AllgemeinVorgetäuschte Depression erkennen: Anzeichen & Vorgehensweisen

Vorgetäuschte Depression erkennen: Anzeichen & Vorgehensweisen

Depressionen sind eine ernstzunehmende Erkrankung, die den Alltag der Betroffenen auf den Kopf stellen kann. Was aber, wenn die Depression nur vorgetäuscht ist – etwa, weil jemand aus anderen Gründen nicht zur Arbeit gehen möchte? Wie kann man eine vorgetäuschte Depression nachweisen? Hier erfährst du, welche Möglichkeiten es gibt, welche Auswirkungen vorgetäuschte Krankheiten haben können und warum du mit Fingerspitzengefühl vorgehen solltest.

Was ist eine Depression?

Eine Depression ist eine oft schwerwiegende psychische Krankheit, die sich darauf auswirkt, wie Betroffene denken, fühlen und sich verhalten. Charakteristisch sind eine getrübte Stimmung, Freudlosigkeit und Antriebslosigkeit sowie negative Gedanken. Der Leidensdruck ist oft hoch, wobei die Schwere einer Depression variieren kann. Das gilt ebenso für die Dauer der Erkrankung. Manchmal handelt es sich um kürzere depressive Episoden, in anderen Fällen besteht die Depression – mitunter in schwankender Intensität – über Jahre.

Symptome von Depressionen

Welche Symptome eine Depression hervorruft, kann von Person zu Person unterschiedlich sein. Manche können ihren Alltag noch einigermaßen gut bewältigen; sie gehen weiterhin zur Arbeit und sind dazu in der Lage, sich um Verpflichtungen zu kümmern. In anderen Fällen schaffen es Betroffene kaum, morgens aus dem Bett aufzustehen. An Arbeit ist dann nicht zu denken.

Ein typisches Merkmal von Depressionen ist eine tiefe Freudlosigkeit. Viele Betroffene empfinden ihren Alltag als grau; sie haben keine Freude mehr an Dingen, die ihnen vorher Spaß gemacht haben. Es gibt oft nichts, worauf sie sich freuen – alles scheint ihnen trist und hoffnungslos. Antrieb und Motivation sind bei einer Depression oft stark verringert, was es schwer machen kann, einen „normalen“ Alltag aufrechtzuerhalten. Dabei plagen sich viele Betroffene mit negativen Gedanken und negativer Stimmung.

Schlafprobleme sind für viele Menschen mit Depressionen an der Tagesordnung. Es fällt den Betroffenen oft schwer, genug Schlaf zu finden, was ihren Leidensdruck zusätzlich erhöht. Andere schlafen übermäßig lange, fühlen sich anschließend aber trotzdem nicht ausgeruht. Oft kommt es zu zwischenmenschlichen Konflikten, etwa mit Freunden, Angehörigen oder Kollegen am Arbeitsplatz. Das kann mit einer leichteren Reizbarkeit der Betroffenen zusammenhängen, aber auch mit ihrer veränderten Stimmungslage und Persönlichkeit.

Eine Depression kann von körperlichen Beschwerden begleitet werden. Vergleichsweise häufig leiden Betroffene an Rückenschmerzen, Kopfschmerzen oder Tinnitus. Es kann auch zu einem Appetitverlust kommen oder aber die Betroffenen essen besonders viel. Auch das Selbstwertgefühl wird bei Depressionen oft in Mitleidenschaft gezogen: Viele Betroffene denken schlecht über sich und fühlen sich wertlos. Eine Depression kann auch von Ängsten begleitet sein.

Wie sich eine Depression auf die Betroffenen und ihre Arbeit auswirken kann

Eine Depression kann großen Einfluss darauf haben, ob und wie die Betroffenen noch dazu in der Lage sind, ihrer Arbeit wie gehabt nachzugehen. In vielen Fällen ist eine Depression von zumindest vorübergehender Arbeitsunfähigkeit begleitet. Die Betroffenen melden sich oft immer wieder für einige Wochen krank. Ebenso kann es sein, dass sie über längere Zeit dauerhaft krankgeschrieben sind, weil eine Arbeitsfähigkeit momentan nicht gegeben ist.

Wenn Menschen mit Depressionen weiter zur Arbeit gehen, sind sie oft nicht so belastbar wie zuvor. Das kann nicht nur für die Betroffenen selbst ein Problem sein, deren Ruf womöglich unter ihren Leistungseinbußen leidet. Auch die Kollegen können negative Auswirkungen davon spüren. Es kann zum Beispiel sein, dass sie den Erkrankten Arbeit abnehmen müssen oder dass sie bei der Zusammenarbeit im Team nicht auf deren volle Unterstützung zählen können. Dadurch können die Kollegen mehr Stress haben, was auch ihre Gesundheit gefährden kann.

Auch die Beziehungen zu anderen Menschen am Arbeitsplatz können durch eine Depression in Mitleidenschaft gezogen werden. Es kann zum Beispiel sein, dass die Kollegen ungehalten sind, weil jemand immer wieder fehlt und sie deshalb mehr Arbeit haben. Das gilt umso mehr, wenn der Verdacht im Raum steht, dass die Krankheit nur vorgetäuscht sein könnte.

Depression nur vorgetäuscht? Woran man eine vorgetäuschte Depression erkennen kann

Es kommt vor, dass Menschen ihre Depression oder eine andere Krankheit nur vortäuschen, um nicht zur Arbeit gehen zu müssen. Egal, ob es sich um eine mutmaßlich vorgetäuschte Depression, vorgetäuschte PTBS oder andere vorgetäuschte Krankheiten handelt: Für Arbeitgeber ist es oft sehr schwer, zu überprüfen, ob jemand wirklich krank ist. Eine Depression lässt sich nicht anhand von simplen Tests überprüfen, und im persönlichen Umgang miteinander muss nicht offensichtlich sein, dass etwas nicht stimmt. Viele Menschen sind gut darin, ihre Erkrankung vor anderen Menschen zu verbergen.

Klar ist: Für Arbeitgeber ist jede vorgetäuschte Krankheit ein Ärgernis. Das gilt vor allem in Fällen, in denen die Mitarbeiter immer wieder fehlen, wie es bei vorgetäuschten Depressionen oft der Fall ist. Dadurch entstehen Kosten und die übrigen Mitarbeiter werden stärker belastet, was das Betriebsklima auf Dauer verschlechtern kann. Gibt es Hinweise auf eine vorgetäuschte Depression?

Mögliche Anzeichen für eine vorgetäuschte Depression

Anzeichen dafür, dass eine Depression nur vorgetäuscht ist, können zum Beispiel sein:

  • auffällige Fehlzeiten, etwa zu beliebten Urlaubszeiten, im Anschluss an einen Urlaub oder im Vorfeld eines Urlaubs, vor oder nach dem Wochenende
  • wenn es keine ärztlichen Bescheinigungen gibt – zum Beispiel, wenn jemand immer maximal zwei Tage fehlt, weil das Attest erst am dritten Tag verlangt wird
  • wenn jemand nach einer angeblichen Arbeitsunfähigkeit auffällig schnell wieder fit ist
  • wenn ein Mitarbeiter bei etwas beobachtet wird, was nicht zu seiner vermeintlichen Krankheit passt
  • wenn ein Mitarbeiter auf andere überhaupt keinen depressiven Eindruck macht, vielleicht sogar besonders gut drauf zu sein scheint
  • wenn es Probleme am Arbeitsplatz gibt, die dazu führen könnten, dass jemand nach Gründen sucht, nicht arbeiten zu müssen
  • Hinweise von Kollegen oder aus dem weiteren Umfeld der betreffenden Person, dass die Depression vorgetäuscht ist

Vorgetäuschte Depression vermutet: Was darf der Arbeitgeber?

Was darf der Arbeitgeber, um die angebliche Diagnose eines Mitarbeiters zu überprüfen? Zunächst einmal empfiehlt es sich für Arbeitgeber, keine falschen Schlüsse zu ziehen, sondern das Ganze eine Zeit lang zu beobachten. Das Schwierige an psychischen Erkrankungen wie Depressionen ist, dass man sie von außen oft nicht erkennen kann. Es gibt hochfunktionale Depressionen, bei denen die Betroffenen noch vergleichsweise belastbar und leistungsfähig sind. Kollegen und Vorgesetzte merken dann oft nicht, dass etwas nicht stimmt. Das muss aber nicht heißen, dass jemand nicht tatsächlich an Depressionen leidet.

Wenn Arbeitgeber das Gefühl haben, dass eine Depression vorgetäuscht sein könnte, empfiehlt sich ein offenes Gespräch mit dem Mitarbeiter – aber bitte ohne Anschuldigungen. Der Beschäftigte sollte die Gelegenheit haben, seine Sichtweise zu schildern und mögliche Missverständnisse auszuräumen. Der Arbeitgeber kann darüber hinaus eine Prüfung der Arbeitsunfähigkeit durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen veranlassen.

Dürfen Arbeitgeber einen Privatdetektiv beauftragen, um einen Mitarbeiter zu beschatten? Ob das zulässig ist, hängt von den Gegebenheiten im Einzelfall ab. In begründeten Fällen kann es in gewissen Grenzen erlaubt sein, soweit die Überwachung nicht zu stark in die Privatsphäre der Beschäftigten eingreift. Arbeitgeber, die über solche Schritte nachdenken, sollten sich anwaltlich beraten lassen.

Vorgetäuschte Depression? Tipps zum Umgang mit Betroffenen am Arbeitsplatz

Im Umgang mit Menschen am Arbeitsplatz, die möglicherweise eine Depression vortäuschen, ist Fingerspitzengefühl geboten. Die Gefahr besteht, dass ein Vorgesetzter einen Mitarbeiter falsch verdächtigt – und dessen Leidensdruck ungewollt noch erhöht oder die Beziehung zu dem Beschäftigten belastet. Deshalb ist es wichtig, dass niemand vorverurteilt wird, vor allem, wenn die Indizien für eine vorgetäuschte Krankheit gering sind. Im Zweifel ist es besser, den Mitarbeiter oder Kollegen rücksichtsvoll und mit Empathie zu behandeln. Gesprächsangebote ohne Druck sind ein Zeichen der Wertschätzung und können den Betroffenen das Gefühl geben, nicht alleine zu sein.

Ob die eigenen Zweifel an der Depression offen angesprochen werden können oder sollten, hängt vom Verhältnis zu der betroffenen Person ab. Wenn das Vertrauensverhältnis grundsätzlich gut ist, kann ein offenes Gespräch eine Option sein. Hierbei ist Feingefühl gefragt; keinesfalls sollte der tatsächlich oder vermeintlich an Depressionen erkrankten Person vorgeworfen werden, dass sie alles nur vortäuscht. Besser ist es, sich zu erkundigen, wie es der anderen Person geht, ob sie in Behandlung ist und wie man sie unterstützen kann.

Solange nicht nachgewiesen ist, dass eine Depression nur vorgetäuscht ist, sollten Arbeitgeber Beschäftigten ihre Hilfe anbieten. Das kann auch das Angebot umfassen, bei der Suche nach professioneller Unterstützung behilflich zu sein. Halten die Fehlzeiten wegen Depressionen an, empfiehlt es sich, nach einer gewissen Zeit ein klärendes Gespräch zu führen, um über Zukunftsperspektiven zu sprechen und gemeinsam eine Lösung zu finden. 

Diese Konsequenzen drohen, wenn eine Depression vorgetäuscht wird

Wenn Arbeitnehmer eine Depression oder andere Krankheiten vortäuschen, kann das gravierende Konsequenzen haben, wenn der Betrug auffliegt. Eine vorgetäuschte Arbeitsunfähigkeit belastet naturgemäß das Verhältnis zum Arbeitgeber, selbst wenn es nicht zu einer Kündigung kommt. Bekommen auch die Kollegen von der Sache Wind, reagieren diese womöglich mit Unverständnis oder sind verärgert. Das kann es unangenehm machen, weiter zur Arbeit zu gehen.

Dem Arbeitgeber stehen verschiedene arbeitsrechtliche Mittel zur Verfügung, um auf eine vorgetäuschte Krankheit zu reagieren. Er kann Mitarbeiter zum Beispiel für ihr Verhalten abmahnen – im Wiederholungsfall droht dann die Kündigung. Ebenso denkbar kann abhängig von den Umständen im Einzelfall eine Kündigung sein, in manchen Fällen auch außerordentlich und fristlos.

Bei vorgetäuschten Erkrankungen können Arbeitgeber außerdem Schadensersatzansprüche an den Mitarbeiter stellen. Dafür müssen sie allerdings nachweisen können, dass der Beschäftigte gar nicht wirklich arbeitsunfähig war. Soweit das gelingt, können etwa Kosten für einen Detektiv oder eine Kompensation für entgangene Gewinne verlangt werden. In schweren Fällen drohen Beschäftigten, die Depressionen vortäuschen, darüber hinaus strafrechtliche Folgen. Der Arbeitgeber kann sie dafür anzeigen – welche Folgen eine Verurteilung vor Gericht haben kann, hängt von der Schwere der Tat ab.

Wie Arbeitgeber die mentale Gesundheit ihrer Mitarbeiter fördern können

Wenn es um Depressionen bei Arbeitnehmern geht – tatsächliche wie vorgetäuschte – ist Prävention wichtig. Arbeitgeber können einiges tun, damit psychische Erkrankungen ebenso wie vorgetäuschte Arbeitsunfähigkeit unwahrscheinlicher werden.

Arbeitgeber haben ein Interesse daran, dass ihre Beschäftigten psychisch und körperlich gesund sind. Es lässt sich zwar nicht verhindern, dass Mitarbeiter im privaten Bereich Probleme haben, die eine Erkrankung wie Depressionen wahrscheinlicher machen. Arbeitgeber können aber dafür sorgen, dass die Situation am Arbeitsplatz so angenehm wie möglich ist. Das kann zum Beispiel bedeuten, für Arbeitsbedingungen zu sorgen, die eine gute Work-Life-Balance ermöglichen. Die Mitarbeiter sollten sich nicht überlastet fühlen oder unter Druck stehen, sie sollten auch nicht im Dauerstress sein. Problematisch wäre auch ein schlechtes Arbeitsklima, ebenso wie ein als negativ empfundenes Verhalten der Vorgesetzten.

Führungskräfte sollten ehrlich am Wohlergehen ihrer Mitarbeiter interessiert sein. Wo möglich, sollten sie ihnen entgegenkommen, etwa beim Wunsch nach mehr Tagen im Homeoffice oder den Arbeitszeiten. Genauso wichtig ist es, dass Vorgesetzte immer ein offenes Ohr für die Belange der Beschäftigten haben. Es kann auch hilfreich sein, Schulungen anzubieten und die Mitarbeiter dafür zu sensibilisieren, wie man Depressionen und andere Krankheiten erkennen und verhindern kann.

Was vorgetäuschte Depressionen unwahrscheinlicher machen kann

Es kann viele Gründe dafür geben, wenn Arbeitnehmer eine Depression vortäuschen. Nicht selten hängt eine vorgetäuschte Krankheit allerdings zumindest zum Teil mit den Bedingungen am Arbeitsplatz zusammen – und hierauf haben Arbeitgeber Einfluss. Es sind am ehesten unzufriedene Mitarbeiter, die sich aus fingierten Gründen krankmelden. Dahinter kann zum Beispiel ein Konflikt mit dem Arbeitgeber stecken, ein schlechtes Betriebsklima oder auch eine Überbelastung.

Regelmäßige Mitarbeitergespräche sind wichtig, um die Mitarbeiterzufriedenheit im Blick zu behalten. Ebenso wichtig sind offene Gespräche im Fall einer Kündigung, die vom Mitarbeiter ausgehen. Außerdem sollten Führungskräfte die Stimmung in ihrem Team genau beobachten – und wenn nötig, frühzeitig gegensteuern, wenn sich Unzufriedenheit breitmacht. Anonyme Mitarbeiterbefragungen können ein weiteres Instrument sein, um die Mitarbeiterzufriedenheit zu messen.

Um vorgetäuschten Krankheiten auf die Schliche zu kommen, ist es darüber hinaus wichtig, die Fehlzeiten der einzelnen Mitarbeiter im Blick zu behalten. Fehlt jemand auffällig oft? Und das womöglich zu bestimmten Zeiten? So etwas genau zu beobachten, kann helfen, vorgetäuschte Arbeitsunfähigkeit aufzudecken.

Bildnachweis: Ciprian Alexandru / Shutterstock.com

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