahmesituationen machen sich viele Menschen Gedanken darüber, was sie eigentlich mit ihrer kostbaren Lebenszeit anfangen. Für viele ist es das erste Mal, dass sie ihren bisherigen Weg infrage stellen. Die Erkenntnis lautet dann oft: So soll es nicht weitergehen.

Es kann auch sein, dass sich jemand nach Ruhe und Abgeschiedenheit sehnt. Er möchte nicht mehr inmitten des Trubels einer Stadt leben; selbst ein Dorf kann schon zu viel Zivilisation sein. Ein Häuschen im Nichts, das klingt schon besser. Andere werden zum Aussteiger, weil sie ihren Konsum verändern möchten. Sie möchten die Umwelt schonen, indem sie ihren eigenen Strom erzeugen, oder werden zum Selbstversorger, um die konventionelle Lebensmittelproduktion nicht weiter zu unterstützen. Damit ist dann der Wunsch verbunden, einen möglichst geringen Fußabdruck zu hinterlassen und die Schönheit der natürlichen Welt für nachfolgende Generationen zu bewahren.

Aussteigen aus dem System: Verschiedene Modelle und Wege

Beim Stichwort Aussteiger denken viele Menschen womöglich sofort an einen Einsiedler, vielleicht mit langem Bart und etwas ungepflegtem Äußeren, der in einer abgeschiedenen Hütte alleine lebt und Menschenkontakte meidet. Als Aussteiger zu leben kann so aussehen, es gibt aber zig Modelle, die in diese Kategorie fallen – entscheidend ist, was man daraus macht und wie man selbst sich das Aussteigerleben vorstellt.

Manche Aussteiger kündigen ihren Job und gehen ins Ausland. Dort reisen sie dann zum Beispiel herum, haben keinen festen Wohnsitz, vielleicht aber einen Van oder ein Wohnmobil. Mit Gelegenheitsjobs verdienen sie das Nötigste, sind ansonsten aber sparsam, um möglichst günstig zu leben. Ebenso könnte jemand als digitaler Nomade im Ausland leben und damit je nach Tätigkeit auch durchaus gutes Geld verdienen. Manche Aussteiger arbeiten wenig oder gar nicht, andere viel, aber auf selbstständiger Basis und damit selbstbestimmt.

Um auszusteigen, ist es nicht nötig, Deutschland zu verlassen. Man kann auch hierzulande ein Aussteiger sein. Ein Aussteiger in Deutschland hat vielleicht ein Häuschen auf dem Land, in dem er sich weitgehend selbst versorgt. Ebenso könnte er aber auch inmitten einer Großstadt leben – vielleicht ist er nicht ausgestiegen aus der Gesellschaft, sondern hat lediglich seinen stressigen Job gegen eine ruhigere Teilzeittätigkeit eingetauscht.

Unterschiede gibt es zwischen Aussteigern auch bei der Dauer ihres Aussteigerdaseins. Manche Menschen kehren der Gesellschaft oder einem anstrengenden Job für eine gewisse Zeit den Rücken, machen dann aber da weiter, wo sie vorher aufgehört haben. Andere haben sich dazu entschieden, dauerhaft einem anderen Weg zu folgen. Das heißt natürlich nicht, dass man bei dieser Variante den eigenen Lebensentwurf nicht anpassen könnte, wenn sich die Prioritäten oder Vorstellungen geändert haben.

Wie realistisch ist der Traum vom Aussteigerleben?

Vielleicht denkst du an dieser Stelle: Als Aussteiger leben, das klingt schön und gut – aber auch ein wenig naiv. Ist es wirklich realistisch, aus dem System auszusteigen? Kann man das überhaupt in letzter Konsequenz – und will man es auch?

Wie so viele Dinge klingt auch ein Aussteigerleben oft spannender, als es tatsächlich ist. Aussteiger zu werden ist keine Garantie zum Glücklichsein. Wenn du vorher unglücklich warst, kannst du es auch als Aussteiger sein. Es kann auch sein, dass sich deine Lebensqualität verringert, wenn du aussteigst. Zum Beispiel, weil du als Aussteiger plötzlich mit sehr viel weniger Geld klarkommen musst. Oder weil du dein vertrautes soziales Umfeld hinter dir gelassen hast und jetzt alleine im Ausland lebst.

Ob man als Aussteiger leben kann und will sind zwei unterschiedliche Fragen. Die erste Frage lässt sich klar mit Ja beantworten – wer die passende Strategie hat, kann aus der Gesellschaft aussteigen, wenn es sein Wunsch ist. Zumal es Ansichtssache ist, was es bedeutet, Aussteiger zu werden. Wie zufriedenstellend das in letzter Konsequenz ist, muss jeder Aussteiger für sich beantworten. Je besser dieser Schritt geplant ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass man am Ende glücklich mit dem eigenen Lebensmodell ist. Und wenn nicht, ist es in den meisten Fällen kein Problem, zu einem etwas typischeren Lebensmodell zurückzukehren.

Als Aussteiger leben: Risiken und mögliche Nachteile

Ob ein Leben als Aussteiger die beste Lösung für dich ist, solltest du dir gut überlegen. Es birgt gewisse Risiken und kann Nachteile mit sich bringen, die du bedenken solltest. Du weißt zum Beispiel vorher wahrscheinlich nicht, wie das Aussteigerleben wirklich sein wird. Jetzt stellst du es dir womöglich rosig vor, aber es gibt keine Garantie, dass es auch wirklich so gut sein wird, wie du es dir ausmalst. Es kann sein, dass du unrealistische Vorstellungen hast. Vielleicht sind deine Pläne nicht praxistauglich, vielleicht würde das Geld nicht reichen, vielleicht wäre das neue Leben einfach nicht so spaßig oder zufriedenstellend wie gedacht.

Falls dein Traum vom Dasein als Aussteiger mit einem wesentlich geringeren Wohnraum einhergeht, ist auch das riskant. Campervans zum Beispiel liegen nach wie vor sehr im Trend; schön eingerichtet und geschmückt sehen sie auf den Bildern bei Instagram einladend aus. Das tatsächliche Van-Leben kann aber auch unkomfortabel und anstrengend sein. Ähnlich ist es mit Tiny Homes: Was für einen Urlaub eine nette Abwechslung wäre, ist nicht unbedingt die Lösung für das weitere Leben. Das heißt nicht, dass du im Van oder einem Tiny Home nicht glücklich werden könntest. Du solltest aber wissen, worauf du dich einlässt – vor allem, wenn du große Veränderungen anstrebst oder es um viel Geld geht.

Woanders ist nicht alles besser

Menschen, die davon träumen, im Ausland zu leben, stellen sich oft vor, dass in einem anderen Land alles aufregender ist als in der alten Heimat. Die Realität hat mit solchen Vorstellungen oft wenig gemein. Es kann zum Beispiel sein, dass du dich einsam und von deinen bisherigen Kontakten abgeschnitten fühlst. Oder dass du einen Kulturschock erlebst, wenn es dich in die Ferne gezogen hat. Selbst ständige Sonne – eine Traumvorstellung für viele – kann dir irgendwann auf die Nerven gehen.

Manche Lebensentwürfe setzen voraus, dass man als Aussteiger mit sehr wenig Geld auskommt. Das kann auf Dauer eine große Belastung sein, wenn man an allen Ecken und Enden sparen muss. Wer als Aussteiger geringe Einkünfte hat, hat außerdem womöglich spätestens im Alter ein Problem – eine üppige Rente gibt es dann nicht, jedenfalls nicht, wenn man über viele Jahre kaum Geld verdient hat. Was in jungen Jahren hinnehmbar ist, ist als Rentner womöglich eine große Belastung, die die eigene Lebensqualität stark verringert.

Aussteigen aus der Gesellschaft: Mit diesen Aussteiger-Tipps kann es klappen

Der Traum vom Aussteigen aus dem System kann wahr werden, auch wenn es am Ende nicht immer so läuft wie zu Anfang gedacht. Manchmal klappt es, obwohl man im Vorfeld wenig geplant und einen Sprung ins kalte Wasser gewagt hat. Dennoch: Eine gute Planung kann die Erfolgswahrscheinlichkeit stark erhöhen. Du solltest dir im Vorfeld im Klaren darüber sein, was du willst und welche Erwartungen du an den neuen Lebensabschnitt hast. Wenn du dich mit Nachteilen und Risiken auseinandersetzt, weißt du, was auf dich zukommen könnte. Die folgenden Aussteiger-Tipps können dir dabei helfen, dein Vorhaben in die Tat umzusetzen.

Als Aussteiger leben – aber wie?

Was genau ein Leben als Aussteiger ausmacht, ist Ansichtssache. Entscheidend ist nicht, welches Modell andere gewählt haben, sondern was du möchtest. Darüber solltest du dir im Klaren sein, denn nur dann kannst du einen passenden Weg einschlagen. Möchtest du alle Zelte abbrechen, deinen Job kündigen, ins Ausland gehen und herumreisen? Oder sieht deine Vorstellung vom Aussteigerleben so aus, dass du dir eine Stelle suchst, bei der du nicht mehr so viel arbeiten musst? Überlege dir möglichst genau, was dir vorschwebt.

Wovon wirst du leben?

Nicht immer, aber in vielen Fällen haben Aussteiger nicht allzu viel Geld zur Verfügung. Das muss kein Problem sein, wenn man niedrige Ausgaben hat. Trotzdem ist eine realistische Finanzplanung im Vorfeld essenziell, um zu verhindern, dass das Vorhaben scheitert, weil dir das Geld ausgeht. Überlege, wovon du leben wirst und wie viel Geld du als Aussteiger realistisch benötigst.

Einen Vorgeschmack auf das Leben als Aussteiger bekommen

Im besten Fall weißt du vorher, was dich als Aussteiger erwartet. Wenn du die Möglichkeit hast, das Aussteigerleben unverbindlich zu testen, ist das grundsätzlich eine gute Idee. Vielleicht kannst du einen längeren Urlaub in dem Land machen, in dem du als Aussteiger leben möchtest. Oder vielleicht hast du die Gelegenheit, zwischen zwei Jobs ein neues Lebensmodell auszutesten. Je besser du dir vorstellen kannst, wie es wirklich wäre als Aussteiger, desto realistischer kannst du planen.

Mit Rückschlägen rechnen

Stelle dich darauf ein, dass es nicht immer reibungslos laufen wird. Wenn du auf Herausforderungen, Hindernisse und Rückschläge eingestellt bist, kommen sie nicht aus dem Nichts und werfen dich weniger aus der Bahn. Wenn du als Aussteiger leben möchtest, lassen sich gewisse Durststrecken oft nicht vermeiden. Dann ist es wichtig, dranzubleiben – mit der nötigen Geduld, vielleicht auch einer kleinen Planänderung, kann dein Vorhaben trotzdem erfolgreich sein. 

Der richtige Zeitpunkt

Wann ist der Zeitpunkt gekommen, sich aus dem System zu verabschieden und das Aussteigerleben zu beginnen? Das ist ganz individuell. Im besten Fall hattest du genug Zeit, dein Vorhaben reiflich zu überlegen und gut zu planen – so bist du besser vorbereitet. Manchmal kann es sich aber auch lohnen, Gelegenheiten zu nutzen, die man nicht auf dem Schirm hatte. Das kann der Fall sein, wenn sich gravierende Veränderungen im eigenen Leben ergeben, durch die du weniger zu verlieren hast – zum Beispiel eine unverhoffte Kündigung oder eine Trennung.

Abseits von solchen besonderen Umständen ist der richtige Zeitpunkt gekommen, wenn alles vorbereitet ist und du bereit für den neuen Lebensabschnitt bist. Erzwinge dabei nichts – wenn du noch etwas Zeit brauchst, bis du dich bereit fühlst, ist das eben so. Andererseits musst du den Mut irgendwann aufbringen, sonst machst du es womöglich nie. Höre auf dein Bauchgefühl, um den richtigen Moment zu finden, deine Pläne in die Tat umzusetzen.

Bildnachweis: Olga Danylenko / Shutterstock.com

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