AllgemeinBewerbungsangst: So kannst du sie überwinden

Bewerbungsangst: So kannst du sie überwinden

Bewerbungsangst? Dieses Gefühl kennt wohl ein Großteil der Bewerber in mehr oder minder schwerer Ausprägung. Manche Bewerber leiden jedoch an einer so starken Bewerbungsangst, dass es für sie hinderlich ist. Das kann die Angst vor Vorstellungsgesprächen ebenso betreffen wie andere Aspekte des Bewerbungsprozesses. Hier erfährst du, wie sich Bewerbungsangst manifestieren kann, welche Ursachen und Folgen sie haben kann und was du tun kannst, um sie zu überwinden.

Bewerbungsangst kann verschiedene Ausprägungen haben

Der Bewerbungsprozess ist wohl für die meisten Bewerber mit aufregenden Situationen verbunden. In erster Linie betrifft das für viele Jobsuchende das Vorstellungsgespräch. Man ist dem ersehnten Job so nah, befindet sich aber auch in einer Art Prüfungssituation, in der jeder Fehler die eigenen Chancen zunichte machen kann. Auf Fragen muss man eine möglichst souveräne und natürlich prompte Antwort liefern können, um nicht schlecht dazustehen. Noch dazu wird man meist gleich von zwei Personen kritisch beäugt.

Bewerbungsangst macht sich meist schon einige Stunden oder Tage vor dem Vorstellungsgespräch durch große Nervosität und innere Unruhe bemerkbar. Auch körperliche Symptome kommen durch die Aufregung vor einem Bewerbungsgespräch häufig vor. Das kann zum Beispiel Magen-Darm-Probleme, Zittern oder Konzentrationsschwierigkeiten betreffen.

Im Vorstellungsgespräch selbst haben viele nervöse Bewerber einen trockenen Mund, feuchte Hände oder sie schwitzen generell übermäßig. Wer sehr aufgeregt ist, hat häufig Probleme, sich zu artikulieren – entweder, weil ihm in all der Aufregung nicht sofort eine Antwort einfällt, oder weil er ins Stottern kommt.

Wenn der Anruf eines Arbeitgebers Panik auslöst

Bewerbungsangst erstreckt sich häufig schwerpunktmäßig auf das Bewerbungsgespräch. Auch andere Teile des Bewerbungsprozesses können jedoch bei Bewerbern für innere Unruhe und Nervosität sorgen.

Das kann etwa die Kontaktaufnahme mit einem möglichen Arbeitgeber betreffen. Manchmal ist es nötig, im Rahmen einer Bewerbung bei einem Arbeitgeber anzurufen und etwas in Erfahrung zu bringen. Oder der Arbeitgeber ruft seinerseits beim Bewerber an, weil er eine Rückfrage hat oder ein kurzes, spontanes Telefon-Interview führen möchte. Vor solchen Situationen fürchten sich viele Jobsuchende mit Bewerbungsangst.

Auch der Anruf, mit dem die Einladung zum Vorstellungsgespräch übermittelt wird, löst bei vielen Bewerbern gemischte Gefühle aus. Einerseits überbringt das Unternehmen dem Bewerber damit eine gute Nachricht, andererseits möchte man sich im Telefonat nicht blamieren – vor allem, wenn der Chef selbst anruft. Jobsuchende, die ohnehin nicht gerne telefonieren, sind von solchen Gefühlen besonders häufig betroffen.

Welche Ursachen kann Bewerbungsangst haben?

Warum hat ein Bewerber große Bewerbungsangst, während ein anderer dem Bewerbungsprozess gelassen entgegensieht? Die Ursachen für Bewerbungsangst sind individuell. Es gibt aber einige Aspekte, die viele Menschen mit großer Bewerbungsangst betreffen.

Da wäre zum einen die Persönlichkeit: Introvertierten Menschen fällt es naturgemäß schwerer, sich im Bewerbungsgespräch selbstbewusst und offen zu zeigen. Es kann für sie auch ein größeres Hindernis als für extrovertierte Jobsuchende sein, sich in ihrer Bewerbung „verkaufen“ zu müssen. Wer aus diversen Bewerbungsratgebern weiß, dass ein erfolgreicher Bewerber selbstsicher und souverän ist, sich selbst aber nicht so empfindet, hat womöglich von vornherein das Gefühl, ein Bewerber zweiter Klasse zu sein, der ohnehin keine Chance gegen all die Selbstdarsteller hat.

Bewerbungsangst kann auch mit Angst vor Situationen zusammenhängen, deren Ausgang ungewiss ist. Niemand kann dir eine Garantie geben, ob es mit der Jobsuche klappt und ob du am Ende mit deinem neuen Job zufrieden bist. Vor allem bei Menschen, die einen Job haben und somit theoretisch nicht auf Jobsuche gehen müssen, kann das zu Stress führen, der sich als Bewerbungsangst zeigen kann.

Ein Mangel an Routine als Ursache für Bewerbungsangst

Viele Jobsuchende mit Bewerbungsangst haben Angst vor Ablehnung. Sie haben dann etwa das Gefühl, dass bei einer Bewerbung ihre ganze Person überprüft wird. Bekommen sie eine Absage, nehmen sie das als pauschale negative Beurteilung ihrer Person wahr, obwohl oft Nuancen den Ausschlag für eine Zu- oder Absage geben.

Wer an Bewerbungsangst leidet, hat oft schlicht zu wenig Übung. Je mehr Bewerbungsgespräche du durchgestanden hast, desto routinierter wirst du. Du kennst die Abläufe, weißt, was dich erwartet, und konntest aus bisherigen Vorstellungsgesprächen lernen. Das ist ein Vorteil, den viele Bewerber nicht haben – zum Beispiel, weil sie sich zum ersten Mal für einen „richtigen“ Job bewerben oder weil die letzten Bewerbungen lange zurückliegen.

Die eigene Situation und die eigenen Qualifikationen können Bewerbungsangst verstärken. Es macht einen Unterschied, ob ein Bewerber eine lückenlose Karriere hingelegt hat und sich aus einem Top-Job heraus um eine neue Position bewirbt, oder ob ein Bewerber schon seit Jahren arbeitslos ist. Wer keine optimalen Voraussetzungen mitbringt, fürchtet sich oft stärker als andere vor der Reaktion eines möglichen Arbeitgebers.

Bewerbungsangst als Hindernis auf dem Weg zum neuen Job

Bewerbungsangst ist nicht nur lästig – sie kann sich auch als echtes Hindernis bei der Jobsuche erweisen. Im besten Fall führt Bewerbungsangst „nur“ dazu, dass Bewerber vor einem Vorstellungsgespräch sehr nervös sind. Bei manchen Kandidaten legt sich die Nervosität, sobald das Gespräch in Gang gekommen ist.

So geht es jedoch längst nicht jedem Jobsuchenden mit Bewerbungsangst. Bewerbungsangst kann auch bedeuten, dass man im Bewerbungsgespräch permanent angespannt ist und womöglich Schwierigkeiten hat, den Gesprächspartnern genau zuzuhören. Dadurch können Kandidaten unaufmerksam und unhöflich wirken, obwohl sie es gar nicht sind. Wer einen entsprechenden Eindruck auf die Entscheidungsträger macht, hat wahrscheinlich nicht die besten Aussichten auf eine positive Rückmeldung.

Bewerbungsangst kann auch zu Blackouts im Bewerbungsgespräch führen. Die Betroffenen sind dann so aufgeregt, dass sie keinen klaren Gedanken fassen können. Wenn dann noch eine Frage kommt, auf die man nicht sofort eine Antwort weiß, kommt schnell Panik auf. Zwar wissen Personaler, dass die meisten Bewerber vor einem Bewerbungsgespräch aufgeregt sind. Sehr starke Nervosität kann den Kandidaten jedoch negativ ausgelegt werden – besonders, wenn sie sich für einen Job beworben haben, in dem sie sich regelmäßig präsentieren müssen.

Bewerbungsangst kann auch dazu führen, dass man die Jobsuche gar nicht erst anfängt. Wem es beim bloßen Gedanken an eine berufliche Veränderung schon vor dem Schreiben von Bewerbungen und der Selbstdarstellung in Vorstellungsgesprächen graut, der überlegt zweimal, ob er wirklich einen neuen Job suchen soll. Das kann unzufrieden machen, denn die Betroffenen bleiben womöglich in einem Job, der sie unglücklich macht – oder sie verharren in der Arbeitslosigkeit und verlieren den Glauben daran, dass sich die Dinge zum Besseren wenden können.

Angst vor Bewerbungen überwinden: Tipps für Betroffene

Du leidest an Bewerbungsangst? Das muss nicht für immer dein Schicksal sein, denn gegen deine Angst vor Bewerbungen und Vorstellungsgesprächen kannst du etwas tun. Wir haben Tipps für dich, die dir helfen können, wenn du deine Bewerbungsangst hinter dir lassen möchtest.

Routine bekommen

Angst entsteht häufig in Situationen, mit denen man wenig Erfahrung hat. Bei Bewerbungen ist vieles ungewiss: Wie wird ein potenzieller Arbeitgeber auf meine Bewerbung reagieren? Bekomme ich direkt eine Absage oder werde ich zum Bewerbungsgespräch eingeladen? Auf wen treffe ich dort – und was werde ich gefragt? Diese vielen Ungewissheiten können Bewerbungsangst auslösen oder verstärken.

Umso wichtiger ist es, dass der Bewerbungsprozess für dich zur Routinesache wird. Je öfter du dich beworben und je mehr Bewerbungsgespräche du absolviert hast, desto weniger wird dich die Jobsuche aus der Ruhe bringen. Aus diesem Grund kann es sinnvoll sein, auch zu Vorstellungsgesprächen zu gehen, wenn du dir mit dem Job gar nicht sicher bist. Wenn du das Treffen als Übung ansiehst, lernst du dazu und nimmst gleichzeitig den Druck aus der Situation heraus.

Den eigenen Wert erkennen

Eine Absage zu erhalten kann Bewerber hart treffen. Viele empfinden sich als nicht gut genug oder glauben gar, dass sie auch künftig nur Absagen bekommen werden. Beides ist fatal für die Jobsuche – und oft überhaupt nicht zutreffend. Eine Absage ist keine allumfassende Wertung deiner Person. Mache dir klar, dass dich die Entscheidungsträger gar nicht kennen. Selbst, wenn du es bis ins Vorstellungsgespräch geschafft hast, wissen deine Gesprächspartner nur sehr wenig über dich.

Lasse es nicht zu, dass eine negative Rückmeldung eines Arbeitgebers deinem Selbstwert zusetzt. Mache dir lieber klar, was für dich spricht: Warum wärst du ein guter Mitarbeiter? Welche Erfahrungen und welche wichtigen Persönlichkeitsmerkmale bringst du mit? Was hast du anderen Bewerbern womöglich voraus? Erinnere dich daran, wo deine Stärken liegen, wenn du an dir zweifelst.

Selbstbewusster werden

Wer große Bewerbungsangst hat, ist häufig wenig selbstbewusst. Wüsstest du, was du einem Arbeitgeber zu bieten hast, wärst du wahrscheinlich gelassener – schließlich ist es nicht nur dein Pech, wenn man dich nicht nimmt, sondern auch ein Verlust für den Arbeitgeber, der von deinem Einsatz hätte profitieren können.

Selbstbewusstsein ist in vielen Lebenslagen wichtig – und lässt sich gezielt trainieren. Es gibt diverse Übungen, die dir dabei helfen können, dein Selbstbewusstsein zu stärken. Um nur einige Beispiele zu nennen:

  • Du kannst aufschreiben, was du an dir magst und/oder was du im Kleinen und im Großen erreicht hast
  • Du kannst dich selbst im Spiegel anlächeln und ein paar freundliche Worte für dich finden
  • Kleide dich so, dass du dich richtig wohl fühlst
  • Achte auf eine aufrechte Körperhaltung: Brust raus, Schultern nach hinten, Kinn leicht angehoben – wetten, dass du dich direkt selbstsicherer fühlst?

Gute Vorbereitung

Geht es dir bei deiner Bewerbungsangst hauptsächlich um das Vorstellungsgespräch, kann gute Vorbereitung dir enorm helfen. Je besser vorbereitet du dich fühlst, desto entspannter kannst du sein, wenn es soweit ist.

Also: Befasse dich im Vorfeld mit möglichen Fragen, informiere dich über den Arbeitgeber und mache dir Gedanken über dein Outfit und deine Anreise. Lege dir eine Selbstpräsentation zurecht und überlege dir, was du deinerseits von einem möglichen Arbeitgeber wissen möchtest. Wenn du das Bewerbungsgespräch mit Freunden simulierst, hast du schon etwas Übung, wenn das echte Gespräch ansteht.

Absagen und Rückschläge hinter sich lassen

Der Bewerbungsprozess hält im besten Fall viele positive Momente für dich bereit: eine Einladung zum Vorstellungsgespräch, ein unerwartet nettes Gespräch oder auch die Jobzusage. Umgekehrt gehört es jedoch auch dazu, dass du hin und wieder negative Rückmeldungen bekommst. Sei es, dass ein Arbeitgeber deine Bewerbung einfach ignoriert, ein Gespräch mal etwas holpriger verläuft oder du am Ende den ersehnten Job nicht bekommst.

Rückschläge gehören dazu, und zwar für nahezu jeden Bewerber. Das Beste, was du mit negativen Erlebnissen tun kannst, ist, sie hinter dir zu lassen. Hake ab, was nicht so gut gelaufen ist. Wenn du in einem Bewerbungsgespräch nicht souverän warst, analysiere die Situation, um daraus zu lernen – und dann richte deinen Blick in die Zukunft. Verharre gedanklich nicht bei dem, was alles falsch gelaufen ist, sondern lenke deinen Blick darauf, was richtig laufen kann. Kritische Reflexion mag förderlich sein, nagende Selbstzweifel bringen hingegen niemanden weiter.

Bildnachweis: rifotoproducto / Shutterstock.com

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