Überlastung am Arbeitsplatz

Permanente Überlastung am Arbeitsplatz: Nur Stress oder schon Burnout?

Das Projekt ist in zwei Tagen fällig, die Präsentation muss bis zum Nachmittag fertig sein. Ein wichtiger Kunde bittet schon zum zweiten Mal um einen Rückruf, und dann ruft auch noch die Frau an, dass das Kind bitte spontan und natürlich dringend in der Kita abgeholt werden möge. Von der Flut an E-Mails ganz zu schweigen… Vielen Arbeitnehmern kommt ein solches Szenario zumindest in ähnlicher Form bekannt vor.

In vielen Berufen gehört ein gewisses Stresslevel schon fast zur Jobbeschreibung dazu. Gefährlich wird es dann, wenn aus gelegentlichem Stress – der durchaus leistungssteigernd sein kann – permanente Überforderung wird. Betroffene gehen dann meist nicht mehr gerne zur Arbeit, ihre Leistung leidet entsprechend, sie fühlen sich dauerhaft ermüdet. In diesem Text geht es darum, wie man erkennen kann, wo das Problem liegt – und was Betroffene dafür tun können, dass ihre Lage besser wird.

Viele Arbeitnehmer fühlen sich ständig gestresst

Viele Menschen sind von psychischen Erkrankungen betroffen. Auch Überlastung im Büro kann psychische Probleme hervorrufen. Auch körperlich können sich die Belastungen im Arbeitsleben auswirken, etwa durch Bauchschmerzen beim Gedanken an den Job oder Schlafstörungen.

Wer sich im Job gestresst fühlt, ist damit nicht allein. Nach einer Studie der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OSZE) fühlte sich fast die Hälfte der deutschen Arbeitnehmer im Jahr 2015 am Arbeitsplatz stark belastet.

Permanente Erreichbarkeit kann das Stresslevel erhöhen

Dass sich viele Arbeitnehmer ständig gestresst fühlen, hängt auch mit den Wegen der modernen Kommunikation zusammen. Arbeitnehmer sind nicht nur auf persönlichem Weg oder telefonisch ansprechbar, sondern auch per E-Mail – und das ständig. Und weil eine E-Mail so schnell geschrieben und abgeschickt ist, erwarten viele Gesprächspartner eine ebenso prompte Rückmeldung. Das führt so weit, dass viele Arbeitnehmer das Gefühl haben, dass sie nur noch mit dem Beantworten von E-Mails beschäftigt sind. Für die eigentlichen Aufgaben bleibt dann häufig kaum noch Zeit.

Wer im Job das Gefühl hat, nur noch Feuer zu löschen, muss in erster Linie herausfinden, wo das Problem liegt und wie gravierend es ist. Davon hängt ab, welche Möglichkeiten es gibt, die Situation zu verbessern.

Das Problem erkennen

Als Erstes ist es entscheidend, dass der Betroffene erkennt, was seine Überforderung verursacht. Wo liegt das Problem – und wie handfest ist es? Objektiv kann Stress mehr oder weniger gerechtfertigt sein. Das heißt nicht, dass objektiv weniger gerechtfertigter Stress kein Problem ist, aber an den unterschiedlichen Gründen für die Situation bemessen sich die Handlungsoptionen des Arbeitnehmers.

Es ist oft so, dass betroffene Arbeitnehmer tatsächlich zu viel auf dem Tisch haben. Sie haben zu viele Verantwortlichkeiten, zu viele Projekte und Aufgaben, zu wenig Unterstützung von anderen. Auch Überstunden sind häufig ein Merkmal von zu hoher Arbeitsbelastung. Oft ist die Überlastung durch die schiere Zahl der Routine-Aufgaben schon vorprogrammiert.

Stressempfinden ist subjektiv

Andererseits ist das eigene Stressempfinden auch eine Frage davon, wie Betroffene mit stressigen Situationen umgehen. Lassen sie zu, dass Hektik und Chaos die Überhand gewinnen, haben sie schon verloren. Wenn sich Aufgaben so stapeln, dass der Überblick verlorengeht, kann es schon helfen, in aller Ruhe zu sichten und zu ordnen, um die Dinge dann geregelt und nach und nach anzugehen.

Bei näherer Betrachtung stellt sich nicht selten heraus, dass es schon hilft, Ruhe zu bewahren – und einfach anzufangen. Besonders häufig entsteht Stress bei Zeitdruck, wenn man das Gefühl hat, es sich gar nicht leisten zu können, einen klaren Gedanken zu fassen und einen Gang zurückzuschalten.

Je nachdem, wo das Problem liegt, müssen Betroffene überlegen, wie sie es aus der Welt schaffen können. Liegt es an ihnen selbst, können sie es durch eine andere Herangehensweise entschärfen? Oder sind andere beteiligt, etwa Kollegen, mit denen sie zusammenarbeiten, oder der Chef?

Stress oder Burnout?

Stress im Job ist zunächst einmal weder ein seltenes Phänomen noch, wenn er nur gelegentlich auftritt, sonderlich beunruhigend. Wenig problematisch ist es meist, wenn ausnahmsweise mehr zu tun ist oder eine wichtige, aber einmalige Deadline näher rückt.

Anders sieht es dagegen aus, wenn sich der Mitarbeiter ständig ausgebrannt fühlt. Diese Erschöpfung macht sich häufig auch körperlich bemerkbar. Betroffene haben häufig keine Lust, zur Arbeit zu gehen, sie klagen über Rückenbeschwerden, sind müde und die Beziehungen im privaten Umfeld leiden nicht selten auch unter der beruflichen Belastung.

Zur Einschätzung, wie ernst die Lage ist, geht es auch darum, zu unterscheiden, ob der Stress kurzzeitig ist oder ob er so gravierend ist, das von einem Burnout gesprochen werden kann.

„Diagnose“ Burnout?

Der Begriff Burnout ist schon seit einigen Jahren in aller Munde. Wann immer Arbeitnehmer überlastet sind, fällt er. Wer davon betroffen ist, kann meist zumindest vorübergehend nicht mehr arbeiten, er ist erschöpft und braucht eine Pause.

Klinisch betrachtet gibt es ein Leiden namens Burnout jedoch nicht. Oft gleichen die Symptome, die Betroffene verspüren, denen einer Depression. Während Menschen, die depressiv sind, dies jedoch häufig als Stigma empfinden, ist es gesellschaftsfähig, sich zu einem Burnout zu bekennen – schließlich deutet das auf ein strebsames, fleißiges Arbeitsverhalten hin.

Eine einheitliche Definition davon, was Burnout ausmacht und bedeutet, gibt es nicht. Dieser Zustand ist stattdessen sehr individuell. Menschen, die davon betroffen sind, haben das Gefühl, einfach nicht mehr zu können. Sie sehen sich nicht mehr in der Lage, ihren Aufgaben und Verpflichtungen nachzukommen. Sie sind ständig müde und weniger leistungsfähig. Sie haben das Gefühl, einfach mal eine lange Pause zu brauchen, bevor sie wieder mehr Energie haben.

Die körperlichen Auswirkungen reichen von Rückenproblemen über Schlafstörungen und Verdauungsproblemen bis hin zu häufigen Kopfschmerzen.

Wer besonders gefährdet ist

Unter entsprechenden Voraussetzungen ist fast jeder Arbeitnehmer von Burnout gefährdet. Menschen mit bestimmten Charaktereigenschaften sind jedoch anfälliger dafür. Das trifft besonders auf Perfektionisten zu, die nicht nur alles erledigen wollen, sondern dies auch besonders gut tun wollen. Auch wer Probleme damit hat, die Unterstützung anderer anzunehmen, oder offen einzugestehen, dass es gerade zu viel ist, ist leichter überfordert.

Ein Burnout ist wahrscheinlicher, wenn die Vorgaben im Job kaum erfüllt werden können oder wenn der Betroffene viel Verantwortung trägt. Auch Zeitdruck führt zu Stress, der permanent werden kann. Wenig förderlich ist es auch, wenn Betroffene sich am Arbeitsplatz kaum konzentrieren können, weil sie ständig abgelenkt werden – oder weil sie gezwungen sind, in einer Umgebung zu arbeiten, die die Produktivität hemmt, etwa in einem Großraumbüro. Auch ein schlechtes Betriebsklima und Probleme mit dem Chef können Stress verursachen. Nicht zuletzt reagieren Menschen, die im Privatleben Probleme haben, empfindlicher auf Belastungen im Job.

Wege aus der Überlastung

Wie dringend gehandelt werden muss, hängt vom Grad der Belastung und dem Problem ab. Wie kann es gelöst werden? Ist es speziell oder allgemein? Und ist das Belastungsgefühl temporär oder ein Dauerzustand?

Was Betroffene akut tun können

Zuerst ist es sinnvoll, zu überlegen, ob die Situation im derzeitigen Job zufriedenstellend verbessert werden kann. Dies hängt natürlich davon ab, ob der Betroffene überhaupt arbeitsfähig ist. Bei akuter Überlastung kann der Gang zum Hausarzt oder einem Psychotherapeuten die bessere Wahl sein. In diesem Zuge sollte ausgeschlossen werden, dass körperliche Ursachen für den Stress bestehen.

Auch ein Gespräch mit dem Vorgesetzten ist sinnvoll. Gemeinsam kann überlegt werden, wie die Lage verbessert werden kann – etwa, indem Aufgaben anders verteilt werden.

Sichten: Was muss erledigt werden?

Betroffene, die noch arbeiten können, gehen die Situation am besten an, indem sie überlegen, was grundsätzlich erledigt werden muss – routinemäßig und einmalig. Was muss bis wann fertig sein? Ein solcher Überblick hilft, Ruhe zu bewahren.

Einordnen: Was muss zuerst erledigt werden?

Als Nächstes müssen Aufgaben priorisiert werden. Zur Einordnung kann das sogenannte Eisenhower-Prinzip – nach dem früheren US-Präsidenten Dwight D. Eisenhower – angewandt werden. Es hilft bei der Entscheidung, was zuerst erledigt werden sollte.

Aufgaben sollten nach dieser Reihenfolge abgearbeitet werden:
1. wichtige und dringende Aufgaben
2. wichtige, aber nicht dringende Aufgaben
3. dringende, aber unwichtige Aufgaben
4. weder wichtige noch dringende Aufgaben

Die eigene Haltung ändern

Wer gestresst ist oder sich ausgebrannt fühlt, ist oft sehr perfektionistisch. Er möchte alles schaffen – und am besten noch mehr, denn das hilft der Karriere auf die Sprünge. Das lässt sich jedoch, zumindest über einen längeren Zeitraum, kaum aufrechterhalten. Stattdessen sollten Ziele realistisch sein. Es kommt schließlich auch darauf an, Aufgaben zufriedenstellend zu erledigen.

Stress gezielt entgegenwirken

In der Freizeit und im Job können Betroffene schließlich Stress gezielt entgegenwirken.

Privat kann Meditation ebenso helfen wie Sport und Bewegung. Eine gesunde Lebensweise ist ebenfalls förderlich, um Stress abzubauen. Feierabend sollte zudem wirklich Freizeit bedeuten. Betroffene tun sich keinen Gefallen, wenn sie standardmäßig von zuhause aus berufliche E-Mails beantworten oder Anrufe erledigen. Hier liegt es an den Arbeitnehmern, Grenzen zu setzen.

Im Arbeitsalltag gibt es ebenfalls Ansatzpunkte. So können Aufgaben delegiert werden. Ordnung am Arbeitsplatz hilft, den Überblick zu behalten. Ablenkung sollte minimiert werden – etwa, indem man die Kollegen bittet, gerade nicht zu stören. Es kann auch helfen, E-Mails nur zu bestimmten Zeiten abzurufen und Hinweistöne auszustellen. Und nicht zuletzt helfen Pausen dabei, danach wieder konzentriert loslegen zu können.