Tarifvertrag – was er regelt und beinhaltet

46
Der Betriebsrat diskutiert mit dem Geschäftsführer über einen Tarifvertrag

Tarifverträge regeln alle relevanten Punkte für die Zusammenarbeit von Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Sie legen Minimalstandards fest und sind verbindlich. Deutschlandweit existieren über 50.000 verschieden Tarifverträge. Sie bestimmen Arbeitsbedingungen und Löhne. Wie das genau aussieht, erfährst du in diesem Beitrag.

Welche Vorteile haben Tarifverträge?

Viele Arbeitnehmer in Deutschland profitieren von den Vorgaben der Tarifverträge. Dabei wird vor allem zwischen Flächentarifverträgen und kleineren Tarifverträgen unterschieden. Erstgenannte gelten für komplette Branchen, die kleineren schließen Betriebe direkt mit ihren Mitarbeitern, meist durch den Betriebsrat vertreten, ab. Folgende Punkte werden in einem Tarifvertrag verbindlich festgehalten:

  • geregelte Löhne und weitere Zahlungen wie Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld, Vergütungen für Ausbildungen
  • Urlaubsanspruch
  • Kündigungsfristen
  • Vergütung während der Ausbildung
  • wöchentliche Arbeitszeit

Neben Flächentarifverträgen sind vor allem Entgelt-Tarife, Rahmentarifverträge, Paralleltarifverträge, Firmentarifverträge, Notlagen- und Sanierungstarifverträge und Manteltarifverträge bekannt.

In welchen Branchen gibt es Tarifverträge?

Sicher hast du auch schon von dem TVöD gehört, dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst. Tarifverträge kennt man natürlich auch in anderen Branchen. So zum Beispiel das Bäckerhandwerk, Bauhauptgewerbe, die Druckindustrie, der Groß- und Außenhandel, die Landwirtschaft oder das Verkehrsgewerbe. Wie bereits erwähnt, zählt man in Deutschland mehr als 50.000 Tarifverträge. Allein in Nordrhein-Westfalen werden in rund 175 Wirtschaftszweigen Flächentarifverträge gezählt.

Wer gehört zum öffentlichen Dienst?

Angestellte im öffentlichen Dienst profitieren von vielen Vorteilen, die ihnen der Tarifvertrag garantiert. Zu den bekanntesten Berufszweigen, die dem TVöD unterstellt sind, zählen:

  • die Bundeswehr
  • Verwaltungen
  • die Feuerwehr
  • Lehrpersonal
  • die Polizei
  • der Zoll

Tarifvertrag, ja oder nein?

Auch wenn der Tarifvertrag vor allem Arbeitnehmer schützt, bietet er auch Arbeitgebern einige Vorteile: So müssen die wichtigsten Punkte eines Arbeitsvertrages nicht immer wieder neu verhandelt werden. Arbeitszeiten, Kündigungsfristen, Lohnzahlungen sowie Überstundenregelungen sind im Tarifvertrag verbindlich festgehalten. Dabei spielt es keine Rolle, ob sich der Arbeitgeber einem Interessenverband anschließt oder als einzelnes Unternehmen auftritt.

Möchte ein Arbeitnehmer an Tarifverhandlungen teilnehmen, muss er Mitglied der jeweiligen Gewerkschaft sein. Das ist eine Überlegung wert: Als Gewerkschafter kannst du aktiv mitwirken, die Arbeitsbedingungen fair zu gestalten.

Gut zu wissen: Hat eine Gewerkschaft mit einem Unternehmen einen Tarifvertrag abgeschlossen, gilt dieser nicht automatisch für jeden Arbeitnehmer. Der Angestellte muss Gewerkschaftsmitglied sein, damit der Tarifvertrag für ihn zum Tragen kommt. Es gibt aber Ausnahmeregelungen, nämlich dann, wenn die tariflichen Vereinbarungen im Arbeitsvertrag als verbindlich festgesetzt werden. Wie das im Detail aussieht, solltest du mit deinem Arbeitgeber besprechen.

Fragen und Antworten rund um den Tarifvertrag

Das Thema Tarifvertrag ist sehr umfangreich, weshalb wir in diesem Beitrag nur die wichtigsten Fragen beantworten können. Möchtest du dich ausführlicher informieren, sind die Personalabteilung des betreffenden Unternehmens oder die Gewerkschaft die richtigen Ansprechpartner.

Sind Tarifverträge verbindlich?

Ja. Wenn der Arbeitgeber gegen die im Tarifvertrag vereinbarten Punkte verstößt, kannst du dagegen rechtlich vorgehen.

Kann ich keine anderen Bedingungen aushandeln, wenn ein Unternehmen dem Tarifvertrag untersteht?

Wenn du einen Vertrag aushandeln kannst, der dir bessere Arbeitsbedingungen, mehr Lohn oder mehr Freizeit bringt, ist das natürlich erlaubt. Dann dient der Tarifvertrag lediglich als Verhandlungsbasis. Lass dir in diesem Fall unbedingt den Arbeitsvertrag schriftlich aushändigen.

Muss der Tarifvertrag transparent sein?

Ja, du hast jederzeit Einblick in den Tarifvertrag; der Arbeitgeber muss dir diesen aushändigen. Du hast also schriftlich vorliegen, wie deine Rahmenbedingungen aussehen, wie viel Urlaub dir zusteht und welcher Lohn gezahlt werden muss.

Ist ein Tarifvertrag zeitgemäß?

Der Tarifvertrag schützt zum Beispiel vor Benachteiligung und Diskriminierung. Er garantiert dir, dass du nicht aufgrund deines Geschlechts schlechter gestellt werden kannst. Der Personalverantwortliche kann niemanden aufgrund von Sympathie bevorzugen. Der Tarifvertrag stellt alle gleich, auch jene Mitarbeiter, die nicht so wortgewandt und selbstbewusst auftreten, dass sie für sich selbst die besten Arbeitsbedingungen aushandeln können.

Was sind Entgeltgruppen im öffentlichen Dienst?

Der Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes kennt sogenannte Entgeltgruppen. Diese regeln die Gehaltszahlung. Die Gruppierung scheint im ersten Moment befremdlich, lässt sich jedoch leicht erklären: Wie zuvor bereits erwähnt, ist das Spektrum der Berufe, die zum öffentlichen Dienst zählen, groß. Die Entgeltgruppen gibt es für Kommunen und für den Bund. Entsprechende Tabellen gliedern die Berufsgruppen und die Berufsjahre. Ein Stufenaufstieg ist jeweils nach einem, zwei, drei Jahren und so fort möglich.

Was passiert, wenn ein Tarifvertrag gekündigt wird?

Als Arbeitnehmer musst du dir keine Sorgen machen: Nach einer Kündigung behält der Tarifvertrag so lange seine Gültigkeit, bis ein neuer abgeschlossen wird.

Bildnachweis: OPOLJA / Shutterstock.com