Bundeswehr: Bewerbung, Berufe und Voraussetzungen

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Eine Soldatin bei der Bundeswehr von der Seite

Du träumst davon, bei der Bundeswehr zu arbeiten? Dann solltest du wissen, welche Berufe dort gefragt sind, welche Voraussetzungen an Bewerber gestellt werden und worauf es bei einer Bundeswehr-Bewerbung ankommt. In diesem Ratgeber erklären wir dir, welche Optionen du hast, wie das Auswahlverfahren von Bewerbern bei der Bundeswehr abläuft und wie die Entscheidungsträger von dir überzeugen kannst.

Bundeswehr: Bewerbung für vielfältige Berufe möglich

Wer an Jobs bei der Bundeswehr denkt, denkt meist unmittelbar an militärische Positionen. Das ist die Kernaufgabe der Bundeswehr – ihre Soldaten verteidigen das Land. Der militärische Zweig der Bundeswehr gliedert sich in verschiedene Bereiche. Du kannst bei der Luftwaffe, dem Heer, der Marine, dem Sanitätsdienst, im Bereich Ausrüstung, Cyber- und Informationsraum, Infrastruktur, Personal, Umweltschutz und Dienstleistungen sowie dem Sanitätsdienst arbeiten.

Neben dem militärischen Zweig bietet die Bundeswehr noch zahlreiche weitere Positionen im zivilen Bereich an. Insgesamt sind bei der Bundeswehr gegenwärtig etwa 265.000 Frauen und Männer in Uniform und Zivil beschäftigt. Wusstest du, dass du auch als Elektriker, Projektmanager oder Koch beim Bund tätig sein kannst? Bedarf gibt es bei der Bundeswehr unter anderem auch an Gärtnern, Psychologen, Ärzten, Rechtspflegern und Bürokräften, Seelsorgern und Kaufleuten für Büromanagement. Auch Sicherheitsmitarbeiter, Lagerhilfen, Tierpfleger und Flugbegleiter werden grundsätzlich bei der Bundeswehr gesucht.

Bundeswehr-Bewerbung im militärischen Bereich: Welche Optionen gibt es?

Vielen Bewerbern, die es zur Bundeswehr zieht, geht es um eine Tätigkeit im militärischen Bereich. Sie haben oft schon ihre Grundausbildung gemacht oder sind gerade mit der Schule fertig und überlegen, sich für den Wehrdienst freiwillig zu verpflichten. Der Bedarf an Rekruten ist nach Aussetzung der Wehrpflicht im Sommer 2011 groß. Diese politische Entscheidung hat dazu geführt, dass die Zahl der Soldaten zunächst stark zurückging. Inzwischen steigen die Zahlen wieder, allerdings gibt es an vielen Stellen noch immer eine große Nachfrage an fähigen Bewerbern.

Wer freiwillig Wehrdienst leistet, verpflichtet sich für einen Dienst, der zwischen sieben und 23 Monaten dauern kann. Wie lange du dienen möchtest, entscheidest du selbst. Falls du schon grundlegende Qualifikationen mitbringst, kannst du dich bei der Bundeswehr als Soldat auf Zeit bewerben. Dafür stehen dir die Laufbahngruppen Mannschaften, Unteroffiziere und Offiziere zur Auswahl. In den meisten Fällen musst du dich für mindestens zwei Jahre zum Dienst verpflichten, kannst aber auch einen längeren Zeitraum für deine Tätigkeit bei der Bundeswehr wählen. Während deiner Zeit bei der Bundeswehr musst du nicht immer denselben Job machen. Prinzipiell sind Wechsel zwischen verschiedenen Tätigkeiten bei der Bundeswehr möglich.

Die Bundeswehr bietet außerdem Jobs für Berufssoldaten an. Dafür musst du die Feldwebellaufbahn oder die Offizierslaufbahn eingeschlagen haben. Die Auswahlkriterien sind vergleichsweise streng, dafür winkt erfolgreichen Bewerbern ein unbefristeter Job.

Wenn du über eine Bundeswehr-Bewerbung nachdenkst, solltest du einkalkulieren, dass du zu Auslandseinsätzen verpflichtet werden kannst. Die Dauer des Auslandseinsatzes ist in einem gewissen Rahmen flexibel; mindestens solltest du mit einigen Monaten im Ausland rechnen. Wohin es geht und wie lange du weg bist, entscheiden deine Vorgesetzten bei der Bundeswehr für dich. Auch darüber hinaus solltest du flexibel sein, wenn du dich bei der Bundeswehr bewirbst. Dass du an einen anderen Standort in Deutschland versetzt wirst, kann dir immer passieren.

Was bietet der Arbeitgeber Bundeswehr?

Seit der Aussetzung der Wehrpflicht muss die Bundeswehr noch stärker als vorher ein attraktiver Arbeitgeber sein, um ihre Stellen zu besetzen. Deshalb werden dir dort einige Benefits geboten. Du profitierst je nach Bereich von flexiblen Arbeitszeiten und geregelten 41-Stunden-Wochen für Beamte und Soldaten. Beruf und Familie zu vereinen wird leichter, weil du auch in Teilzeit, in Heimarbeit oder im Rahmen eines Job-Sharings für die Bundeswehr arbeiten kannst. Ausbildungen bei der Bundeswehr sind ebenfalls in Teilzeit möglich. Außerdem hast du die Möglichkeit, Langzeit-Arbeitskonten zu führen. Dort kannst du Überstunden als Zeitguthaben ansammeln und sie durch Freizeit ausgleichen, wenn gerade nicht so viel zu tun ist.

Zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf trägt auch die Hilfe bei der Kinderbetreuung bei, die dir die Bundeswehr bietet. Dabei geht es nicht nur um eigene Kitas und Kindergartenplätze, sondern auch um Tagespflege, Eltern-Kind-Zimmer und Sonderurlaube. Finanziell profitierst du bei einer Tätigkeit bei der Bundeswehr davon, dass du von der Arbeitslosenversicherungspflicht befreit bist. Auch eine Krankenversicherungspflicht besteht nicht; Soldaten werden kostenlos durch Truppenärzte medizinisch betreut. Beamte haben Anspruch auf Beihilfe. Weder für Beamte noch für Soldaten besteht eine Rentenversicherungspflicht. Vielmehr werden eigene Versorgungsansprüche aufgebaut – so, wie es im Soldatenversorgungsgesetz beziehungsweise dem Beamtenversorgungsgesetz vorgesehen ist.

Wenn du dich als Soldat auf Zeit verpflichtest, winken dir dafür Prämien. Falls du Aufgaben ausübst, die sehr anspruchsvoll sind oder die mit einer großen Verantwortung einhergehen, werden dir dafür Zulagen gezahlt.

Jobs bei der Bundeswehr finden: Tipps zum Vorgehen

Wenn du bei der Bundeswehr arbeiten möchtest, kannst du die jeweilige Laufbahn von Anfang an durchlaufen oder dich direkt für eine Stelle bewerben. Oft sind die Chancen auch für Quereinsteiger gut, sofern sie gefragte Qualifikationen mitbringen. Dafür solltest du im besten Fall Berufserfahrung und einen Hochschulabschluss oder eine abgeschlossene Berufsausbildung vorweisen können. Mit einer solchen Qualifikation kann zudem deine Ausbildung bei der Bundeswehr verkürzt werden.

Du kannst auch bei der Bundeswehr selbst studieren. In dualen Studiengängen lernst du an den Universitäten der Bundeswehr in Hamburg oder München die Theorie und wendest sie während deiner Ausbildung praktisch an. Es gibt mehr als 50 verschiedene Studienfächer, aus denen du wählen kannst.

Welche Qualifikationen bei einer Bundeswehr-Bewerbung vorausgesetzt werden, hängt davon ab, um welche Stelle oder Tätigkeit es sich handelt. Auf der Webseite der Bundeswehr gibt es einen Überblick über alle offenen Stellen beim Bund. Dort findest du detaillierte Informationen zu den Voraussetzungen im Einzelfall. Falls gerade nichts Passendes dabei ist, kannst du über eine Initiativbewerbung nachdenken. Sie ist bei der Bundeswehr gern gesehen und kann aussichtsreich sein, wenn du deutlich machst, wo du dich bei der Bundeswehr siehst und was dich für den angestrebten Bereich qualifiziert.

Die Bundeswehr hat eine telefonische Beratungsstelle, an die du dich bei Fragen zu Bundeswehr-Bewerbungen wenden kannst. Du kannst deine Fragen auch per Mail schicken und dich zurückrufen lassen. Neben der zentralen Hotline unterhält die Bundeswehr zahlreiche Beratungsstellen in ganz Deutschland. Dort kannst du auch persönliche Gespräche vereinbaren. Einen Überblick findest du auf der Bundeswehr-Webseite.

Welche Voraussetzungen gibt es für Bundeswehr-Bewerbungen?

Wer sich bei der Bundeswehr bewirbt, muss verschiedene Voraussetzungen erfüllen. Bei ausgeschriebenen Stellen findest du die erforderlichen Qualifikationen direkt in der Stellenausschreibung. Dort werden dann etwa ein Hochschulabschluss oder eine erfolgreiche Berufsausbildung verlangt. Auch Berufserfahrung und Kenntnisse in bestimmten Bereichen können ein Kriterium sein, das Bewerber erfüllen müssen.

Für die meisten Laufbahnen bei der Bundeswehr benötigst du mindestens einen Schulabschluss. Auch ohne Abschluss kommt eine Tätigkeit als Fallschirmjäger oder Fluggerätemechaniker infrage. Ansonsten brauchst du mindestens einen Realschulabschluss – etwa, wenn du eine Laufbahn als Feldwebel anstrebst. Möchtest du Offizier werden, wird Abitur vorausgesetzt.

Gleichzeitig gibt es Altersbeschränkungen, die du bei einer Bundeswehr-Bewerbung beachten musst. Laufbahn-Anwärter müssen mindestens 17 Jahre alt sein. Unter 18-Jährige brauchen für den Beginn einer Laufbahn bei der Bundeswehr die Zustimmung der Eltern oder Sorgeberechtigten. Wenn du eine Laufbahn als Offizier oder Unteroffizier einschlagen möchtest, darfst du höchstens 29 Jahre alt sein.

Anwärter für militärische Laufbahnen müssen mindestens 1,55 Meter groß sein. Von Bewerbern wird verlangt, dass sie die deutsche Staatsbürgerschaft haben. Außerdem müssen sie sich zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung bekennen, um bei der Bundeswehr tätig sein zu dürfen. Bei militärischen Tätigkeiten wird eine entsprechende körperliche Fitness vorausgesetzt. Auch dein Charakter muss zum Bund passen.

Bundeswehr-Bewerbung: Wie läuft sie ab?

Wenn du dich für einen Job oder eine Laufbahn bei der Bundeswehr bewerben möchtest, kann es sinnvoll sein, zunächst einen Termin mit der Karriereberatung zu vereinbaren. Das gilt vor allem dann, wenn es dir nicht um eine konkrete Stellenausschreibung geht, sondern du zum Bund willst, ohne genau zu wissen, welcher Bereich am besten zu dir passt. Bei der Karriereberatung bekommst du Antworten auf deine Fragen, erhältst wichtige Informationen und nützliche Tipps für deine Bundeswehr-Bewerbung.

Für Bewerbungen bei der Bundeswehr musst du vollständige Bewerbungsunterlagen einreichen. Damit sind mindestens ein Anschreiben, ein tabellarischer Lebenslauf, beglaubigte Zeugniskopien, eine Kopie der Geburtsurkunde, Nachweise über finanzielle Verpflichtungen wie Unterhaltszahlungen oder Kredite sowie gegebenenfalls weitere Nachweise gemeint. Du musst auch eine Einverständniserklärung zur Speicherung und Verarbeitung deiner Daten unterschreiben.

In der Regel gibt es Fragebögen, die du für eine Bundeswehr-Bewerbung beantworten musst. Wenn du eine Bundeswehr-Laufbahn anstrebst, gibst du im Bewerbungsbogen an, welche Bereiche dich am meisten interessieren. In welchem Bereich du akzeptiert wirst, hängt allerdings von deinem Einstellungstest ab.

Diese Fristen solltest du bei deiner Bewerbung bei der Bundeswehr beachten

Für eine Tätigkeit bei der Bundeswehr solltest du dich am besten mehrere Monate im Voraus bewerben. Der Auswahlprozess nimmt oft einige Zeit in Anspruch – zwischen dem Verschicken deiner Unterlagen und dem Termin des Auswahlverfahrens können einige Wochen, aber auch Monate liegen.

Für verschiedene Laufbahnen gibt es zudem spezielle Fristen, die du beachten musst. Wenn du Offizier werden möchtest, endet die Bewerbungsfrist am 1. März eines Jahres. Der Einstellungstermin ist üblicherweise der 1. Juli. Bei den Laufbahnen Mannschaft, Unteroffizier und Feldwebel gibt es keine festen Fristen, weshalb du dich jederzeit dafür bewerben kannst. Der Dienstantritt ist jeweils zum Quartalsanfang, also zum 1. Januar, 1. April, 1. Juli oder 1. Oktober.

Wenn du deine Bewerbungsunterlagen übermittelt hast, wirst du zum Eignungsverfahren eingeladen. Auf der Einladung steht, ob du zu dem Termin bestimmte Unterlagen mitbringen musst. Wie umfangreich das Auswahlverfahren ist, ist von Bereich zu Bereich unterschiedlich. Künftige Offiziere werden etwa über ein Assessment Center (AC) in Köln ausgewählt. Auch bei anderen militärischen Laufbahnen kann ein AC auf dich zukommen. Das gilt auch, wenn du dich für eine Führungsposition bewerben möchtest. Im Assessment Center warten Persönlichkeits- und andere Tests, verschiedene Aufgaben und Gespräche auf dich.

Du kannst dich bei Bundeswehr-Bewerbungen auf Einstellungstests und Einstellungsdiagnostik einstellen. Fitness-Tests, ärztliche Untersuchungen, psychologische Evaluationen und verschiedenste Tests können auf dich zukommen. Bei den Tests kann es zum Beispiel um Allgemeinwissen, Mathe, logisches Denken oder Rechtschreibung gehen. Wenn du dich für eine Ausbildung bei der Bundeswehr bewirbst, können auch ein kurzes Praktikum oder eine Arbeitsprobe Teil des Auswahlverfahrens sein.

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