Ausbildung abbrechen? Das sind die Optionen

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Ein junger Mann denkt über den Abbruch der Ausbildung nach

Mal gibt es Zoff mit dem Ausbilder, ein andermal Probleme in der Berufsschule oder der Beruf ist nicht das, was du dir eigentlich darunter vorgestellt hast. Die Lösung: die Ausbildung abbrechen. Doch diese auf den ersten Blick einfache Entscheidung sollte nicht leichtfertig getroffen werden, denn immerhin 17 Prozent der Azubis, die die Ausbildung abbrechen, bleiben längere Zeit arbeitslos.

Eine Entscheidung mit Folgen: Ausbildung abbrechen oder nicht?

Immer mehr Azubis in Deutschland brechen ihre Ausbildung ab – mittlerweile fast schon jeder vierte. Besonders viele davon waren zuvor in der Sicherheitsbranche oder im Handwerk als Auszubildende beschäftigt. Auch wenn du also nicht allein damit bist, wenn du deine Ausbildung abbrechen möchtest, solltest du diesen Schritt genau überlegen. Denn bei Bewerbungen auf einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz kommen Lücken im Lebenslauf nicht unbedingt gut an – unüberlegt die Ausbildung abzubrechen, ist also keine gute Idee.

Ausbildungsvertrag kündigen: Diese Gründe führen dazu

Auszubildende geben häufig ähnliche Gründe an, wenn sie gefragt werden, warum sie die Ausbildung abgebrochen haben. Dabei gibt es auch eine ganz klare Reihenfolge:

  1. Der Ausbildungsbetrieb: Die Mehrzahl der Azubis, die ihre Ausbildung abbrechen möchten, sind mit ihrem Ausbildungsbetrieb unzufrieden. So können beispielsweise andauernde Konflikte mit dem Vorgesetzten, den anderen Azubis oder den bereits ausgelernten Mitarbeitern dazu führen, dass sie die Lust verlieren, die Ausbildung fortzusetzen. Auch das klassische Kaffee kochen, also dass Azubis andere Aufgaben übernehmen müssen, als eigentlich vorgesehen, führt zu Frust und Unzufriedenheit in der Ausbildung.
  2. Die eigene Gesundheit: Fast die Hälfte der Azubis möchte die Ausbildung abbrechen, weil die eigene Gesundheit darunter leidet. Gesundheitsprobleme können auch daher kommen, dass man unzufrieden mit der Ausbildung insgesamt ist und daher ständig unter Druck steht.
  3. Die falsche Berufswahl: Einige Azubis, die die Ausbildung abbrechen, weil sie die falsche Wahl getroffen haben, berichten, dass sie sich den eigentlichen Beruf (und damit die Ausbildung) ganz anders vorgestellt haben. Andere brechen die Ausbildung ab, weil sie ohnehin nur eine Notlösung war – in der eigentlichen Wunschausbildung konnten sie keinen Ausbildungsplatz mehr bekommen.

Ausbildung abbrechen: auf keinen Fall leichtsinnig!

Wenn du mit dem Gedanken spielst, deine Ausbildung abzubrechen, gilt zunächst: nichts überstürzen. Manchmal hilft ein Gespräch mit dem Ausbilder dabei, die Wogen doch noch zu glätten.

Davon abgesehen solltest du unbedingt mit deiner Familie und Freunden über dein Vorhaben sprechen. Außenstehende haben noch einmal einen anderen Blick auf die Dinge und können dir vielleicht dabei helfen, positive Aspekte bei deiner Ausbildung zu finden, so dass du sie nicht direkt abbrechen musst.

Generell gilt, dass du zunächst einen Plan haben solltest, bevor du deine Ausbildung wirklich abbrichst. Ein guter Weg dabei ist, so lang wie möglich bei deinem Arbeitgeber durchzuhalten und nach anderen Optionen zu suchen.

In einigen Situationen sofort Ausbildung abbrechen

Das oben Gesagte gilt natürlich nur dann, wenn in dem Ausbildungsbetrieb keine schwerwiegenden Dinge vorgefallen sind. Wenn dein Ausbildungsbetrieb beispielsweise gegen Gesetze verstößt oder Drohungen dir gegenüber ausspricht, solltest du nicht lange warten, bis du den Ausbildungsvertrag kündigst.

Auch Mobbing oder gar sexuelle Übergriffe sind triftige Gründe, um eine Ausbildung sofort zu beenden. In diesen Fällen darfst du das sogar fristlos – was bedeutet, dass du nach deiner Kündigung gar nicht mehr an deinen Ausbildungsplatz zurückkehren musst.

Ausbildung abbrechen: Diese Optionen hast du

Du kannst verschiedene Möglichkeiten ausprobieren, die dir dabei helfen können, wieder mehr Spaß an deiner Ausbildung zu haben, so dass du sie mit etwas Glück doch nicht abbrechen musst.

Folgende Optionen kannst du dabei ausprobieren:

  1. Gespräch mit dem Ausbildungsbetrieb suchen: Wenn du unglücklich in deinem Ausbildungsbetrieb bist und deshalb überlegst, die Ausbildung abzubrechen, solltest du unbedingt vorher das Gespräch mit deinem Ausbilder suchen. Vielleicht ist deinem Ausbilder nicht klar, wie sehr du unter der Situation leidest und ihr könnt gemeinsam daran arbeiten – das geht aber nur, wenn er davon weiß. Unser Tipp: Bereite das Gespräch schon zuhause vor und notiere dir die wichtigsten Punkte, die du unbedingt erwähnen möchtest. Häufig passiert es, dass man im Eifer des Gefechts wichtige Dinge vergisst. Ein paar Notizen, die du vorab aufschreibst, können das verhindern. Solltest du zu keinem Ergebnis mit deinem Ausbilder kommen, kannst du noch weitere Hilfe in Anspruch nehmen: Bei der Industrie- und Handelskammer arbeiten sogenannte Ausbildungsberater. Die können dir dabei helfen, einen neuen Ausbildungsbetrieb zu finden, wenn du mit deinem aktuellen Ausbilder nicht zurecht kommst.
  2. In der Berufsschule besser werden: Ist im Betrieb alles in Ordnung, aber die Abläufe in der Berufsschule führen dazu, dass du kurz davor bist, die Ausbildung abzubrechen, gibt es ebenfalls Hilfe. Natürlich ist es frustrierend, wenn in der Praxis alles klappt, es aber mit der Theorie, also in der Berufsschule, ein wenig hapert. Doch das ist noch lange kein Grund, die Ausbildung komplett aufzugeben. Zum einen kannst du ganz klassisch einen Nachhilfelehrer suchen, der dir dabei hilft, den Stoff der Berufsschule besser zu verstehen. Vielleicht sind auch andere Schüler aus deiner Klasse bereit, dir nach der Schule ein wenig zu helfen. Aber auch die Agentur für Arbeit hat für solche Fälle eine Lösung parat. Dort kannst du ausbildungsbegleitende Hilfen beantragen, die für Azubis sogar kostenfrei sind. Eine Option, die du unbedingt ausprobieren solltest, bevor du beschließt, die Ausbildung abzubrechen.
  3. Eigene Wünsche klären: Ausbildungsbetrieb und Berufsschule sind nicht das Problem, sondern du fühlst dich einfach unwohl mit deiner Berufswahl und möchtest lieber einen anderen Beruf erlernen? Das ist natürlich ärgerlich, weil du bereits Zeit in die Ausbildung investiert hast. Auf der anderen Seite ist es aber gut, dass du deine falsche Entscheidung schon in der Ausbildung bemerkst. Bevor du jedoch deinem Ausbilder am nächsten Morgen die Kündigung auf den Tisch legst, solltest du dir Zeit nehmen und die nächsten Schritte planen. Folgende Fragen können dir dabei helfen:
      1. Was versprichst du dir von deiner Ausbildung?
      2. Was findest du an deiner aktuellen Ausbildungsstelle nicht gut, was gefällt dir?
      3. Gibt es einen Berufswunsch, den du schon als Kind hattest?

Unter Umständen hilft dir auch ein Test zur Berufswahl weiter, wie ihn beispielsweise die Agentur für Arbeit anbietet.

  1. Möglichkeiten ausloten: Wenn dir klar ist, in welche Richtung es gehen soll, heißt es wiederum auf die Suche gehen. Denn nun musst du zum zweiten Mal einen Betrieb finden, in dem du deine Ausbildung machen kannst. Im Idealfall hast du einen neuen Ausbildungsbetrieb gefunden, bevor du deine aktuelle Ausbildung tatsächlich abbrichst. Informiere dich genau über die Voraussetzungen für die neue Ausbildung. Wenn sich erste und zweite Ausbildung ähneln, kannst du dir mit etwas Glück bereits erbrachte Leistungen anrechnen lassen. So ist es im Rückblick nicht ganz so schlimm, wenn du die erste Ausbildung abgebrochen hast.
  2. Erklärung bereithalten: In jedem Fall solltest du damit rechnen, dass du bei der Suche nach einer neuen Ausbildung nach deinem Werdegang gefragt wirst. Gut möglich, dass du dabei erklären sollst, warum du die erste Ausbildung abbrechen willst. Sei auf diese Fragen gefasst und bereite schon vorher schlüssige und glaubhafte Erklärungen vor, die du dem neuen Ausbilder präsentieren kannst. Viele Personaler reagieren positiv darauf, wenn angehende Azubis ehrlich mit einer abgebrochenen Ausbildung umgehen. Denkbar wäre zum Beispiel, dass du erklärst, dass sich nach kurzer Zeit im Betrieb gezeigt hat, dass die Ausbildung doch nicht das ist, was du eigentlich machen möchtest und du daher beschlossen hast, die Ausbildung abzubrechen.

Ausbildung abbrechen: So gehst du vor

Sobald du einen neuen Ausbildungsplatz gefunden hast – in einigen Fällen auch früher – kannst du deine Ausbildung abbrechen. Jedoch gibt es auch hierbei einige Dinge zu beachten, damit du rechtlich auf der sicheren Seite bist:

  1. Die Kündigung: Die Kündigung des Ausbildungsvertrags muss immer schriftlich erfolgen. Das bedeutet, dass SMS oder WhatsApp-Nachricht an den Ausbilder nicht ausreichen, damit die Kündigung rechtskräftig wird. Schriftlich beutetet in diesem Fall in Briefform. Nenne am besten das Datum, an dem der Ausbildungsvertrag geschlossen wurde und das Datum, zu dem der Vertrag ausläuft (Ende der Kündigungsfrist).
  2. Die Kündigungsfrist: Sobald du die schriftliche Kündigung abgeschickt oder deinem Ausbilder übergeben hast, beginnt die Kündigungsfrist: Sie beträgt vier Wochen. Das Ausbildungsverhältnis bleibt bis zum Ende der Kündigungsfrist bestehen – mit allen Rechten und Pflichten.
  3. Die Unterschrift: Die Kündigung muss von dir selbst unterschrieben werden. Bist du noch minderjährig, müssen auch deine Eltern (oder Sorgeberechtigten) die Kündigung unterschreiben.
  4. Der Grund: Sofern die Probezeit der Ausbildung abgelaufen ist, musst du einen Grund nennen, wenn du die Ausbildung abbrechen möchtest.

Übrigens: Du musst nicht zwingend bis zum Ende der Kündigungsfrist bei deinem Ausbilder weiterarbeiten. Einige Betriebe lassen sich auch auf einen Aufhebungsvertrag ein. Dabei können beide Parteien, also du und dein Ausbilder, frei entscheiden, zu welchem Termin die Ausbildung abgebrochen werden soll. Theoretisch ist dabei auch ein sofortiges Ende der Ausbildung denkbar.

Ausbildung abbrechen: Formalitäten klären

In einiger Hinsicht sind Ausbildungs- und Arbeitsvertrag vergleichbar. So auch im Hinblick auf die Rechte, die du gegenüber deinem ehemaligen Ausbildungsbetrieb hast.

Folgende Ansprüche kannst du dabei geltend machen:

  • Ausstellung eines wohlwollenden Arbeitszeugnisses
  • Aushändigung deiner Arbeitspapiere
  • Auszahlung von Überstunden und Resturlaub
  • Auszahlung des Entgelts, das du für deine Ausbildung bis zum Ende der Kündigungsfrist bekommst

Keine neue Ausbildung gefunden? Auch dann gibt es Möglichkeiten

Mitten im Ausbildungsjahr klappt es natürlich nicht sofort mit einer neuen Ausbildung. Wenn du trotzdem deine aktuelle Ausbildung abbrechen und nicht bis zum Beginn des neuen Ausbildungsjahres warten möchtest, musst du nicht untätig herumsitzen.

Folgende Optionen hast du beispielsweise:

  • Praktikum oder Volontariat, um neue Erfahrungen zu sammeln
  • Weiterbildung, um neue Fähigkeiten zu erwerben
  • Schulausbildung fortsetzen, um höheren Abschluss zu bekommen
  • Freiwilliges soziales oder ökologisches Jahr absolvieren
  • Zeit im Ausland verbringen und neue Sprache lernen

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