Karriere mit 50: Wie du beruflich noch einmal durchstarten kannst

379

Karriere mit 50 – das halten viele für ein Ding der Unmöglichkeit. Tatsächlich haben es ältere Bewerber oft schwerer als junge, befördert zu werden oder einen Job zu ergattern. Unmöglich ist es aber nicht, einen neuen Job mit 50 zu finden, der dich aus dem Trott herausreißt und das Arbeitsleben wieder aufregender macht. Die Voraussetzung hierfür sind ein realistischer Plan und die Bereitschaft, dich voll reinzuhängen, um deine Ziele zu erreichen.

Karriere mit 50: Wie stehen die Chancen?

Viele Arbeitnehmer über 50 fühlen sich festgefahren. Nach den Karrieresprüngen der Vergangenheit hat sich in ihrem Arbeitsalltag eine gewisse Stagnation breitgemacht. War es das jetzt? Das fragen sich viele ältere Arbeitnehmer. Viele sind den alltäglichen Trott am Arbeitsplatz leid und wünschen sich eine Veränderung. Aber ist das überhaupt möglich? Fakt ist: Eine Beförderung mit 50 ist schwieriger zu erreichen als eine Beförderung mit 30. Auch, wer einen neuen Job mit 50 sucht, sucht im Vergleich zu jüngeren Bewerbern unter erschwerten Bedingungen.

Viele Unternehmen bevorzugen jüngere Bewerber. Das ist kein Vorurteil, sondern in vielen Fällen Realität – und hat verschiedene Gründe. Jüngere Bewerber können oft noch besser geformt werden. Wer durch gezielte Förderung in sie investiert, profitiert oft langfristig von ihrer Leistungsfähigkeit und ihrem Engagement. Älteren Bewerbern wird hingegen oft unterstellt, sie seien geistig starrer und weniger anpassungsfähig. Auch mangelnde digitale Kompetenzen können ein Hindernis darstellen.

Warum eine berufliche Veränderung mit 50 nicht aussichtslos ist

Das bedeutet jedoch nicht, dass es von vornherein aussichtslos wäre, an eine Karriere mit 50 auch nur zu denken. Vielmehr ist es wichtig, dass du deine Chancen realistisch einschätzt und einen fundierten Plan machst, um deine Ziele zu erreichen. Mit 50 ist noch nicht die Zeit zu resignieren. Dafür hast du noch zu viele Arbeitsjahre vor dir.

Wie gut die Chancen für eine Beförderung mit 50 oder einen neuen Job mit 50 stehen, hängt von deiner individuellen Situation ab. Einerseits spielen deine Berufserfahrungen und Qualifikationen eine entscheidende Rolle. Andererseits wirkt sich natürlich auch die Branche aus, in der du tätig bist. In Bereichen, in denen es einen Fachkräftemangel gibt, hast du nicht nur bessere Chancen, beruflich auch in höherem Alter aufzusteigen. Auch der Quereinstieg in solche Branchen ist aussichtsreicher als anderswo.

In Bereichen, die ohnehin überlaufen sind, ist ein beruflicher Aufstieg oder eine Veränderung ab 50 hingegen schwieriger. Unmöglich ist es jedoch nicht – wenn du realistisch an die Sache herangehst, deine Chancen genau auslotest und die Voraussetzungen schaffst, um deine beruflichen Ziele zu erreichen. Nicht zuletzt spielt deine Haltung eine wichtige Rolle dafür, ob es dir gelingt, dich ab 50 beruflich zu verändern. Wenn du von vornherein glaubst, dass dein Vorhaben zum Scheitern verurteilt ist, ist das nicht selten eine selbsterfüllende Prophezeiung.

Welche Wege gibt es für die Karriere mit 50?

Wenn du dich mit 50 oder Mitte 50 beruflich verändern möchtest, stehen dir verschiedene Möglichkeiten offen. Der erste Schritt besteht jedoch nicht darin, dich blind zu bewerben oder überhastet eine ganz neue Richtung einzuschlagen – frei nach dem Motto: Jetzt bloß keine Zeit mehr verlieren.

Wie erfolgreich du bist, hängt davon ab, ob du dir realistische Ziele setzt und weißt, mit welchen Schritten du diese Ziele erreichen kannst. Dafür musst du als Erstes herausfinden, was du eigentlich möchtest – und was nicht. Stört dich der Stillstand? Oder gibt es Probleme, die du gerne beheben möchtest? Bist du ab und an genervt oder gelangweilt – oder bereitet dir dein Job schlaflose Nächte? Was müsste sich verändern, damit du mutmaßlich wieder zufriedener im Beruf wärst? Was wäre das beste Szenario für deine weitere Laufbahn? Ist es realistisch? Und falls nicht: Welche tatsächlich erreichbaren Optionen hast du, die deine Lage verbessern können?

Wenn du deine Karriere mit 50 vorantreiben möchtest, hast du drei grundlegende Optionen: Du kannst bei deinem jetzigen Arbeitgeber aufsteigen, dir einen neuen Job suchen oder in einen ganz anderen Bereich einsteigen.

Aufstieg bei deinem jetzigen Arbeitgeber: Beförderung mit 50

Die naheliegendste Option, um deiner Karriere auf die Sprünge zu verhelfen, ist eine Beförderung bei deinem derzeitigen Arbeitgeber. Dieser Weg ist mit dem geringsten Widerstand verbunden – und bietet einige Vorteile. Wenn du befördert wirst oder in eine andere Abteilung wechselst, kennst du die Strukturen schon. Du weißt, wie die Dinge in deiner Firma laufen. Und weil du längst eingestellt bist, hast du eine gute Ausgangsposition, denn prinzipiell hast du schon überzeugt.

Du kannst dich nach oben arbeiten und stetig daran arbeiten, die Voraussetzungen für eine Beförderung oder einen internen Stellenwechsel zu erfüllen. Dank deiner Kontakte im Unternehmen kannst du außerdem leichter als bei externen Stellenwechseln herausfinden, was du mitbringen musst, um gute Chancen auf die ersehnte Stelle zu haben.

Gerade, wenn du schon lange bei deinem Arbeitgeber bist und lange nicht befördert wurdest, besteht die Herausforderung auch darin, deine eigenen Verhaltensmuster und Vorgehensweisen zu überdenken. Du musst möglicherweise auch dafür sorgen, dass dich dein Vorgesetzter in einem neuen Licht sieht. Oft ist man im alltäglichen Trott gefangen und bemerkt dabei gar nicht, wie man selbst der Veränderung zum Positiven im Weg steht. Eine Voraussetzung für eine Beförderung mit 50 ist deshalb, dass du offen für Neues bist. Wenn nötig, musst du alte Muster durchbrechen, um in deiner Firma aufzusteigen.

Im Vergleich zu externen Bewerbern hast du den Vorteil, dass man dich im Unternehmen bereits kennt. Wenn du über einen längeren Zeitraum engagiert und motiviert bei der Arbeit erscheinst, neue Ideen einbringst und zeigst, dass du eben nicht auf Autopilot geschaltet hast, kannst du damit punkten. Natürlich musst du auch die fachlichen Qualifikationen mitbringen, die für die angestrebte Stelle essenziell sind.

Halte die Augen offen, wenn interne Stellenausschreibungen veröffentlicht werden. Ist keine passende Stelle dabei, zögere nicht, das Gespräch mit deinem Vorgesetzten zu suchen. Mach ihm oder ihr deutlich, welche Ziele du hast und dass du die Voraussetzungen hierfür erfüllst. Wenn du schon konkrete Ideen einbringen kannst, ist das gut. Schätzt dein Chef dich, hat er schon deshalb ein Interesse daran, dir zu helfen, um dich im Unternehmen zu halten. Wenn er weiß, dass du von einer Beförderung oder einem etwas anderen Aufgabenbereich träumst, dir dieser Weg im Unternehmen aber verwehrt ist, kann er sich ausrechnen, dass du ansonsten womöglich bald kündigst.

Neuer Job mit 50: Neue Herausforderungen bei einem anderen Arbeitgeber

Wenn du aus bestimmten Gründen nicht in deinem Unternehmen bleiben kannst oder willst, kann auch ein Jobwechsel deine Karriere wieder in Gang bringen. Die Hürden sind bei dieser Option oft etwas höher, weil du für den möglichen künftigen Arbeitgeber noch unbekannt bist. Umso wichtiger ist es, dass du bei der Jobsuche zielgerichtet vorgehst und nur realistische Optionen verfolgst, die wirklich dem entsprechen, was du dir wünschst.

Womöglich gibt es Momente, in denen du daran zweifelst, ob eine solche grundlegende Veränderung wirklich sinnvoll ist. Dabei ist das Risiko oft gering. Wenn du dich in einem ungekündigten Beschäftigungsverhältnis befindest, hast du nichts zu verlieren. Du kannst dich neben deinem Job nach anderen Stellen umsehen, an deinen Qualifikationen feilen und dich für interessante Jobs bewerben. Wenn es klappt, kannst du immer noch entscheiden, ob du den neuen Job wirklich willst. Und wenn nicht? Dann hast du trotzdem einen sicheren Job und kannst weiterhin die Augen nach spannenden Angeboten aufhalten.

Wenn möglich, solltest du deinen Job nicht kündigen, bevor du etwas Neues gefunden hast. Sonst wird der Druck womöglich so groß, dass du einen Job annimmst, der nicht das ist, was du dir vorgestellt hast.

Beruflicher Neuanfang: Geht das auch mit 50?

Ein beruflicher Neuanfang kann ein Ausweg sein, wenn du mit deinem Beruf ganz grundsätzlich nicht mehr zufrieden bist und nicht wahrscheinlich ist, dass ein Arbeitgeberwechsel die Lage verbessert. Wenn dir die Vorstellung, bis zum Renteneintritt in diesem Job zu arbeiten, schrecklich erscheint, ist das ein deutliches Zeichen dafür, dass du etwas verändern solltest.

Viele Arbeitnehmer fühlen sich zu alt für einen Neustart. Natürlich ist ein Neuanfang riskant. Wenn du es nicht wirklich willst und bereit bist, alles dafür zu tun, dass es klappt, sind die Erfolgsaussichten mitunter gering. Unmöglich ist es aber nicht. Deine Aussichten sind umso besser, je eher in dem angestrebten Tätigkeitsbereich Fachkräfte gesucht werden. Dir muss allerdings klar sein, dass du um eine Weiter- oder Fortbildung womöglich nicht herumkommst. Als Quereinsteiger bist du wahrscheinlich nur in Bereichen erfolgreich, wo die Voraussetzungen niedrig sind oder die mit deinem jetzigen Tätigkeitsfeld verwandt sind.

Ein beruflicher Neuanfang braucht Zeit und eine solide Planung. Dabei spielt es keine Rolle, ob du 35 oder 50 bist. Bevor du einen so gravierenden Schritt gehst, solltest du die damit verbundenen Chancen und Risiken gut abwägen. Wie wichtig ist dir der Jobwechsel? Wie schlimm wäre es, in deinem jetzigen Job zu bleiben? Bist du bereit, wenn nötig über mehrere Jahre finanziell zurückzustecken und deine Freizeit zu opfern, um dich weiterzubilden?

Im besten Fall kannst du den beruflichen Neustart neben dem Job vorbereiten. Dadurch ist das finanzielle Risiko geringer. Es kann jedoch auch eine Option sein, deine Stunden zu reduzieren. Bei einem Teilzeitjob bleibt dir mehr Zeit, dich intensiv mit der neuen Richtung zu befassen.

Wichtige Voraussetzungen und Kompetenzen für den beruflichen Aufstieg ab 50

Wie erfolgreich deine berufliche Veränderung mit 50 verläuft, hängt in hohem Maße davon ab, was du bereit bist zu investieren. Dazu gehört es einerseits, sicherzustellen, dass du die nötigen fachlichen Qualifikationen mitbringst. Bilde dich weiter, falls dir Qualifikationen fehlen. Kurse, Fortbildungen und Weiterbildungen sind eine gute Möglichkeit hierfür.

Neben formalen Qualifikationen spielen auch Soft Skills eine wichtige Rolle. Ältere Bewerber sehen sich häufig mit Vorurteilen konfrontiert. So heißt es etwa, sie seien weniger anpassungsfähig und flexibel, sie seien digital nicht versiert und nicht offen für Neues. Auch mangelnde Kommunikationsfähigkeit kann unterstellt werden. Deine Aufgabe ist es, zu zeigen, dass das bei dir nicht zutrifft.

Das gelingt dir einerseits durch dein Verhalten bei der Arbeit, wenn du eine Beförderung anstrebst. Wenn du immer wieder zeigst, dass du wichtige Merkmale mitbringst, wiegt das stärker als jede Behauptung in einer Bewerbung. Andererseits kannst du deine Bereitschaft zur Verbesserung demonstrieren, indem du Kurse machst oder Möglichkeiten wahrnimmst, die bestimmten Soft Skills zugutekommen.

Neuer Job mit 50: Tipps für die Jobsuche

Wenn du dich außerhalb deines jetzigen Arbeitgebers nach einem neuen Job umsiehst, eignen sich hierfür nicht nur Stellenanzeigen in Online-Jobbörsen oder Jobbörsen in Zeitungen. Besonders aussichtsreich ist es, wenn du Beziehungen nutzen kannst. Vielleicht kann ein früherer Chef ein gutes Wort bei einem anderen Arbeitgeber für dich einlegen. Oder ein Angehöriger arbeitet in einer Firma, die du dir als Arbeitgeber vorstellen könntest. Viele Jobs werden gar nicht offiziell ausgeschrieben, sondern „unter der Hand“ vergeben. Auch bei ausgeschriebenen Stellen hat ein Bewerber mit persönlichen Fürsprechern oft deutlich größere Chancen.

Für Arbeitgeber ist wichtig, dass Bewerber – egal welchen Alters – sich mit digitalen Prozessen auskennen. Je glaubhafter du nachweisen kannst, dass das bei dir der Fall ist, desto besser. Auch bei Bewerbungen kannst du zeigen, dass du im digitalen Zeitalter angekommen bist. Indem du online präsent bist, zeigst du, dass du nicht nur offen für Digitales bist, sondern auch entsprechende Kenntnisse mitbringst. Ein aussagekräftiges, gut gepflegtes Profil bei einem Karrierenetzwerk wie Xing oder LinkedIn oder sogar eine eigene Bewerbungs-Homepage können deine Chancen bei Bewerbungen steigern.

Was eine gute Bewerbung ausmacht

Wenn du spannende Stellen gefunden hast, auf die du dich bewerben möchtest, oder eine interne Bewerbung schreibst, solltest du sicherstellen, dass du die aktuellen Gepflogenheiten bei Bewerbungen kennst. Was bei deiner letzten Bewerbung vor zehn Jahren galt, ist heute womöglich überholt. Wenn deine Bewerbung in formeller Hinsicht Mängel hat, wirft das ein schlechtes Licht auf dich. Sieh Bewerbungen als Chance, zu zeigen, dass du in Sachen Bewerbung up to date bist.

Eine gute Bewerbung ist eine zielgerichtete und individuelle Bewerbung, die alle wichtigen Aspekte beinhaltet. Sie zeigt dem Arbeitgeber, dass du das mitbringst, was gefragt ist. Du solltest außerdem deine Motivation begründen. Nicht zuletzt ist wichtig, dass du selbstbewusst auftrittst. Ja, womöglich ist der Arbeitgeber bei älteren Bewerbern skeptisch und jüngeren Bewerbern eher zugeneigt. Wenn du diese Sichtweise jedoch schon voraussetzt und entsprechend zurückhaltend auftrittst, verringerst du die Wahrscheinlichkeit einer positiven Rückmeldung. Sei überzeugt von dir und deinen Fähigkeiten – und mach dem möglichen Arbeitgeber deutlich, was er davon hat, wenn er dich einstellt.

Bildnachweis: fizkes / Shutterstock.com