Downshifting: Tipps für den beruflichen Rückschritt

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Downshifting

Manche Menschen gehen in ihrer Karriere auf. Andere fühlen sich hingegen wohler, wenn sie mehr Freizeit haben, damit ihr Privatleben nicht zu kurz kommt. Downshifting nennt man es, wenn Arbeitnehmer freiwillig kürzer treten und die Karriere Karriere sein lassen. Durch den geplanten und gewollten Verzicht auf einen fordernden Job mit viel Verantwortung gewinnen Downshifter mehr Lebensqualität und vor allem Zeit. Klingt gut? Dann solltest du unsere Tipps zum Thema Downshifting kennen.

Downshifting: Weniger Arbeit, mehr Leben

Eine ausgeglichene Work-Life-Balance statt steiler Karriere: So lässt sich das Phänomen Downshifting in aller Kürze zusammenfassen. Das gelingt, indem die Arbeitszeit ganz bewusst verringert wird. Dadurch bleibt mehr Zeit für private Dinge.

Das Phänomen des Downshifting stammt aus den USA und bedeutet wörtlich übersetzt „zurück- oder herunterschalten“ – und genau das passiert eben auch. Downshifter sind nicht mehr nur auf die Karriere aus, sondern widmen sich auch anderen Dingen, die sie ebenso glücklich (oder sogar glücklicher) machen können.

Dieser berufliche Rückschritt ist übrigens auch unter folgenden Bezeichnungen bekannt:

  • Karriereknick
  • Beruflicher Rückschritt
  • Dequalifizierung
  • Downgrading

Sabbatical: der komplette Ausstieg aus dem Job

Während es beim Downshifting darum geht, etwas weniger zu arbeiten, gibt es noch eine weitere Option: das Sabbatical. Dabei gönnt sich der Arbeitnehmer gleich eine komplette Auszeit vom Job und kehrt erst nach einige Monaten wieder an den Arbeitsplatz zurück.

Der Unterschied zum Downshifting besteht allerdings darin, dass es nach dem Sabbatical in der gewohnten Geschwindigkeit weitergeht. Während die Idee hinter dem Downshifting gerade ist, dass über einen längeren Zeitraum weniger gearbeitet wird.

Beide Modelle sind eine Entscheidung für die Zukunft, die gut durchdacht werden will. Denn gerade ältere Arbeitnehmer, die sich für das Downshifting entscheiden, werden unter Umständen keine Möglichkeit mehr haben, in ihren vorherigen Job zurückzukehren.

Downshifter: Zufriedenheit statt Überarbeitung

Dank Downshifting sollen sich Arbeitnehmer wieder ausgeglichener fühlen. Denn das Leben besteht so nicht mehr nur aus Karriere und Hamsterrad. Viele sehen ein Downshifting im Job als letzten Ausweg vor einem Burnout, zu dem alltägliche Überstunden, eine hohe Arbeitsbelastung und Überarbeitung häufig führen.

Während das Streben nach einem möglichst prestigeträchtigen Job in hoher Position lange Zeit als Nonplusultra galt, hat sich diese Ansicht besonders bei vielen jüngeren Menschen in den vergangenen Jahren verändert.

Viele suchen nicht mehr die Erfüllung im Job, die gleichzeitig mit viel Stress und Hektik verbunden ist. Sondern immer mehr Beschäftigte möchten ein Privatleben, das sie glücklich macht und ihnen Zufriedenheit gibt – und dazu benötigen sie ausreichend Zeit.

Allerdings bedeutet weniger Arbeit(szeit) häufig auch weniger Gehalt. Daher spricht man beim Downshifting häufig auch von „freiwilliger Einfachheit“ oder dem „gewählt einfachen Leben“.

Scheinbarer Rückschritt: Die Vorteile für Arbeitnehmer

Weniger Arbeit und mehr Freizeit hat ganz klare Vorteile für die Beschäftigten:

  1. Bessere Gesundheit: Wer sich nicht den überwiegenden Teil des Tages auf der Arbeit – womöglich sogar noch im Sitzen – aufhält, hat bessere Chancen, gesund zu bleiben. Von der körperlichen Verfassung einmal abgesehen, profitieren Downshifter auch von weniger Stress und weniger Überarbeitung und damit außerdem einer geringen Gefahr für Burnout oder Herz-Kreislauferkrankungen.
  2. Mehr Zufriedenheit: Mehr Zeit für sich, seine Familie und Hobbys zu haben, bedeutet häufig auch, zufriedener zu sein. Daneben kann ein beruflicher Rückschritt aber auch bedeuten, dass du endlich wieder die Arbeitsaufgaben hast, die dir richtig viel Spaß machen. In einer höheren Position mit Führungsverantwortung ist das nicht zwingend so.
  3. Einklang mit eigenen Werten: Nicht nur jüngere Arbeitnehmer entdecken immer häufiger, dass Geld und beruflicher Status nicht alles sind. Die eigene Freizeit, aber vor allem auch ein verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen wird immer wichtiger und mit Downshifting kann man seinen Beitrag dazu leisten.

Downshifting hat Vorteile für Arbeitgeber

Obgleich sich viele Menschen von zu viel Arbeit gestresst fühlen, ist der Trend zum Downshifting bei vielen Arbeitgebern noch nicht angekommen. Noch immer herrscht vielerorts ein Bild vom perfekten Arbeitnehmer vor, der steil Karriere machen möchte.

Dabei profitieren auch Arbeitgeber vom reduzierten Pensum und dem scheinbaren Rückschritt des Arbeitnehmers. Ein Vollzeitjob ist schließlich nicht zwangsläufig wirklich produktiver als eine Teilzeitstelle. Im Gegenteil: Oft schafft man konzentriert in kurzer Zeit verhältnismäßig mehr als bei einer längeren Schicht.

Denn nach langen Stunden am Schreibtisch geht zwangsläufig irgendwann die Konzentration verloren. Man braucht länger und ist weniger effizient. Das spiegelt sich darin wider, dass viele Arbeitnehmer die letzten ein oder zwei Stunden des Arbeitstags mehr oder weniger absitzen, bis sie nach Hause können. Produktives Arbeiten ist häufig nicht mehr drin.

Das bestätigen auch neuere Untersuchungen. Der 6-Stunden-Arbeitstag scheint eine gute Mischung aus Produktivität und Freizeit zu sein. In Schweden gibt es dieses Arbeitszeitmodell jedenfalls schon längere Zeit und sorgt bei Beschäftigten für eine bessere Work-Life-Balance, während sich Arbeitgeber über motiviertere Mitarbeiter freuen können.

Tipps für den Rückschritt im Job: So gelingt Downshifting

Ein Karriererückschritt scheint einfacher umzusetzen zu sein, als steil Karriere zu machen. Das ist aber nicht zwangsläufig so. Denn auch beim Downshifting müssen wichtige Entscheidungen getroffen und das gesamte Unterfangen gut geplant werden – und das gelingt dir so:

  1. Möglichkeiten klären

Dass du künftig weniger arbeiten möchtest, ist erst einmal nur ein Wunsch. Ob du ihn auch realisieren kannst, hängt vom Entgegenkommen deines Arbeitgebers ab. Suche deshalb das Gespräch mit deinem Chef und lege dir passende Argumente zurecht, um ihn von der Praktikabilität und den Vorzügen deines Vorhabens zu überzeugen.

Dabei musst du wissen, dass ein grundsätzlicher Anspruch auf Teilzeit durchaus besteht. Kann dein Arbeitgeber jedoch gute Gründe vorbringen, warum das nicht infrage kommt, hast du mitunter das Nachsehen.

2. Teilzeit rechtzeitig beantragen

Auch wenn dein Chef deinem Wunsch nach einem Teilzeit-Job offen gegenübersteht, geht das Downshifting nicht von heute auf morgen: 3 Monate im Voraus musst du den entsprechenden Antrag stellen. Danach liegt es an deinem Chef zu reagieren.

Bestenfalls genehmigt er deinen Antrag. Doch auch dann, wenn er nicht reagiert, stehen deine Chancen zur Reduzierung deiner wöchentlichen Arbeitszeit gut. Hat er nicht mindestens 4 Wochen vor dem gewünschten Beginn schriftlich widersprochen, gilt der Antrag als akzeptiert. Danach muss nur noch der Arbeitsvertrag entsprechend angepasst werden.

3. Realistische Verringerung planen

Bevor du das Gespräch mit deinem Chef suchst, solltest du dir überlegen, um wie viele Stunden du gerne reduzieren möchtest. Was wünscht du dir – und was ist realistisch? Ob dein Antrag genehmigt wird, hängt davon ab, wie praktikabel die Teilzeit aus Sicht deines Arbeitgebers ist.

Manche Stellen könnten theoretisch problemlos um die Hälfte der Stunden reduziert werden, in anderen Fällen ist es schwieriger. Sinnvoller ist es meist, erstmal mit fünf bis zehn Stunden weniger zu starten. Dann kannst du ausprobieren, ob dieses Modell für dich auch in der Praxis funktioniert. Bedenke dabei, dass du den nächsten Antrag auf Verringerung der Arbeitszeit frühestens nach zwei Jahren stellen kannst.

4. Ausgaben kalkulieren

Ob Teilzeit für dich in Frage kommt, ist auch eine finanzielle Frage. Je nachdem, wo du lebst, können deine Lebenshaltungskosten beträchtlich sein. Kommst du auch mit weniger Gehalt klar? Möglicherweise musst du auf bestimmte Dinge verzichten. Überlege gründlich, ob das für dich in Ordnung ist.

Eine gute Möglichkeit, um auch mit weniger Stunden über die Runden zu kommen, ist es, deinen Konsum zu überdenken. Brauchst du wirklich alles, was du kaufst? Geht es günstiger? Wo kannst du sparen? Auch eine kleinere Wohnung mit entsprechend niedrigerer Miete kann eine gute Option sein. Generell bietet sich Downshifting ja gerade dazu an, seine Werte und Konsum zu überdenken – die Chance solltest du nutzen.

5. Folgen überdenken

Manchmal kommt nach einiger Zeit der Wunsch auf, doch wieder mehr zu arbeiten – weil man es möchte oder das zusätzliche Geld schlicht braucht. Dabei solltest du beachten, dass eine automatische Rückkehr zur Vollzeit nicht ohne Weiteres möglich ist. Dein Arbeitgeber kann sich sogar dagegen sperren.

Deshalb ist es sinnvoll, wenn ihr von vornherein eine Befristung der Teilzeit vereinbart. Nach Ablauf der Zeit arbeitest du dann regulär wieder in Vollzeit – oder verhandelst mit deinem Arbeitgeber über eine Fortsetzung des Downshifting.

6. Entscheidung vertreten

Lange Zeit wurde das Wort Teilzeit synonym mit dem Ende der Karriere verwendet. Das muss jedoch nicht sein. Denn gerade Arbeitnehmer in Teilzeit arbeiten häufig produktiver und mit mehr Motivation als die Kollegen in Vollzeit.

Trotzdem kann es natürlich sein, dass du aufgrund deiner reduzierten Stundenanzahl oder des vermeintlichen Karriererückschritts kritisch beäugt wirst. Das solltest du im Hinterkopf behalten, wenn du dich mit der Option des Downshifting auseinandersetzt.

Auf der anderen Seite geht es aber um dein Leben und deinen Job – lass dir daher keine Selbstzweifel einreden, sondern stehe hinter der Entscheidung, die du für dich und deinen beruflichen Weg getroffen hast.