Videobewerbung: Eine gute Idee?

109
Videobewerbung

Wenn Sie mit Ihrer Bewerbung aus der Masse der Bewerber hervorstechen wollen, müssen Sie gerade bei begehrten Stellen auffallen. Mit einer Videobewerbung haben Sie die Möglichkeit dazu. Aber ist das auch tatsächlich sinnvoll – steigert es die Chancen auf einen bestimmten Job? Oder kann es sogar zum unnötigen Risiko werden, wenn Sie einen Videoclip in eigener Sache drehen?

In diesem Beitrag erfahren Sie, welche Vorteile eine Videobewerbung bieten kann, was eine gelungene Videobewerbung ausmacht und welche Fehler Sie dabei vermeiden sollten.

Viele Unternehmen freuen sich über Videobewerbungen

Noch sind Videobewerbungen zwar eher die Ausnahme. Der Trend zur Digitalisierung von Bewerbungen und dem Bewerbungsprozess als solchem geht jedoch hin zu mehr Bewerbungs-Videos. Und viele Unternehmen freuen sich darüber. Ein gut gemachter Clip kann die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass Sie zum Vorstellungsgespräch eingeladen werden.

Mit einer Videobewerbung fallen Sie in jedem Fall auf. Das gilt gerade deshalb, weil diese kreative Form der Bewerbung noch nicht zum Standard geworden ist. Sie können sicher sein, dass die Personalverantwortlichen beim möglichen künftigen Arbeitgeber sich Ihr Video ansehen werden.

Das spricht für eine Videobewerbung

Eine Videobewerbung hat aus Sicht von Bewerbern und Unternehmen gleichermaßen viele Vorzüge. Für Sie als Bewerber gilt: Mit einer Videobewerbung sticht Ihre Bewerbung definitiv aus der Masse hervor. Das allein ist ein großer Vorteil. Wenn Sie es richtig machen, können Sie mit Ihrem Video punkten, denn Sie haben nun die Aufmerksamkeit des Personalers – nutzen Sie sie!

Mit einem Video können Sie in kurzer Zeit auf den Punkt bringen, warum Sie der optimale Bewerber für die zu besetzende Stelle sind. Besonders, wer rhetorisch begabt ist, überzeugt mit einem spannenden Video oft noch eher als mit der reinen Bewerbung in Textform – selbst, wenn die Informationen identisch sind.

Gerade in kreativen Jobs sind Videobewerbungen häufig gern gesehen. Bei Positionen, bei denen Sie viel Kontakt mit Kunden oder Geschäftspartnern haben, ist es wichtig, dass Sie kommunikativ überzeugen können. Das können Sie mit einem Video unter Beweis stellen. Damit ist ein Bewerbungs-Video auch ein Beleg für Ihre kommunikativen Fähigkeiten, die gerne als Soft Skill in Bewerbungen genannt werden.

Ein Bewerbungs-Video hat aus Sicht von Firmen einen klaren Vorteil gegenüber der ausschließlichen schriftlichen Bewerbung: Sie können den Bewerber schon „live“ erleben. Somit können Sie einen persönlichen ersten Eindruck hinterlassen, bevor Sie überhaupt zum Bewerbungsgespräch eingeladen wurden. Der mögliche Arbeitgeber kann anhand Ihrer Mimik, Gestik und Ihrem ganzen Auftritt vor der Kamera besser einschätzen, ob Sie zu seinem Unternehmen passen könnten.

Geben Sie einen Vorgeschmack auf die Qualität, die Sie liefern können

Insbesondere, wenn viel Konkurrenz um eine offene Stelle zu erwarten ist, ist eine Videobewerbung in vielen Fällen eine gute Idee. Das gilt auch, wenn Sie befürchten, dass Sie mit Ihren Qualifikationen auf dem Papier hinter anderen Kandidaten zurückbleiben könnten. Ein gutes Video kann das Blatt wenden und Ihnen einen Vorteil verschaffen.

Mit einem Video zeigen Sie, dass Sie professionell vorgehen – vorausgesetzt, das Video ist es auch. Somit geben Sie einen Vorgeschmack auf die Leistungen, die ein möglicher Arbeitgeber von Ihnen erwarten kann.

Sie zeigen mit einer Videobewerbung, dass Sie wirklich Interesse an dem Job haben – sonst hätten Sie sich wohl kaum die Mühe gemacht, ein Video zu drehen. Das gilt vor allem, wenn das Video individuell auf den jeweiligen Arbeitgeber zugeschnitten ist. Allerdings ist das in vielen Fällen schwierig. Auf diesen Punkt gehen wir weiter unten noch einmal ein.

Wann Sie von einer Videobewerbung absehen sollten

Einen pauschalen Rat, wann eine Videobewerbung sinnvoll ist und wann nicht, kann es nicht geben. Es kommt immer darauf an, wie professionell Ihr Video gemacht ist und wie der Empfänger dazu steht. In manchen Branchen ist eine Bewerbung per Video jedoch weniger empfehlenswert. Dazu zählen konservative Geschäftsbereiche; etwa, wenn Sie sich für eine Stelle bei einer Bank oder Versicherung bewerben. Viele Unternehmen in diesem Bereich legen viel Wert auf eine klassische Bewerbung, kreative Varianten sind oft weniger gefragt.

Eine Videobewerbung ist auch dann nicht die beste Wahl, wenn Ihnen die Kenntnisse oder das Geld fehlen, um ein wirklich gelungenes Video zu produzieren. Sparen Sie nicht am falschen Ende – sonst haben Sie Zeit und Mühe in etwas gesteckt, das dann doch hinter Ihren Anforderungen zurückbleibt. Ein gutes Video vom Profi kostet Geld. Wenn Sie das gerade nicht übrig haben, stecken Sie Ihre Energie lieber in Ihre eigentliche Bewerbung. Auch eine Bewerbungs-Homepage kann eine gute Alternative sein.

Manche Menschen fühlen sich vor der Kamera einfach nicht wohl. Wenn Sie dazugehören, ist eine Videobewerbung womöglich nicht gut geeignet – es sei denn, Sie können Ihre Scheu oder Nervosität gut überspielen.

Welche Länge hat eine Videobewerbung und was gehört ins Video?

Wenn Sie sich für eine Videobewerbung entscheiden, sollten Sie einige Dinge bedenken. Dazu gehört der Umfang eines solchen Videos. Diesbezüglich gilt: In der Kürze liegt die Würze. Bringen Sie in einem kurzen Clip das Wichtigste unter. 30 Sekunden oder eine Minute sind eine gute Länge. Länger als zwei Minuten sollte Ihr Video nicht sein. Sonst riskieren Sie, dass der Entscheidungsträger das Video vorzeitig ausmacht.

Überlegen Sie sich auch inhaltlich gut, was in das Video hinein soll. Eine gute Vorstellung dafür bekommen Sie, wenn Sie sich vorstellen, sich persönlich vorstellen zu müssen. So ähnlich sollte auch das Video aufgebaut sein. Wer sind Sie – wie heißen Sie, wie alt sind Sie – und was macht Sie aus?

Was spricht für Sie? Nennen Sie Ihre wichtigsten Qualifikationen und Fähigkeiten. Es sollte sich um eine Auswahl handeln, die einen Vorgeschmack gibt. Sie müssen nicht alles aufzählen, was es zu sagen gäbe – dafür ist in einem möglichen Vorstellungsgespräch noch Zeit. Dramaturgisch sollten sich Ihre Argumente in eigener Sache so zuspitzen, dass der Betrachter am Ende das Gefühl hat, dass Sie für die ausgeschriebene Stelle genau richtig sind.

Weitere Tipps für Ihre Bewerbung per Video

Sprechen Sie unbedingt laut, deutlich und nicht zu schnell. Notizen sind erlaubt, wenn Sie trotzdem in der Lage sind, frei zu sprechen. Sie sollten nicht ablesen. Die Notizen sollten auch nicht im Video zu sehen sein.

Überlegen Sie, wo Sie das Video am besten aufnehmen. Ein neutraler Hintergrund eignet sich gut. Wenn Sie bei sich zuhause filmen, achten Sie darauf, dass im Hintergrund möglichst gar nichts oder zumindest nicht zu viel zu sehen ist. Der Hintergrund darf nicht vom eigentlichen Wichtigen ablenken – Ihnen! Behalten Sie immer im Hinterkopf, dass die Szenerie um Sie herum etwas über Sie aussagt. Welche Botschaft Sie aussenden, haben Sie in der Hand.

Sie können das Video auch draußen aufnehmen. Dennoch sollte es ruhig genug sein und Sie nicht durch Passanten gestört werden.

Ebenso durchdacht sollten Sie Ihre Kleidung auswählen. Überlegen Sie, was Sie in einem Bewerbungsgespräch anziehen würden. So können Sie sich auch im Video kleiden. Beim eigentlichen Gespräch wählen Sie dann etwas Vergleichbares.

Für eine aufrechte und selbstbewusste Haltung ist es am besten, wenn Sie stehen und nicht sitzen. Blicken Sie in die Kamera – so, als würden Sie Ihren Gesprächspartner ansehen.

Ersetzt eine Videobewerbung die reguläre Bewerbung?

Viele Bewerber finden die Idee von einer Bewerbung per Video vor allem deshalb spannend, weil sie denken, dass das viel schneller geht, als eine reguläre Bewerbung zu erstellen. Das ist jedoch zu kurz gedacht. Es mag Jobs geben, wo eine Bewerbung per Video ausreicht. Das gilt möglicherweise bei manchen Arbeitgebern für ein Praktikum oder eine Ausbildungsstelle. In der Regel aber steht eine Videobewerbung nicht für sich allein. Sie ersetzt die normale Bewerbung in Schriftform also nicht.

Sie könnten gar nicht alles, was für Ihre Bewerbung wichtig ist, in ein kurzes Video packen. Und selbst wenn doch, wäre das wenig nutzerfreundlich aus Sicht des Unternehmens. Auf einem Blatt Papier sieht man alles Wichtige auf einen Blick. Im Video gehen wichtige Informationen eher unter. Auch wichtige Anlagen wie Arbeitszeugnisse können Sie schlecht in Ihr Video integrieren. Verfassen Sie deshalb immer auch eine reguläre Bewerbung – mit der Sie sich natürlich so viel Mühe geben wie sonst auch.

Das macht ein gutes Bewerbungs-Video aus

Eine Videobewerbung klingt in Ihrem Fall vielversprechend und Sie möchten Ihre Chancen damit gerne erhöhen? Dann spricht eigentlich nichts dagegen. Das Video muss jedoch unbedingt gut gemacht sein. Genau an diesem Punkt stoßen viele Bewerber an Ihre Grenzen, wenn sie das Video auf eigene Faust produzieren möchten.

Natürlich können Sie das Video mit Freunden aufnehmen und selbst schneiden. Damit es professionell wirkt und Sie bestmöglich herüberkommen, brauchen Sie aber in der Regel sehr viel Zeit und bestimmte Kenntnisse. Es gibt auch spezielle Apps, die Sie nutzen können. Nicht immer erzielen Sie damit jedoch die gewünschten professionellen Ergebnisse.

Besser ist es, einen Profi mit dem Video zu beauftragen. Ein Profi holt das Beste heraus. Er sagt Ihnen, wie Sie am besten wirken, gibt Ihnen Tipps zu Kleidung, Kulisse und Beleuchtung und erledigt die Arbeit von Anfang bis Ende für Sie. Allerdings hat das auch seinen Preis. Mit mehreren Hundert Euro sollten Sie rechnen. Das lohnt sich vor allem dann, wenn Sie sich auf einen wichtigen Job bewerben oder viele Bewerbungen planen.

Weil ein gutes Video teuer ist, ist ein allgemeines Video besser geeignet. Wenn Sie ein individuelles Video für einen einzigen Arbeitgeber erstellen, können Sie zwar den gesamten Inhalt auf die Stelle zuschneiden. Aber Sie können das Video nicht noch einmal nutzen.

Diese Fehler sollten Sie bei Ihrer Videobewerbung vermeiden

Manche Fehler, die Ihnen in einem Bewerbungs-Video passieren können, sind vermeidbar. Gerade, wenn Sie bereits Berufserfahrung haben und sich auf einen umkämpften Job bewerben, sollten Sie unprofessionelle Videos unbedingt vermeiden. Wenn erkennbar ist, dass Sie sich wenig Mühe gegeben haben, kann das Video Ihre Chancen auf die Stelle sogar schmälern.

Auch ein zu langes Video ist negativ. Bedenken Sie, dass Zeit und Aufmerksamkeit Ihres Ansprechpartners begrenzt sind. Einen negativen Beigeschmack hat es auch, wenn Sie im Video unpassende Kleidung tragen, etwa Freizeitkleidung und Turnschuhe. Für manche Jobs, vor allem in kreativen Bereichen, ist das jedoch in Ordnung. Entscheiden Sie im Einzelfall. Wie im Bewerbungsgespräch gilt: Tragen Sie als Frau kein zu auffälliges Make-Up. Sie möchten schließlich seriös wirken.

Ganz wichtig: Sie sollten Ihre Botschaft flüssig herüberbringen können. Einer der größten Fehler ist es, nicht vorher geübt zu haben und dann ins Stottern zu kommen. Filmen Sie in solchen Fällen noch einmal.

Wie verschicke ich meine Videobewerbung?

Als Letztes stellt sich die Frage, wie Sie Ihre Videobewerbung an den Mann – oder die Frau – bringen. Die meisten Bewerbungen werden digital verschickt, also per Mail oder über ein Online-Bewerbungsformular. In diesem Fall kopieren Sie einen (kurzen!) Link zu Ihrem Video einfach in die E-Mail oder ein geeignetes Textfeld. Beschreiben Sie kurz, was sich hinter dem Link verbirgt. Sonst riskieren Sie, dass der Empfänger Ihren Link gar nicht anklickt, weil er nicht weiß, was ihn erwartet.

Falls Sie Ihre Bewerbung in gedruckter Form abschicken, können Sie ebenfalls einen kurzen Link beifügen. Alternativ oder zusätzlich können Sie das Video auch auf CD brennen und der Bewerbung beilegen. Praktisch ist auch die Kombination mit einer Bewerbungs-Homepage. Dort können Sie Ihr Video integrieren. Der mögliche Arbeitgeber hat dann alle Informationen über Sie auf einen Blick.