AllgemeinFachkräftemangel: So ist die Lage in Deutschland

Fachkräftemangel: So ist die Lage in Deutschland

Ein Unternehmen ist nur so gut wie seine Mitarbeiter. Was bedeutet das aber, wenn aufgrund des Fachkräftemangels fähige Mitarbeiter fehlen? Denn schon seit Jahren bleiben in Deutschland viele Arbeits- oder gar Ausbildungsplätze unbesetzt, weil qualifizierte, willige Bewerber fehlen. Trotzdem gibt es viele, viele Arbeitslose. Ist der Fachkräftemangel nun real oder nicht?

Fachkräftemangel: Was ist das überhaupt?

Von Fachkräftemangel spricht man, wenn es nicht genügend gut ausgebildete Arbeitnehmer gibt, um alle offenen Stellen zu besetzen. Als gut ausgebildete Arbeitnehmer werden solche betrachtet, die ein Studium abgeschlossen oder eine duale Ausbildung absolviert haben.

Aus diesem Grund ist es auch verständlich, dass wir in Deutschland in bestimmten Branchen und Regionen einen Fachkräftemangel haben, es auf der anderen Seite trotzdem viele Arbeitslose gibt. Denn nicht alle Arbeitslosen zählen zu den gesuchten Fachkräften, die man mit dem Fachkräftemangel meint.

Zu den gesuchten Angestellten gehören in der Regel folgende Personengruppen:

  1. Fachkräfte aus den sogenannten MINT-Berufen. Damit sind Personen gemeint, die ein Studium oder eine Ausbildung im medizinischen Bereich, in der Informationstechnologie, in der Naturwissenschaft oder im großen Bereich Technik absolviert haben.
  2. Fachkräfte im Pflegebereich: Auch diese Personen werden händeringend gesucht. Der Fachkräftemangel in dieser Berufsgruppe wird noch dadurch verschärft, dass unsere Gesellschaft immer älter wird. In den nächsten Jahren wird daher der Bedarf an Fachkräften aus dem Pflegebereich ohnehin stark steigen. Verschlimmert wird die Entwicklung dadurch, dass zusätzlich zu dem hohen Bedarf an Pflegekräften immer weniger Menschen diesen Beruf ergreifen möchten.
  3. Fachkräfte im Handwerk: Hinzukommen Beschäftigte, die eine handwerkliche Ausbildung abgeschlossen haben. Auch die werden verstärkt gesucht. Wer schon einmal einen kurzfristigen Termin bei einem Handwerksbetrieb vereinbaren wollte, wird die Problematik kennen.

Gibt es in Deutschland einen Fachkräftemangel?

Man darf sich von dem Mangel an Fachkräften jedoch nicht täuschen lassen. Ja, es gibt einen Bedarf an gut ausgebildeten Arbeitnehmern, der nicht immer sofort gedeckt werden kann. Auf der anderen Seite kann der Fachkräftemangel von Bundesland zu Bundesland ganz unterschiedlich sein. Von einem bundesweiten Fachkräftemangel kann man daher eher nicht sprechen.

Das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung für kleinere und mittlere Unternehmen (KOFA) sieht verschiedene Gründe für den Mangel an Fachkräften in bestimmten Berufen:

  1. Der demografische Wandel: Die geburtenstarken Jahrgänge der Nachkriegszeit gehen nach und nach in Rente. Gleichzeitig werden schon seit einigen Jahrzehnten immer weniger Kinder geboren. Somit gehen mehr Menschen in den Ruhestand als neue Arbeitnehmer nachrücken. Dieser Trend lässt sich nur zum Teil über Zuwanderung auffangen.
  2. Das Studium wird immer beliebter: Immer mehr junge Menschen entscheiden sich für ein Studium anstatt für eine Ausbildung zu absolvieren. Nach Angaben des Bundesinstituts für Berufsausbildung wollen im Jahr 2019 so wenige Jugendliche eine duale Ausbildung absolvieren wie noch nie zuvor. Das führt dazu, dass der Mangel an Fachkräften gerade in den handwerklichen Ausbildungsberufen, die ohnehin mit Nachwuchssorgen zu kämpfen haben, immer größer wird.

Große regionale Unterschiede

Der Fachkräftemangel gilt also nicht pauschal. Vielmehr gibt es bestimmte Branchen und Berufe, die besonders stark vom Mangel an qualifizierten Arbeitskräften betroffen sind.

Gleichzeitig zeigen sich aber auch große regionale Unterschiede. So leiden zum einen die wirtschaftsstarken Bundesländer wie Bayern und Baden-Württemberg darunter, dass dort ansässige Unternehmen nicht genügend qualifiziertes Personal findet.

Auf der anderen Seite hat aber auch der Osten Deutschlands mit dem Fachkräftemangel zu kämpfen. Hier erklärt sich das Problem dadurch, dass gut ausgebildete Arbeitnehmer in den Westen von Deutschland abwandern.

Lösungen: So kann man gegen den Mangel vorgehen

Nicht gut genug ausgebildetes Personal ist nicht nur ein Problem für das jeweilige Unternehmen. Zahlreiche Studien weisen darauf hin, dass es für die gesamte Volkswirtschaft in Deutschland ein limitierender Faktor ist. Anders ausgedrückt: Wenn Fachkräfte fehlen, schwindet unser Wohlstand.

Die Zuwanderung allein wird den Fachkräftemangel nicht lösen können. Daher sind andere Lösungen gefragt, um das Problem so schnell wie möglich in den Griff zu bekommen.

Unter anderem folgende Ansätze werden dabei diskutiert:

1. Mehr Frauen zurück in den Beruf

Aktuell ist es häufig noch so, dass Frauen im Beruf zurückschrauben und nur noch in Teilzeit erwerbstätig sind, sobald sie Kinder bekommen. Aber auch wenn kranke und alte Angehörige gepflegt werden müssen, übernehmen diese Aufgabe häufig Frauen – mit der gleichen Konsequenz für den Job. Dieses Problem scheint gerade in Deutschland besonders groß zu sein. Denn Untersuchungen zeigen, dass in nahezu allen anderen EU-Ländern mehr Frauen in Vollzeit arbeiten als in Deutschland.

Hier sind Regierung und Arbeitgeber gefragt, entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen, damit Frauen mit Kindern leichter ins Berufsleben zurückkehren können. Ein Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz genügt häufig nicht, wenn es tatsächlich trotzdem keinen Betreuungsplatz für das Kind gibt.

2. Weniger Arbeitnehmer in Frührente schicken

Noch vor einigen Jahren konnten gut ausgebildete Fachkräfte ohne größere Schwierigkeiten in Frührente gehen. Das macht sich natürlich heute bemerkbar, denn diese Personen fehlen jetzt. Unternehmen können dem Fachkräftemangel zum Beispiel dadurch entgegenwirken, dass sie ihre gut ausgebildeten Mitarbeiter so lange wie möglich im Unternehmen halten.

Das kann unter anderem durch die Umgestaltung von Arbeitsplätzen gelingen. Auch ein betriebliches Gesundheitsmanagement, das speziell auf ältere Arbeitnehmer ausgerichtet ist, kann die Beschäftigungsquote unter diesen Arbeitnehmern erhöhen.

Das hat noch einen weiteren Vorteil: Viele ältere Arbeitnehmer freuen sich darüber, wenn sie auch nach Erreichen der Regelaltersgrenze noch etwas zu tun haben. So bekommen sie nicht das Gefühl, endgültig zum alten Eisen zu gehören. Wenn es Unternehmen gelingt, diese Beschäftigten im Unternehmen zu halten, profitieren sie nicht nur von gut ausgebildeten, sondern auch von motivierten Arbeitnehmern – und das kann auf die übrige Belegschaft positiv abfärben.

3. Menschen ohne Berufsausbildung integrieren

Dieses Vorgehen mutet zunächst vielleicht paradox an: Dem Fachkräftemangel mit ungelernten Arbeitskräften begegnen – wie soll das funktionieren? Es könnte aber ein Weg sein, wie eine KOFA-Studie zeigt. Denn die fehlenden Fachkräfte können in 30 der 204 sogenannten Engpassberufe, in denen besonders viele Fachkräfte fehlen, durch ungelernte Personen ausgeglichen werden. Wenn Unternehmen diese Personen für bestimmte Tätigkeiten anlernen, können sie auch ohne spezifische Berufsausbildung im Betrieb mithelfen und so Umsätze generieren.

4. Menschen mit Behinderung beschäftigen

Es gibt Mittel und Wege, auch Menschen mit einer Schwerbehinderung gut in den Betrieb zu integrieren. Die Bundesagentur für Arbeit gibt an, dass ungefähr 177.000 Menschen aus dieser Personengruppe gerne einer beruflichen Tätigkeit nachgehen würden. Für Unternehmen kann sich das durchaus lohnen, denn tatsächlich gibt es viele Menschen mit einer Behinderung, die gut bis sehr gut ausgebildet sind und damit dabei helfen können, den Fachkräftemangel zu überwinden.

5. Arbeitgeber attraktiver machen

Aber auch die Unternehmen selbst können an ihrem Image und ihrer Einstellung den Beschäftigten gegenüber arbeiten. Bis vor einigen Jahren war es noch vollkommen normal, dass allein Bewerber sich bemühen mussten, wenn sie einen neuen Job gesucht haben. Heute sieht es am Arbeitsmarkt etwas anders aus. Jetzt sind auch Unternehmen gefragt, sich möglichst arbeitnehmerfreundlich zu präsentieren und so die begehrten Fachkräfte zu finden.

Dieser Wandel ist jedoch noch nicht in allen Unternehmen gleichermaßen angekommen. Arbeitgeber tun daher gut daran, die neuen Gegebenheiten zumindest zur Kenntnis zu nehmen und auch etwas an ihrem Image zu arbeiten. Denn einzig und allein durch eine Stellenanzeige auf einer Online-Jobbörse finden sich heute nur noch sehr wenige Fachkräfte.

6. Wertschätzung zeigen

Ein Punkt, der dabei helfen kann, gut ausgebildete Arbeitnehmer zu finden, ist die Wertschätzung. Denn auch in diesem Punkt sollten Arbeitgeber die geänderten Rahmenbedingungen berücksichtigen. Heute können es sich gut ausgebildete Bewerber aussuchen, bei wem sie arbeiten. Sie sind nicht mehr auf jedes Jobangebot angewiesen.

Unternehmen sollten das in ihrem Bewerbungsprozess berücksichtigen und sich wertschätzend dem Arbeitnehmer gegenüber verhalten. Das fängt schon damit an, dass dieser zeitnah über den Stand seiner Bewerbung informiert wird.

Bildnachweis: Rido / Shutterstock.com

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