Lästern: Darum ist es kontraproduktiv

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Der Kollege, der sich permanent beim Chef einschleimt, weil er auf eine Beförderung schielt. Die Kollegin, die sich ständig vor ihrer Arbeit drückt und Aufgaben an andere überträgt. Oder der neue Chef, der völlig unrealistische Ziele hat. Anlässe, am Arbeitsplatz zu lästern, gibt es viele. Und entsprechend normal ist es in vielen Büros und Betrieben auch, dass Mitarbeiter über andere tratschen oder sich mit Kollegen über den Chef auslassen.

Lästern wirkt befreiend und damit vermeintlich wie etwas, das ganz natürlich ist. Es tut dir aber nicht gut, dich ständig über andere auszulassen. Damit sorgst du für schlechte Laune bei dir und anderen und kannst deine Karriere behindern.

Ein kurzes Gespräch bei Frust und Ärger kann helfen – ständiges Lästern nicht

Über andere zu reden, ist ein ganz natürlicher Impuls. Wo Menschen engen Kontakt miteinander haben – und so ist es am Arbeitsplatz – reiben sich manche Charaktere aneinander, es gibt Differenzen und unterschiedliche Ansichten. In solchen Situationen kann es zwar nützlich sein, mit anderen über die Probleme und das, was einen stört, zu sprechen. Wer gemeinsam über die neue nervige Kollegin redet oder die überzogenen Erwartungen des Vorgesetzten, macht dem eigenen Ärger Luft. Finden wir in unseren Gesprächspartnern eifrige Unterstützer unserer eigenen Ansicht, wirkt das verbindend und bestätigend.

Ein kurzes, sachliches Gespräch über eine bestimmte Situation im Betrieb ist für sich genommen zunächst kein Problem. Im Gegenteil, es kann helfen, die Sichtweise anderer zu erfahren und sich kurz über einen Sachverhalt auszutauschen.

Viele hören an dieser Stelle aber nicht auf. Vielmehr wird das Lästern zu einer festen Routine im Berufsalltag. Dann wird jede Gelegenheit genutzt, um sich über andere auszulassen – bei der Kaffeepause, beim Mittagessen oder der Unterhaltung mit den unmittelbaren Kollegen im selben Büro.

Durch Lästern erhöhen wir uns selbst. Wir fühlen uns im ersten Moment besser, sehen aber oft nicht, dass uns das negative Gerede auf Dauer gar nicht gut tut – weder unserer Laune, noch unserer Leistung im Job.

Darum bringt dir Lästern nichts

Keine Frage: Es tut gut, Frust abzulassen. Wer ein Ventil für den eigenen Ärger hat, der fühlt sich unmittelbar besser. Wenn wir mit jemandem über eine problematische Situation sprechen, der uns versteht und unsere Meinung teilt, empfinden wir das als tröstlich und aufbauend. In manchen Fällen ist es deshalb nicht schlimm, sondern sogar sinnvoll, dem eigenen Ärger kurz (!) Luft zu machen. Danach muss es aber auch wieder gut sein; das Thema darf nicht zum Dauerthema werden.

Die Grenze zu ständigem Getratsche über andere verläuft jedoch oft fließend, und allzu oft geht es plötzlich bei jeder Zusammenkunft mit bestimmten Kollegen um die nervigen Kollegen oder den Chef. In vielen Büros ist es Alltag, dass manche Mitarbeiter häufig über andere lästern. Das ist jedoch kein guter Stil. Es lässt dich unprofessionell wirken, wenn du dich permanent über andere auslässt, anstatt dich mit den wirklich wichtigen Dingen zu befassen – deiner Arbeit zum Beispiel.

Auch dem Betriebsklima kommen die Lästereien nicht zugute. Geht es ständig um dasselbe Thema, werden schnell immer mehr Kollegen mit hineingezogen. Die Gräben im Büro vertiefen sich, das grundlegende Problem verschärft sich dadurch. Es wird unwahrscheinlicher, dass die Problematik schnell aus dem Weg geräumt werden kann.

Auch für dich ist Lästern nicht so gut, wie du vielleicht denkst. Ob du es bemerkst oder nicht: Negatives Gerede wirkt auch negativ auf die eigene Stimmung. Du vertiefst die Problematik gedanklich und lässt dich davon womöglich noch stärker herunterziehen. Darunter leidet schnell deine Konzentration und damit deine Produktivität. Lässt deine Leistung nach, kann das für Probleme sorgen. Nicht zuletzt kann dir permanentes Lästern die Freude am Job vermiesen.

Gefährlich ist Lästern auch dann, wenn es unsachlich wird. Aus dem vermeintlich harmlosen Klatsch und Tratsch kann schnell Mobbing werden.

Lästernde Kollegen? Das kannst du tun

Es wird immer Kollegen geben, die über andere lästern. Die keine Gelegenheit auslassen, sich über bestimmte Personen oder Sachverhalte zu beschweren. Manche haben ernsthafte Probleme mit anderen, andere wollen sich auf dem Rücken anderer profilieren und setzen dafür sogar Unwahrheiten in die Welt. Du hast nur bedingt Einfluss darauf, wie andere sich verhalten. Du hast jedoch in der Hand, wie du selbst auf Lästereien reagierst.

Wenn deine Kollegen über einen Dritten herziehen oder sich über eine bestimmte Situation auslassen, musst du nicht mitmachen. Ignoriere das Gerede, so gut es geht. Wenn die Unterhaltung nach einigen Minuten wieder auf ein anderes Thema schwenkt, kannst du wieder einsteigen. Aber was, wenn es nur noch darum geht? Dann kann das dazu führen, dass du dich von bestimmten Personen fernhältst, mit denen du eigentlich gerne Zeit verbringst. Gerade gemeinsame Pausen sind in den Augen mancher prädestiniert dafür, sie zum gemeinsamen Klatsch und Tratsch zu nutzen.

In diesem Fall kannst du deine Kollegen freundlich bitten, ob ihr das Thema wechseln könnt. Sag ruhig offen, dass du das Problem zwar nachvollziehen kannst, aber dass du nicht glaubst, dass es hilft, das Thema immer wieder breitzutreten. Du kannst erklären, dass du deine Pausen wirklich zur Erholung nutzen möchtest und dich deshalb über ein positiveres Gesprächsthema. Im besten Fall haben deine Kollegen Verständnis und wechseln tatsächlich das Thema. Falls man deiner Bitte nicht entspricht, bleibt dir nur, diese Kollegen ein Stück weit zu meiden, wenn du nicht möchtest, dass dich ihr Gerede runterzieht.

Was, wenn andere schlecht über mich reden?

Es kann dir passieren, dass du mitbekommst, wie andere schlecht über dich reden. In diesem Fall bist du womöglich unsicher, was zu tun ist. Sollst du so tun, als hättest du es nicht gehört? Oder wütend werden? Am besten ist eine deutliche Reaktion ohne Emotionen. Sprich offen an, dass du die Lästereien mitbekommen hast. Frag die betreffenden Personen, wo ihr Problem mit dir liegt. Vielleicht könnt ihr die Situation gemeinsam auflösen.

Ist die Kritik jedoch schlicht unsachlich und rein persönlich, kommst du mit einem offenen Gespräch möglicherweise nicht weiter. In dem Fall kannst du versuchen, das Verhalten der anderen nicht an dich herankommen zu lassen. Wenn du es als zu belastend oder schlicht unangebracht empfindest, zögere nicht, deinen Vorgesetzten einzuschalten. Das kann auch nötig sein, wenn die Lästereien immer wieder vorkommen.

Wenn du selbst ein Problem mit einer anderen Person oder einer bestimmten Verhaltensweise einer Person hast, kannst du lernen, konstruktiv damit umzugehen. Frage dich, wie groß das Problem ist. Handelt es sich nur um ein kleines, einmaliges Ärgernis: schluck es runter und lass es gehen. Es ist den Ärger nicht wert. Handelt es sich hingegen um ein strukturelles oder besonders schwerwiegendes Problem, solltest du den Gründen für deinen Unmut und die missliche Lage zunächst auf den Grund gehen.

Wenn du die Lage analysiert hast, ist es sinnvoll, ein offenes Gespräch über das Problem zu suchen. Sprich mit dem Kollegen, mit dem du aneinandergerätst, oder erkläre deinem Chef, warum du dich überlastet fühlst. Versuche, keine Anschuldigungen und Vorwürfe zu machen, sondern sachlich nach gemeinsamen Lösungen zu finden. Dieses Vorgehen hat weitaus bessere Chancen, das Problem zu beseitigen, als hinter vorgehaltener Hand mit anderen darüber herzuziehen.

Lästereien am Arbeitsplatz können rechtliche Folgen nach sich ziehen

Am Arbeitsplatz über andere zu lästern ist nicht nur kein guter Stil. Es kann auch rechtliche Konsequenzen haben, wenn mit dem Lästern ein juristischer Tatbestand erfüllt ist. Das ist leicht der Fall, wenn das Gerede unsachlich und respektlos ist und die Sprüche unter der Gürtellinie landen. Wer über andere herzieht, kann sich der Verleumdung oder der üblen Nachrede strafbar machen. Diese Tatbestände können erfüllt sein, wenn du ständig schlecht über jemanden redest oder Lügen über diese Person in Umlauf bringst.

Ein solches Verhalten kann neben den möglichen juristischen Folgen auch eine Abmahnung nach sich ziehen. Auch deiner eigenen Karriere kannst du mit dauernden Lästereien im Weg stehen. Wer nämlich als permanent negativ denkend empfunden wird, gilt bei Vorgesetzten schnell als nicht geeignet für höhere Positionen.

Du raubst dir durch ständige Lästereien letztlich selbst die Kraft, die du brauchst, um deinen Job gut zu machen. Darunter kann deine Leistung leiden. Auch das mindert die Wahrscheinlichkeit, dass du bei der nächsten Gelegenheit befördert wirst.