Glücklicher durch weniger Arbeit: 6 Tipps für erfolgreiches Downshifting

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Downshifting

Manche Menschen gehen in ihrer Karriere auf. Andere fühlen sich hingegen wohler, wenn sie mehr Freizeit haben, damit ihr Privatleben nicht zu kurz kommt. Während manche sich nichts sehnlicher wünschen, als auf die nächste Stufe auf der Karriereleiter zu erklimmen, sehnen sich diese Menschen vielmehr nach einer besseren Work-Life-Balance. Dieser Wunsch spiegelt sich in einem neuen Trend wieder: dem Downshifting. Das bedeutet, dass du deine Arbeitszeit verringerst. Wie das erfolgreich klappt, erfährst du in unseren sechs Tipps.

Downshifting: Weniger Arbeit, mehr Leben

Weniger Arbeit, mehr Leben: So lässt sich das Phänomen Downshifting in aller Kürze zusammenfassen. Das gelingt, indem die Arbeitszeit ganz bewusst verringert wird. Dadurch bleibt mehr Zeit, um sich um die privaten Verpflichtungen und Vergnügen zu kümmern. Damit verbunden ist für viele Menschen das Ziel, sich ausgeglichener zu fühlen. Viele sehen ein Downshifting im Job als letzte Alternative zum Burnout, zu dem alltägliche Überstunden und eine hohe Arbeitsbelastung häufig führen.

Während das Streben nach einem möglichst prestigeträchtigen Job in hoher Position lange Zeit als Nonplusultra galt, hat sich dieses Denken gerade bei vielen jüngeren Menschen in den vergangenen Jahren verändert. Viele suchen nicht mehr die Erfüllung im Job, sondern möchten ein Privatleben, das sie glücklich macht. Oder sie möchten sich im Job nicht kaputt machen.

Obgleich sich viele Menschen von zu viel Arbeit gestresst fühlen, ist der Trend zum Downshifting bei vielen Arbeitgebern noch nicht angekommen. Noch immer herrscht vielerorts ein Bild vom perfekten Arbeitnehmer vor, der steil Karriere machen möchte.

Dabei profitieren auch Arbeitgeber vom reduzierten Pensum. Ein Vollzeitjob ist schließlich nicht zwangsläufig wirklich produktiver als eine Teilzeitstelle. Im Gegenteil: Oft schafft man konzentriert in kurzer Zeit verhältnismäßig mehr als bei einer längeren Schicht. Denn nach langen Stunden am Schreibtisch geht zwangsläufig irgendwann die Konzentration verloren. Man braucht länger und ist weniger effektiv. Das spiegelt sich darin wieder, dass viele Arbeitnehmer die letzten ein oder zwei Stunden des Arbeitstags mehr oder weniger absitzen, bis sie nach Hause können. Produktives Arbeiten ist häufig nicht mehr drin.

Dann kann Downshifting eine vielversprechende Option sein. Mit den folgenden sechs Tipps gelingt es dir.

1. Kläre, ob Downshifting in deinem Job möglich ist

Dass du künftig weniger arbeiten möchtest, ist erstmal nur ein Wunsch. Ob du ihn auch realisieren kannst, hängt vom Entgegenkommen deines Arbeitgebers ab. Suche deshalb das Gespräch mit deinem Chef und lege dir passende Argumente zurecht, um ihn von der Praktikabilität und den Vorzügen deines Vorhabens zu überzeugen.

Dabei musst du wissen, dass ein grundsätzlicher Anspruch auf Teilzeit durchaus besteht. Kann dein Arbeitgeber jedoch gute Gründe vorbringen, warum das nicht infrage kommt, hast du mitunter das Nachsehen. Um Teilzeit beantragen zu können, musst du mehr als sechs Monate im aktuellen Job sein. Außerdem gilt das grundlegende Recht auf Teilzeit nur, wenn mehr als 15 Mitarbeiter für den Arbeitgeber tätig sind. Dein Arbeitgeber kann deinen Wunsch zum Downshifting nur ablehnen, wenn betriebliche Gründe dagegensprechen. Auch, wenn dem Arbeitgeber dadurch Mehrkosten drohen, kann er dem Antrag widersprechen.

2. Teilzeit rechtzeitig beantragen

Auch, wenn dein Chef deinem Wunsch nach einer Teilzeit-Tätigkeit offen gegenübersteht, geht das Downshiften nicht von heute auf morgen. Drei Monate im Voraus musst du den entsprechenden Antrag stellen. Nun liegt es an deinem Chef, zu reagieren. Bestenfalls genehmigt er deinen Antrag. Doch auch, wenn er nicht reagiert, stehen deine Chancen zur Verringerung deines Wochenpensums gut. Hat er nicht mindestens vier Wochen vor dem gewünschten Beginn schriftlich widersprochen, gilt der Antrag als akzeptiert. Ist der Arbeitgeber einverstanden, muss der Arbeitsvertrag entsprechend angepasst werden.

3. Welche Reduzierung der Arbeitszeit ist realistisch?

Bevor du das Gespräch mit deinem Chef suchst, solltest du dir überlegen, um wie viele Stunden du gerne reduzieren möchtest. Was wünscht du dir – und was ist realistisch? Ob dein Antrag genehmigt wird, hängt davon ab, wie praktikabel die Teilzeit aus Sicht deines Arbeitgebers ist.

Manche Stellen könnten theoretisch problemlos um die Hälfte der Stunden reduziert werden, in anderen Fällen ist es schwieriger. Sinnvoller ist es meist, erstmal mit fünf bis zehn Stunden weniger anzufangen. Dann kannst du ausprobieren, ob dieses Modell für dich auch in der Praxis funktioniert. Fünf Stunden weniger mag nach nicht viel klingen. Die eine Stunde mehr Freizeit kann jedoch einen großen Unterschied im Alltag machen. Bedenke dabei, dass du den nächsten Antrag auf Reduzieren frühestens nach zwei Jahren stellen kannst.

4. Was ist mit den Ausgaben?

Ob Teilzeit für dich in Frage kommt, ist auch eine finanzielle Frage. Je nachdem, wo du lebst, können deine Lebenshaltungskosten beträchtlich sein. Kommst du auch mit weniger Gehalt klar? Möglicherweise musst du auf bestimmte Dinge verzichten. Überlege, ob das für dich in Ordnung ist. Eine gute Möglichkeit, um auch mit weniger Stunden über die Runden zu kommen, ist es, deinen Konsum zu überdenken. Brauchst du wirklich alles, was du kaufst? Geht es günstiger? Wo kannst du sparen? Auch eine kleinere Wohnung mit entsprechend niedrigerer Miete kann eine gute Option sein.

5. Was, wenn ich wieder mehr arbeiten möchte?

Manchmal kommt nach einiger Zeit der Wunsch auf, doch wieder mehr zu arbeiten – weil der Arbeitnehmer es selbst möchte oder weil er das zusätzliche Geld schlicht braucht. Dabei solltest du beachten, dass eine automatische Rückkehr zur Vollzeit nicht ohne weiteres möglich ist. Dein Arbeitgeber kann sich sogar dagegen sperren. Deshalb ist es sinnvoll, wenn ihr von vornherein eine Befristung der Teilzeit vereinbart. Nach Ablauf der Zeit arbeitest du dann regulär wieder voll.

6. Und was ist mit der Karriere?

Lange Zeit wurde das Wort Teilzeit synonym mit dem Ende der Karriere verwendet. Das muss jedoch nicht sein. Auch in Teilzeit kannst du Karriere machen – wenn das dein Wunsch ist. Immer mehr Unternehmen erkennen den Wert von Mitarbeitern in Teilzeit. Oftmals sind diese produktiver und motivierter als ihre in Vollzeit tätigen Kollegen. So kann Teilzeit sogar zu besseren Ergebnissen führen. Wenn dir deine Karriere wichtig ist, empfiehlt es sich, deine Arbeitszeit nur um wenige Stunden zu reduzieren – etwa von 40 auf 35 Wochenstunden.