Soll ich kündigen? Wie du entscheidest, ob du kündigen solltest oder nicht

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Soll ich kündigen?

Fast jeder Zweite ist unzufrieden im Job. Ob eine Kündigung für dich die beste Lösung ist, kannst du mit diesen Fragestellungen ergründen.

Ein Job, der Spaß macht, für den man gerne zur Arbeit geht und der einen erfüllt – für viele ist diese Vorstellung nichts weiter als ein Wunschtraum. Viele Arbeitnehmer sind unzufrieden im Job. Wenn du auch dazugehörst, solltest du gründlich abwägen, ob eine Kündigung für dich die beste Lösung ist oder nicht.

Jeder Zweite ist unzufrieden

Fast jeder zweite Deutsche will den Job wechseln. Das geht aus einer Studie des Personaldienstleisters ManpowerGroup für das Jahr 2017 hervor. Ein Grund für den Frust ist eine schlechte Bezahlung, ein anderer dreht sich um die Anerkennung durch Vorgesetzte. Auch ein schlechtes Arbeitsklima setzt demnach vielen Arbeitnehmern im Berufsalltag zu.

Viele Frauen und Männer scheuen sich jedoch davor, zu kündigen. Bei vielen ist die Angst vor wirtschaftlicher Unsicherheit oder möglichen finanziellen Einbußen zu groß. Manche fragen sich auch, ob sie wirklich einen besseren Job bekommen können. Auch drohende Lücken im Lebenslauf können abschreckend wirken.

Auf der anderen Seite kann die Kündigung eines Jobs, in dem du unzufrieden bist, eine Chance sein, die Lage zum Besseren zu verändern. Möglicherweise findest du eine Stelle, in der du glücklicher bist oder die dich mehr fordert. Oder du erkennst, dass du etwas ganz anderes machen möchtest – und gehst die dafür nötigen Schritte.

Wenn du daran zweifelst, ob dein aktueller Job der richtige für dich ist, können dir die folgenden Fragestellungen dabei helfen, eine Entscheidung zu treffen, die sich richtig anfühlt.

Wo liegt das grundsätzliche Problem?

Bevor du eine Entscheidung triffst, was deine berufliche Zukunft angeht, solltest du dir zunächst einmal überlegen, was grundlegend falsch läuft. Was ist der Grund dafür, dass du mit dem Gedanken liebäugelst, deinen Job zu kündigen?

Oft kommen viele Faktoren zusammen – möglicherweise eine Kombination aus niedrigem Gehalt, mangelhaften Arbeitsbedingungen und einem Chef, der deine Leistung nicht würdigt. Für andere sind es persönliche Probleme, etwa mit speziellen Kollegen, oder gar Mobbing am Arbeitsplatz. Vielleicht fehlt dir auch schlicht die Perspektive oder dein Arbeitsalltag ist dir zu monoton.

Gerade, wenn auf den ersten Blick kein klarer Grund für deine Unzufriedenheit auszumachen ist, solltest du in Ruhe darüber nachdenken. Wenn mehrere Probleme zusammenkommen, versuche, das schwerwiegendste davon auszumachen. Hiervon hängt maßgeblich ab, ob du noch eine Zukunft bei deinem jetzigen Arbeitgeber hast oder nicht.

Kann ein Gespräch helfen?

Je nachdem, was dich an der Arbeit am meisten stört, kann unter Umständen ein klärendes Gespräch helfen – etwa mit dem Chef oder mit Kollegen, mit denen du im Clinch liegst.

Das gilt einerseits, wenn es zwischenmenschliche Probleme gibt. Ein offenes Gespräch mit deinem Vorgesetzten kann aber in jedem Fall eine Chance darstellen, wenn du über eine Kündigung nachdenkst. Möglicherweise kann dieser dafür sorgen, dass sich die Bedingungen für dich verbessern.

Deinem Vorgesetzten ist es vielleicht gar nicht bewusst, dass du unzufrieden bist. Selbst, wenn du es für unwahrscheinlich hältst, dass ein Gespräch noch etwas bringt – einen Versuch ist es wert, bevor du eine Entscheidung triffst.

Können die Ursachen deiner Unzufriedenheit beseitigt werden?

Ob eine Kündigung der einzige Weg ist, wieder zufriedener im Beruf zu sein, hängt in erster Linie von den zugrundeliegenden Problemen ab. Manche Zustände lassen sich (theoretisch) verbessern, andere nicht.

Wenn du beispielsweise das Gefühl hast, dass es keine zufriedenstellenden Aufstiegsmöglichkeiten für dich gibt, solltest du das Gespräch mit einem Vorgesetzten suchen, bevor du kündigst. Möglicherweise stellt sich heraus, dass du die Situation falsch eingeschätzt hast. Und falls du dich unterbezahlt fühlst, kann ein offenes Gespräch ebenfalls helfen. Dasselbe gilt, wenn du dich chronisch überarbeitet fühlst. In anderen Fällen erledigen sich die Probleme nach einer gewissen Zeit von selbst, etwa bei einer temporär höheren Arbeitsbelastung.

In manchen Fällen liegt der Grund für die Unzufriedenheit im Job jedoch woanders. Das ist etwa der Fall, wenn du dich eigentlich in einer anderen Tätigkeit besser wiederfinden würdest. Dann ist eine Kündigung womöglich der sinnvollere Schritt. Auch gravierende zwischenmenschliche Probleme können in manchen Fällen nicht durch ein Gespräch aus dem Weg geräumt werden. Vielleicht gefällt dir auch der Richtungswechsel nicht, der mit dem neuen Chef einhergeht. Daran kannst du wahrscheinlich nichts ändern – und musst entweder mit dem neuen Kurs leben oder deine Konsequenzen daraus ziehen.

Ist es wahrscheinlich, dass du nach einem Jobwechsel zufriedener bist?

Diese Frage hängt eng mit dem Grund für deine Unzufriedenheit zusammen. Entsteht deine Überlegung, zu kündigen, aus einer Situation, die in einer anderen Firma womöglich anders wäre? Hältst du dies für wahrscheinlich – oder wäre es ein Glücksfall, bessere Bedingungen vorzufinden?

Falls du festgestellt hast, dass dich dein Beruf als solcher nicht mehr reizt, ist eine Kündigung zwar sinnvoll – ein reiner Jobwechsel hin zu einem anderen Unternehmen im selben Bereich jedoch nicht. Es mag zwar furchteinflößend sein, aber zufriedener im Berufsalltag wirst du in diesem Fall nur, wenn du den Sprung ins kalte Wasser wagst und einen neuen Weg einschlägst.

Hast du private oder persönliche Probleme?

Wenn zuhause der Haussegen schief hängt oder du unter psychischen Problemen leidest, spielt das sehr wahrscheinlich auch in deine Zufriedenheit am Arbeitsplatz hinein. Private Probleme jeder Art können sich darauf erheblich auswirken.

Bevor du deshalb eine Entscheidung triffst, solltest du überlegen, ob das Problem tatsächlich ein berufliches ist – oder ob du so unzufrieden bist, weil in deinem Privatleben nicht alles so läuft, wie du es dir wünscht. Es ist denkbar, dass du auch davon abgesehen gute Gründe für deine Unzufriedenheit an der Arbeit hast – genauso kann es jedoch sein, dass du Dinge überbewertest, weil du aus anderen Gründen nicht gut drauf bist.

Falls du dir unsicher bist, wie sehr Persönliches in deine Erwägungen hineinspielt, warte besser noch ab mit der Kündigung. Das Risiko ist groß, dass du deine Entscheidung später bereust, wenn es dir privat wieder besser geht. Versuche stattdessen zunächst, deine privaten Probleme zu lösen. Danach kannst du die Situation auf der Arbeit erneut bewerten – und falls nötig, immer noch kündigen.

Was sind deine Ziele?

In der Hektik des Berufsalltags ist es leicht, das Ziel aus den Augen zu verlieren. Was möchtest du beruflich erreichen? Ist dir eine Karriere wichtig, möchtest du einen bestimmten Posten erreichen? Oder ist Arbeit für dich eher Mittel zum Zweck?

Diese Fragen spielen eine wichtige Rolle bei der Entscheidung, ob du kündigen solltest oder nicht – wenn dein Beruf dir sehr wichtig ist, ist Unzufriedenheit im Job möglicherweise ein gravierenderes Problem als wenn dieser für dich zweitrangig ist.

Wie steht es um deine finanziellen Reserven?

Bei der Frage, ob eine Kündigung für dich die beste Lösung ist oder nicht, sollten einerseits inhaltliche Aspekte die wichtigste Rolle spielen. Wenn du keine Aussicht darauf hast, dass sich die Lage in deiner Firma verbessert, solltest du früher oder später den Absprung wagen – vorausgesetzt, die Probleme sind gravierend genug.

Nichtsdestotrotz solltest du deine finanzielle Situation im Blick behalten. Wenn du selbst deinen Job kündigst, droht eine Sperrzeit von bis zu zwölf Wochen, bis die Arbeitsagentur dir Arbeitslosengeld I gewährt. In manchen Fällen lässt sich das vermeiden, wenn du gute Gründe für die Kündigung vorbringen kannst. Könntest du eine solche Zeit finanziell überbrücken – etwa durch ausreichende Reserven oder einen erwerbstätigen Partner?

Falls dies ein Problem ist, ist es vielleicht besser, dir einen neuen Job zu suchen, bevor du kündigst.

Was fühlt sich richtig an?

Du kannst in der Erwägung über deinen Job eine Pro- und Contra-Liste anlegen und so versuchen, eine rationale Entscheidung zu treffen. Das ist ohne Zweifel eine gute Idee, denn so bekommst du einen Überblick über die Vor- und Nachteile. Am Ende aber ist eine Entscheidung nur dann die richtige für dich, wenn sie sich auch so anfühlt. Dein Bauchgefühl solltest du nicht außer Acht lassen – schließlich geht es um deine berufliche Zukunft.