Flexible Arbeitszeiten

Flexible Arbeitszeiten: Modelle & Infos

Flexibilität lautet das Zauberwort in der Arbeitswelt. Alles wird flexibler: die Prozesse, die Herangehensweise, die Arbeitsverhältnisse. Auch die Arbeitszeiten werden in vielen Unternehmen inzwischen flexibel angegangen. Für Beschäftigte kann das Vorteile haben, etwa eine bessere Work-Life-Balance. Gleichzeitig können flexible Arbeitszeitmodelle auch nachteilig für die Betroffenen sein, insbesondere dann, wenn Arbeits- und Freizeit immer mehr verschmelzen und der Ausgleich fehlt. Der folgende Text gibt einen Überblick über beliebte Modelle und ordnet Chancen und Risiken flexibler Arbeitszeiten ein.

Immer mehr Beschäftigte sind auch zu Randzeiten tätig

Dass die Arbeitswelt, inklusive der Arbeitszeiten, immer flexibler gestaltet wird, hängt auch mit der zunehmenden Digitalisierung zusammen. Wirtschaftliche und gesellschaftliche Trends und die Globalisierung von Prozessen wirken sich aus.

Zwar geht nach wie vor die Mehrheit der abhängig Beschäftigten (80 Prozent der Befragten) einem Job nach, bei dem die reguläre Arbeitszeit zwischen 7 und 19 Uhr liegt. Das geht aus einem Arbeitszeitreport der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin hervor (BAuA 2016). Gleichzeitig weicht die Arbeitszeit von immer mehr Beschäftigten von diesen Zeiten ab. Nacht-, Schicht- und Wochenendarbeit wird häufiger. Fast die Hälfte (43 Prozent) der Angestellten arbeitet demnach mindestens einmal im Monat auch am Wochenende.

Vor allem in bestimmten Branchen kommt es häufig vor, dass auch zu Randzeiten und am Wochenende gearbeitet wird. Das ist etwa in der Industrie, im Dienstleistungssektor und dem Handwerk oft der Fall. Flexible Arbeitszeiten werden wohl künftig noch bedeutsamer. So hat etwa der Rat der Wirtschaftsweisen zuletzt empfohlen, dass man in Deutschland noch stärker darauf setzen solle.

Doch zunächst stellt sich die Frage: Was ist überhaupt erlaubt?

Rechtliche Regelungen zur Arbeitszeit

Arbeitgeber können nicht komplett frei über die Arbeitszeiten ihrer Mitarbeiter entscheiden. Grenzen setzen unter anderem die Bestimmungen des Arbeitszeitschutzes. Hinter den Vorgaben steht der Gedanke, dass zu viel Arbeit Gesundheit und Psyche des Betroffenen schädigen kann – etwa in Form eines Burnouts, Verdauungsproblemen oder Diabetes.

Die übliche Arbeitszeit beträgt acht Stunden pro Tag. In Ausnahmen sind auch bis zu zehn Stunden möglich. Das setzt jedoch einen zeitlichen Ausgleich voraus. Auch der Nachtarbeit und der Arbeit am Wochenende sind Grenzen gesetzt. Festgelegt ist auch, dass die Ruhezeit zwischen zwei Arbeitstagen mindestens elf Stunden betragen muss.

Nicht nur gesetzliche Bestimmungen wirken sich auf Arbeitszeit-Modelle aus. Auch Tarifverträge können die Rahmenbedingungen abstecken.

Unterschiedliche Arbeitszeit-Modelle

Es gibt inzwischen viele unterschiedliche Arbeitszeit-Modelle. Ihre Ausgestaltung variiert. Immer geht es jedoch darum, die Dauer, den Zeitpunkt und die Verteilung der Arbeit flexibel anzupassen. Die Modelle ermöglichen es, auf einen schwankenden Bedarf an Arbeitskraft einfacher zu reagieren. Im Folgenden werden einige relevante Varianten vorgestellt.

Das Arbeitszeitkonto

Für die meisten Modelle flexibler Arbeitszeit ist ein Arbeitszeitkonto erforderlich. Darin wird die tatsächliche Arbeitszeit festgehalten, so dass für beide Seiten klar ist, von wann bis wann der Beschäftigte gearbeitet hat. Die Arbeitszeit kann mit diesem Hilfsmittel einfacher individuell gestaltet werden.

Das Arbeitszeitkonto, das meist digital gepflegt wird, weist ein Zeitguthaben oder Zeitschulden auf. Dieses Plus oder Minus an Stunden, verglichen mit der vertraglich vereinbarten Arbeitszeit, muss innerhalb eines gewissen Zeitraums ausgeglichen werden.

Das Arbeitszeitkonto kann unterschiedlich ausgestaltet werden. Grundsätzlich muss zwischen einem Jahreszeitkonto oder anderen Kurzzeitkonten und Langzeitkonten wie dem Lebensarbeitskonto unterschieden werden. In der Praxis spielen Kurzzeitkonten eine größere Rolle.

Teilzeit

Eines der bekanntesten Arbeitszeitmodelle ist die Teilzeit. Der Beschäftigte macht dabei weniger Stunden als die Regelarbeitszeit von 40 Stunden (48 Stunden bei einer Sechs-Tage-Woche). In der Ausgestaltung ist diese Variante individuell; es können zehn, 20 oder auch 30 Stunden vereinbart werden. Für viele flexible Arbeitszeitmodelle ist Teilzeit eine Voraussetzung, etwa Jobsharing oder Altersteilzeit.

Teilzeit-Modelle werden immer beliebter, vor allem in bestimmten Branchen, etwa dem Handel, Dienstleistungssektor oder der öffentlichen Verwaltung. Die Arbeitszeit kann so aufgeteilt werden, dass halbtags oder nur an bestimmten Tagen gearbeitet wird. Ebenso ist es möglich, dass Arbeitnehmer wochenweise voll arbeiten und anschließend eine Woche frei haben.

Gleitzeit

Viele Beschäftigte schätzen es, wenn ihr Arbeitgeber Gleitzeit-Modelle anbietet. Das bedeutet, dass sie nur zu bestimmten Kernarbeitszeiten im Büro sein müssen. Wie sie ihre übrige Arbeitszeit gestalten, ist ihnen überlassen. Das vereinbarte Arbeitspensum muss jedoch erfüllt werden.

Für Arbeitnehmer bedeutet dieses Modell eine größere Flexibilität. Es setzt ein Gleitzeitkonto voraus, in dem Plus- und Minusstunden vermerkt sind.

Mehrarbeit

Mehrarbeit bedeutet, dass der Arbeitnehmer mehr arbeitet als eigentlich vertraglich festgelegt – er macht Überstunden. Zeitweise ist es möglich, mehr als acht Stunden am Tag zu arbeiten, wenn es die Umstände erfordern. Das Maximum beträgt zehn Stunden pro Tag. Mehrarbeit muss finanziell oder durch Freizeit ausgeglichen werden.

Jobsharing

Jobsharing wird immer beliebter. Zwei oder mehr Angestellte teilen sich dabei eine Stelle. Sie können sich 40 Stunden, aber beispielsweise auch 60 Stunden teilen. Sie regeln selbst, wie sie ihre Arbeit organisieren und aufteilen. So ist es möglich, dass die Beteiligten jeweils halbtags arbeiten oder wöchentlich rotieren. Jobsharing-Arbeitsplätze sind flexibel gestaltbar. Sie erfordern jedoch eine enge Absprache zwischen den Beteiligten und ähnliche Qualifikationen.

Vertrauensarbeitszeit

Von einem Vertrauensvorschuss profitieren Arbeitnehmer bei der Vertrauensarbeitszeit. Hier geht es darum, ein bestimmtes Ziel in einer vorgegebenen Zeit zu erreichen. Die Arbeitszeit wird oft nicht akribisch dokumentiert. Entscheidend ist, dass die Arbeit rechtzeitig erledigt wird.

Beschäftigte können sich ihre Zeit frei einteilen. Ob ein solches Modell vorteilhaft ist, hängt jedoch von den Zielen ab. Nur, wenn diese zu schaffen sind, profitiert der Angestellte. Andernfalls wird aus Vertrauensarbeit leicht Mehrarbeit.

Bereitschaftsdienst und Rufbereitschaft

In bestimmten Branchen sind auch Bereitschaftsdienste und Rufbereitschaft verbreitet. Bereitschaftsdienst heißt, dass nur bei Bedarf Arbeit anfällt. Das ist etwa bei Berufsfeuerwehren oder in Krankenhäusern häufig der Fall. Die Arbeitnehmer dürfen schlafen, wenn nichts zu tun ist. Ob und wann gearbeitet werden muss, ist nicht planbar.

Wer in Rufbereitschaft ist, kann jederzeit zur Arbeit gerufen werden. Die betreffende Person muss sich an einem bestimmten Ort aufhalten. Dies ist etwa bei vielen Ärzten oder in der Krankenpflege der Fall. Die Rufbereitschafts-Zeit gilt nicht als Arbeitszeit und kommt meist zur regulären Arbeit hinzu. Für Betroffene ist sie oft eine Belastung.

Altersteilzeit

Gegen Ende des Berufslebens weniger arbeiten? Das ist mit der Altersteilzeit möglich. Oft arbeiten Betroffene über einen gewissen Zeitraum nur noch in Teilzeit. Es ist auch möglich, die Arbeit anzusammeln, also einige Zeit lang weiter voll zu arbeiten. Danach kann auf Null reduziert werden, um früher in Rente zu gehen.

Kurzarbeit

Kurzarbeit ist eine Sonderform der flexiblen Arbeitszeitgestaltung. Der Arbeitgeber kann Kurzarbeit nicht einfach anordnen. Sie kommt vielmehr in besonderen Situationen infrage, etwa bei schlechter Auftragslage. In bestimmten wirtschaftlichen oder unvorhersehbaren Situationen kann der Arbeitgeber dieses Mittel wählen.

Insbesondere geht es dabei darum, keinem Arbeitnehmer kündigen zu müssen. Die Angestellten werden von der Arbeitsagentur mit Kurzarbeitergeld unterstützt, das zu ihrem Lohn für die tatsächlich geleistete Arbeit hinzukommt. Diese Finanzspritze erhalten sie für maximal zwölf Monate. Danach können sie im besten Fall wieder regulär im Betrieb eingesetzt werden.

Fazit: Chancen & Risiken

Für Arbeitgeber bieten flexible Arbeitszeitmodelle viele Vorteile. Auch vielen Arbeitnehmern kommen sie entgegen. Andererseits sind diese Modelle auch mit Nachteilen verbunden – ein Überblick über das Für und Wider.

Chancen flexibler Arbeitszeiten

Die größten Chancen, die mit flexiblen Arbeitszeiten verbunden sein können, bestehen aus Arbeitnehmersicht darin, dass die Betroffenen zufriedener im Job sind. Sie sind häufig motivierter und gehen lieber zur Arbeit, besonders in Gleitzeit- und Teilzeit-Modellen. Das setzt voraus, dass die Work-Life-Balance zufriedenstellend ist.

Zufrieden sind Arbeitnehmer besonders dann, wenn sie an der Arbeitszeit-Planung ausreichend beteiligt sind und ihre Wünsche berücksichtigt werden. Auch können sie selbst ihren Alltag flexibler gestalten. Häufig besteht zudem die Möglichkeit, sich in der verbleibenden Zeit weiterzubilden.

Auch für Firmen sind flexible Arbeitszeitmodelle oft positiv. Sie können dadurch besser auf die jeweilige Lage reagieren, etwa, wenn es mehr oder weniger gut läuft. Für die Arbeitskräfte kann das bedeuten, dass ihr Job sicherer ist. Die Unternehmen sind oft wettbewerbsfähiger und haben wirtschaftliche Vorteile durch die flexiblen Arbeitszeiten.

Arbeitgeber profitieren auch, wenn Angestellte durch flexible Arbeitszeiten produktiver sind und effektiver arbeiten. Das ist besonders bei Teilzeit häufig der Fall. Über einen kürzeren Zeitraum fällt es Beschäftigten leichter, sich zu konzentrieren, während die Leistung im Verlauf eines Acht-Stunden-Tags nachlässt.

Risiken flexibler Arbeitszeiten

Dabei können flexible Arbeitszeiten auch nachteilig sein – vor allem für die Beschäftigten. Wichtig ist in erster Linie, ob sie mitbestimmen können oder ob sie eine für sie nachteilige Planung hinnehmen müssen.

Wer atypische Arbeitszeiten, etwa frühmorgens oder spätabends, hat, ist oft besonders belastet. Der normale Rhythmus kommt durcheinander, vor allem dann, wenn die Schichten häufig wechseln. Auch, wenn regelmäßig am Wochenende gearbeitet wird, bleibt oft kaum Zeit für den benötigten Ausgleich vom Job.

Bestimmte Arbeitszeit-Modelle sind potenziell nachteiliger als andere. Während Teil- oder Gleitzeit viele Vorteile haben kann, ist etwa Mehrarbeit selten im Sinne des Arbeitnehmers. Einerseits ist das der Fall, wenn die Überstunden zur Regel werden. Das ist auch für Arbeitgeber problematisch, weil überarbeitete Angestellte weniger leistungsfähig und anfälliger für Verletzungen und Unfälle sind.

Auch, wer sich selbst für Mehrarbeit entscheidet – etwa im Vorfeld eines Sabbaticals oder Altersteilzeit –, riskiert eine Überlastung. Oft kann der damit verbundene Stress nicht ausgeglichen werden, weil es an Freizeit mangelt.