Ortswechsel: Wann sich der Umzug für den Job lohnt

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Umzug für den Job

Für Absolventen einer Hochschule oder Azubis kurz vor dem Ende der Lehre ist die Jobsuche eine Selbstverständlichkeit. Dazu gehört heute auch eine gewisse räumliche Flexibilität. Es geht an diesem Punkt weniger darum, mit dem Auto zu pendeln, sondern die Sachen zu packen und umzuziehen. Eine Entscheidung, vor der jeder Arbeitnehmer auf Jobsuche steht. Die Zeiten, in denen Beschäftigte wohnortnah eine Stelle fanden, sind gerade im ländlichen Bereich vorbei. Arbeitswege mit 45 Minuten Fahrtzeit sind inzwischen keine Seltenheit mehr. Wann rechtfertigt ein neuer Job aber den Wechsel des Wohnorts? Junge und ungebundene Singles haben damit selten ein Problem. Aber gerade Familienhaushalte tun sich mit der Entscheidung oft sehr viel schwerer. Hier kommt es oft nicht nur auf das Gehalt an. Die Rahmenbedingungen müssen stimmen. Ist, wo Abstriche zu machen sind, vielleicht auch Pendeln eine Option?

Der Job ist nicht alles

Sich beruflich weiterentwickeln und endlich den geplanten Schritt auf der Karriereleiter machen – für den beruflichen Aufstieg wird auch ein Umzug in Kauf genommen. Allerdings ist die Karriere oder eine bessere Bezahlung nur ein Aspekt, welcher in der Entscheidung für oder gegen den Umzug eine Rolle zu spielen hat.

Oft ist mit entscheidend, wie die Auswirkungen aufs Privatleben aussehen. Generell wird es Singles sehr viel leichter fallen, die Zelte abzubrechen. Eltern werden sich mit diesem Schritt sehr viel schwerer tun.

Hintergrund: Der Nachwuchs ist am bisherigen Wohnort sozial integriert, geht hier vielleicht in die Kita oder besucht bereits die Schule. Besonders in diesem Zusammenhang fällt der Wohnortwechsel sehr schwer. Kinder leiden unter der Aussicht auf eine plötzliche Trennung [1] von ihren Freunden oder nahen Verwandten – wie den Großeltern. Wer ein verlockendes Job-Angebot auf dem Tisch liegen hat, muss sich mit der Frage auseinandersetzen, wie wichtig und vielversprechend die berufliche Neuorientierung ist.

Vom Land in die Stadt

Städte wie Berlin, Leipzig und Dresden oder München wirken wie ein Magnet. Aufgrund:

  • der starken innovativen Dynamik,
  • einer aktiven Gründerszene und
  • etablierten Arbeitgebern

entfalten diese Metropolen eine gewisse Sogwirkung. Das beste Beispiel ist München. Die bayerische Landeshauptstadt prognostiziert für die kommenden Jahre weiterhin eine starke Netto-Zuwanderung und rechnet in einigen Jahren mit dem Erreichen der Grenze von 1,8 Millionen Einwohnern.

Abseits der Möglichkeiten steht die Frage im Raum, ob Wohnen und Leben in einer Großstadt überhaupt in Frage kommen. Wer als Person oder Haushalt bisher in ländlicher Idylle gelebt und sich hier auch wohlgefühlt hat, könnte sich in Metropolen sehr schnell fremd vorkommen.

Zumal ein großes Problem bei jedem Umzug im Raum steht: Am neuen Wohnort existiert keinerlei soziales Netz. Letzteres muss erst über

  • den Kollegenkreis
  • Vereinsmitgliedschaften
  • Ehrenämter

aufgebaut werden. Und dies nimmt durchaus Zeit in Anspruch.

Kann ich Freunde und Verwandte noch ohne riesige Reisen sehen?

Wo über einen Umzug für den neuen Job nachgedacht wird, steht auch im Raum, wie oft ein Besuch bei Familie und Freunden möglich ist. Ein Umzug innerhalb eines Bundeslands ist in diesem Zusammenhang oft unproblematisch. 100 Kilometer bis 200 Kilometer Strecke entsprechen etwa 2 bis 2 ½ Stunden Autofahrt, was an einem Wochenende ohne größere Hindernisse zu stemmen ist.

Sehr viel schwieriger wird es, wenn zwischen dem alten und neuen Wohnort 600+ Kilometer liegen – oder der neue Job ins Ausland führt. Hier beschränkt sich der Besuch bei den Eltern auf die Weihnachtsfeiertage oder runde Geburtstage. Einschränkungen, die nicht jeder bereit ist auf sich zu nehmen – und wo abzuwägen gilt, ob der Job tatsächlich so wichtig ist.

Wäre pendeln im vertretbaren Rahmen möglich?

Zum neuen Job pendeln

Für einen Teil der Arbeitnehmer kommt ein Umzug in Zusammenhang mit einem neuen Job nicht in Frage. Stattdessen nimmt diese Personengruppe einen längeren Arbeitsweg in Kauf. Viele Arbeitnehmer sind heute bereit, bis zu einer Stunde zur Arbeit zu pendeln. Gerade, wenn familiäre Rahmenbedingungen gegen den Wohnortwechsel sprechen oder näher zum neuen Job einfach kein passender Wohnraum verfügbar ist, wäre Pendeln – in einem vertretbaren Zeitfenster – durchaus überlegenswert. Allerdings kann sich dies auch negativ auf die Gesundheit [2] und Karriere auswirken, wenn es überhandnimmt.

Ein Umzug kostet Geld & Zeit

Geld

Das neue Jobangebot klingt vielversprechend, Chef und Arbeitnehmer würden gern sofort loslegen. In der Praxis dauert es allerdings oft einige Wochen, bevor die neue Stelle angetreten werden kann. Wer sich aus einem bestehenden Arbeitsverhältnis heraus auf eine neue Tätigkeit bewirbt, muss im Regelfall erst noch kündigen.

In der Praxis ist eine Kündigungsfrist von drei Monaten die Regel. Aber: Einige Arbeitsverträge weichen davon ab. Ein Zeitfaktor ist nicht nur die Kündigungsfrist. Auch die Suche nach der neuen Wohnung braucht Wochen, manchmal sogar Monate.

Und sind interessante Objekte gefunden, gibt es keine Garantie, dass es mit der Wohnung am Ende klappt. Inzwischen ist gerade in den Metropolen der Andrang so groß, dass sich Mieter auf eine Wohnung bewerben müssen. Und Vermieter verlangen inzwischen einige Unterlagen, wie:

  • SCHUFA-Auskunft
  • Bescheinigungen des früheren Vermieters.

Ferner wird auch der Einkommensnachweis immer wichtiger. Doch welche Dokumente lassen sich hier verwenden [3]?  Angestellte nutzen dafür den Arbeitsvertrag oder Gehaltsabrechnungen, aber Selbständige haben es dabei deutlich schwerer. Hier kommen oft die Einnahmen-Überschussrechnung oder eine BWA ins Spiel. Es kann einige Tage dauern, bis alle Unterlagen zusammengestellt sind und dem Vermieter übergeben werden können.

Kaution & Co.: Die Umzugskosten

Wer umzieht, muss einige Kosten stemmen [4]. Dazu gehören unter anderem Gebühren für einen Makler – sofern dieser mit der Suche nach einer Wohnung betraut wird. Auf der anderen Seite verlangen Vermieter Mietsicherheiten, die Kautionszahlung ist hier gängige Praxis. Und natürlich entstehen Ausgaben durch:

  • Fahrtkosten (zur Wohnungssuche usw.)
  • Kosten für Umzugsunternehmen
  • Kosten für Mietfahrzeuge.

Außerdem liegt es durchaus im Rahmen des Möglichen, dass eine neue Küche oder andere Haushaltsgeräte anzuschaffen sind.

Neuen Arbeitgeber an den Kosten beteiligen

Unterm Strich laufen für einen Umzug schnell einige tausend Euro auf. Clevere Arbeitnehmer können versuchen, den neuen Chef an den Kosten zu beteiligen. Besonders in Branchen mit einem spürbaren Mangel an guten Fachkräften gibt es hierfür durchaus einen gewissen Spielraum. Grundsätzlich hat aber niemand Anspruch auf die Beteiligung des Unternehmers, das Ganze ist Verhandlungssache.

Ist der Job den Umzug wert?

Bisher ging es im Wesentlichen um sachliche Argumente für oder gegen den Job bzw. die Tatsache, dafür den Wohnort zu wechseln. Am Ende ist es aber immer auch eine Bauchentscheidung. Hier stehen sich zwei Aspekte gegenüber. Auf der einen Seite steht zur Debatte, ob der neue Job einfach nur gut bezahlt ist. Andererseits kommen Argumente für einen Umzug hinzu, wenn nicht nur das neue Team den Eindruck einer ausgezeichneten Arbeitsatmosphäre erweckt, sondern auch die Aufgaben sehr viel mehr Spannung und Abwechslung versprechen. Es geht an diesem Punkt schlicht und ergreifend um die Frage, ob die neue Stelle dem persönlichen Anspruch an den Traumjob näherkommt. Diese „weichen“ Faktoren müssen in der Entscheidung letztlich auch eine Rolle spielen.

Fazit: Der Umzug für den Jobwechsel kann sich lohnen

Es kommt immer wieder vor, dass der Job keinen Spaß macht, die Aufgaben wenig fordern oder das Betriebsklima zu wünschen übriglässt. Großen Anteil an der Entscheidung für einen Wechsel hat auch der finanzielle Aspekt. Wer vor dem Wechsel in eine neue Stelle steht, muss sich oft die Frage stellen, ob ein Umzug gerechtfertigt ist. Viele Deutsche sind an dieser Stelle bereit, Wege von bis zu einer Stunde bis zum Arbeitsplatz in Kauf zu nehmen. Darüber wird der Umzug attraktiver. Aber auch hier spielen ganz verschiedene Faktoren eine Rolle. Frisst der Umzug den Mehrverdienst auf – beispielsweise aufgrund einer sehr viel höheren Miete -, wird das Ganze natürlich weit weniger attraktiv. Und für Familien ist es letztlich auch sehr wichtig, welche Rahmenbedingungen der Nachwuchs am Ende vorfindet. Nur wenn alle mit der Veränderung leben können, ist diese auch wirklich hilfreich.

Quellen & weiterführende Informationen:

[1] Umziehen mit Kindern – Die Eingewöhnung für die erste Zeit danach – https://www.vaterfreuden.de/tipps/entscheidungshilfen/umziehen-mit-kindern-die-eingew%C3%B6hnung-f%C3%BCr-die-erste-zeit-danach-0

[2] Pendeln: Bleibt die Gesundheit auf der Strecke? – https://www.sorglos-schlafen.de/stress/faktoren/arbeitsweg/

[3] Einkommensnachweis – https://www.verivox.de/kredit/themen/einkommensnachweis/

[4] Was kostet ein Umzug? – https://kostenblick.de/was-kostet-ein-umzug/