AllgemeinGenderPayGap: Definition, Ursachen & Stand in Deutschland

GenderPayGap: Definition, Ursachen & Stand in Deutschland

GenderPayGap: Definition, Ursachen & Stand in Deutschland

Frauen verdienen im Schnitt deutlich weniger als Männer. Das ist auch als Gender Pay Gap bekannt. Wie groß ist der Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern in Deutschland? Welche Ursachen hat er? Und welche Ansätze könnten helfen, die Lohnlücke zu verringern? Hier erfährst du mehr.

Gender Pay Gap Definition: Was ist der Gender Pay Gap?

Der Begriff Gender Pay Gap bedeutet übersetzt soviel wie Lohnlücke zwischen den Geschlechtern. Er beschreibt das in vielen Ländern vorherrschende Lohngefälle zwischen Männern und Frauen. Frauen verdienen im Schnitt bezogen auf den Brutto-Stundenlohn oft wesentlich weniger als Männer.

Unterschieden wird beim Gender Pay Gap zwischen dem bereinigten und unbereinigten Wert. Der unbereinigte Gender Pay Gap gibt die tatsächlichen durchschnittlichen Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern an. Die Umstände werden nicht berücksichtigt, es wird lediglich der Brutto-Stundenlohn aller Beschäftigten miteinander verglichen.

Wenn der Gender Pay Gap bereinigt wird, werden strukturelle Ursachen für Lohnunterschiede herausgerechnet, zum Beispiel Unterschiede bei der Bildung oder der Berufserfahrung oder der Art des Jobs. Beim bereinigten Gender Pay Gap werden die Gehälter von Frauen und Männern in vergleichbaren Positionen mit einem vergleichbaren Hintergrund miteinander verglichen.

Der bereinigte Gender Pay Gap wird anhand der Verdienststrukturerhebungen (VSE) des Statistischen Bundesamts berechnet, die alle vier Jahre veröffentlicht werden. Im Vergleich zum unbereinigten Gender Pay Gap fällt der bereinigte Gender Pay Gap wesentlich geringer aus; der unbereinigte Gender Pay Gap ist etwa dreimal so groß.

Welche Bedeutung hat der Gender Pay Gap?

Der Gender Pay Gap ist eine wichtige Kennzahl, die auf eine Ungleichheit zwischen den Geschlechtern hinweist. Er kann auch ein Hinweis auf Diskriminierung aufgrund des Geschlechts sein. Aber wie aussagekräftig ist der Wert überhaupt? Es heißt oft, dass nur der bereinigte Gender Pay Gap wirklich aussagekräftig sei. Tatsächlich werden beim bereinigten Gender Pay Gap Gehälter von Menschen miteinander verglichen, die wegen ihres beruflichen Hintergrunds, ihrer Tätigkeit und ihrer Erfahrung wirklich vergleichbar sind. Damit ist er als Kennzahl für einen direkten Vergleich aufschlussreicher als die reinen unbereinigten Durchschnittsgehälter.

Trotzdem ist der Gender Pay Gap auch unbereinigt ein wichtiger Wert, denn die Lohnunterschiede haben strukturelle Ursachen. Dass Frauen oft weniger verdienen, suchen sie sich ja nicht so aus, sondern es ergibt sich durch bestimmte Umstände. Diese Umstände – und die aus ihnen resultierenden niedrigeren Gehälter – sind etwas, das der Gleichstellung von Frauen und Männern im Weg steht. Deshalb ist es wichtig, den unbereinigten Wert beim Gender Pay Gap nicht außer Acht zu lassen.

Gender Pay Gap Statistik: Der Gender Pay Gap in Deutschland und anderen Ländern

Wie groß ist der Gender Pay Gap in Deutschland? Und wie ist der Stand in anderen Ländern? Hier zeigen wir dir für den Gender Pay Gap einige Beispiele, die deutlich machen, wie unterschiedlich die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern in unterschiedlichen Ländern und Regionen ausfallen kann.

Der Gender Pay Gap in Deutschland: unbereinigte Werte

Fangen wir mit dem unbereinigten Wert in Deutschland an. Hierzulande haben Frauen zuletzt rund ein Fünftel weniger als Männer verdient, nämlich 18 Prozent im Jahr 2021. Der Wert geht seit Jahren zurück, allerdings verringert sich der Gender Pay Gap von Jahr zu Jahr meist nur um ein Prozent. So lag der Verdienstabstand zwischen Frauen und Männern etwa 2015 noch bei 22 Prozent. Die Bundesregierung will den Gender Pay Gap bis zum Jahr 2030 auf zehn Prozent senken.

Die Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern können je nach Tätigkeit sehr unterschiedlich ausfallen. Wie stark die Gehälter von Männern und Frauen voneinander abweichen, zeigen die folgenden Beispiele:

  • Relativ ähnlich war das Gehalt von Frauen und Männern im Jahr 2019 im Baugewerbe: Dort lag der durchschnittliche Bruttostundenverdienst bei Vollzeitbeschäftigten bei Männern bei 21,55 Euro, bei Frauen bei 20,47 Euro.
  • Im Bereich Verkehr und Lagerei haben Frauen sogar mehr verdient als Männer, allerdings nur geringfügig: Im Schnitt lag der Bruttostundenlohn bei 19,38 Euro, bei Männern bei 19,03 Euro.
  • Deutlicher war der Lohnunterschied im Bereich Information und Kommunikation: Männer haben hier pro Stunde im Schnitt 36,05 Euro brutto verdient, Frauen nur 27,89 Euro.
  • Besonders eklatant war der Gender Pay Gap bei den Beschäftigten im Bereich Finanz- und Versicherungsdienstleistungen. Während Männer im Schnitt pro Stunde 43,44 Euro verdient haben, bekamen Frauen nur 30,86 Euro.

Der Gender Pay Gap in Europa

Die Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern liegen im EU-Schnitt bei 13 Prozent (unbereinigte Werte von 2020). Deutschland bewegt sich dabei weit oben auf der Liste; hier ist die Lohnlücke im Vergleich mit anderen Ländern besonders groß. Noch eklatanter war der Gender Pay Gap nur in Lettland (22 Prozent), Estland (21 Prozent) und Österreich (20 Prozent). Am anderen Ende des Spektrums befinden sich Länder wie Luxemburg (ein Prozent), Rumänien (zwei Prozent) und Slowenien (drei Prozent). Auch in Italien ist der Gender Pay Gap mit vier Prozent sehr gering.

Das bedeutet allerdings nicht, dass die Gleichstellung von Frauen und Männern in solchen Ländern weiter fortgeschritten wäre – zum Teil ganz im Gegenteil. Gerade in vielen osteuropäischen Ländern arbeiten wesentlich weniger Frauen als etwa in Deutschland. Auch für Italien gilt das – dort ist nur etwa jede zweite Frau erwerbstätig. Die Frauen, die in solchen Ländern einen Job haben, sind dann häufig gut ausgebildet und verdienen entsprechend gut, was zu einer geringeren Lohnlücke führt. Bei der Interpretation von Unterschieden im Gender Pay Gap muss auch bedacht werden, dass Länder mit einem größeren Einkommensspektrum – wie etwa Deutschland – tendenziell eine höhere Lohnlücke haben.

Der Gender Pay Gap in den USA

Auch in den USA ist der Gender Pay Gap groß: Dort verdienten Frauen im Schnitt zuletzt fast 20 Prozent weniger als Männer. Durchschnittlich bekommen Frauen für jeden Dollar, den Männer in den USA verdienen, nur 82 Cent.

Gender Pay Gap in Deutschland: bereinigte Werte

Betrachtet man beim Gender Pay Gap die bereinigten Werte, verringert sich der Gehaltsunterschied zwischen Frauen und Männern deutlich. Der Lohnunterschied lag zuletzt im Jahr 2018 bundesweit bei sechs Prozent. In Westdeutschland verdienten Frauen ebenfalls durchschnittlich sechs Prozent weniger als Männer, während der Gender Pay Gap in Ostdeutschland bei sieben Prozent lag.

Die bereinigten Werte haben sich seit 2014 nicht verändert, sondern sind bundesweit, aber auch in West- und Ostdeutschland gleich geblieben. Im davorliegenden Erhebungszeitraum – 2010 – betrug der Gender Pay Gap in Deutschland bereinigt sieben Prozent (in Ostdeutschland: neun Prozent), im Jahr 2006 acht Prozent (Ostdeutschland: zwölf Prozent).

Welche Ursachen hat der Gender Pay Gap?

Der Gender Pay Gap hängt mit strukturellen Unterschieden zwischen Männern und Frauen zusammen. Er ist eine Folge der Benachteiligung von Frauen am Arbeitsmarkt, wobei verschiedene Faktoren dazu führen, dass Frauen im Schnitt weniger verdienen als Männer.

So spielen zum Beispiel Unterschiede bei Bildung und Berufswahl eine Rolle. Frauen üben häufiger als Männer Berufe aus, die mit einem geringen Verdienst verbunden sind. Das gilt etwa für Tätigkeiten in der Pflege, Reinigung, beim Friseur, im Gastgewerbe oder dem Einzelhandel. Generell ist der Frauenanteil in Branchen mit einem niedrigen Verdienstniveau besonders hoch. Umgekehrt arbeiten wesentlich weniger Frauen als Männer in Branchen mit hohen Löhnen wie zum Beispiel der Automobilindustrie, Mineralölverarbeitung oder Energieversorgung.

Problematisch für das Einkommen von Frauen ist auch, dass sie wesentlich häufiger als Männer in Teilzeit arbeiten. Fast jede zweite Frau in Deutschland arbeitet in Teilzeit. Das hängt häufig mit Kindern und der Familie zusammen, aber auch der Pflege von Angehörigen. Betreuungsangebote sind häufig Mangelware oder nicht in dem Maße ausgebaut, wie es Frauen bräuchten, um voll berufstätig zu sein. Elternzeit ist oft nicht sonderlich attraktiv für Väter, weshalb es in vielen Familien die Frauen sind, die nach dem Baby eine lange Pause im Job machen. Danach können sie Probleme haben, da anzuknüpfen, wo sie vor dem Kind aufgehört haben, was einen Karriereknick bedeuten kann.

Wenn der Mann schon vorher derjenige ist, der besser verdient, liegt es oft nahe, dass die Frau für das Kind zuhause bleibt. Dadurch geht der Familie weniger Einkommen verloren. Das Ehegattensplitting, also die gemeinsame Besteuerung von Ehepartnern, macht es für viele Frauen darüber hinaus wenig lohnenswert, überhaupt arbeiten zu gehen.

Frauen machen seltener Karriere als Männer

Der Datenreport 2021 der Bundeszentrale für politische Bildung zeigt, dass in Deutschland traditionelle Rollenbilder nach wie vor bei vielen Menschen fest in den Köpfen verankert sind. Die Zustimmung zu der Aussage „Es ist die Aufgabe des Mannes, Geld zu verdienen, die Frau ist für Haushalt und Familie zuständig“ lag demnach in Deutschland bei elf Prozent. Ebenfalls zwischen zehn und 30 Prozent Zustimmung gab es für diese Aussage in Ländern wie Frankreich, Großbritannien, Spanien, Portugal und Österreich. Mehr als 30 Prozent der Befragten stimmten in osteuropäischen und südeuropäischen Ländern wie Italien, Polen, Tschechien, Estland, Litauen oder Rumänien zu.

In anderen Ländern sieht es anders aus: Weniger als zehn Prozent der Befragten in Ländern wie Dänemark, Schweden, Norwegen oder den Niederlanden fanden, dass es die Aufgabe von Frauen sei, sich um Haushalt und Familie zu kümmern. Interessanterweise ist der Gender Pay Gap in diesen Ländern deutlich niedriger als in Deutschland; die Lohnlücke liegt (unbereinigt) je nach Land zwischen elf und 14 Prozent.

Die geschlechtsspezifischen Lohnunterschiede haben noch einen weiteren Grund: Frauen machen seltener Karriere als Männer. Sie sind in niedrigeren Leistungsgruppen stark vertreten, in hohen Leistungsgruppen dafür schwach. Frauen treten außerdem häufig zurückhaltender auf, wenn es darum geht, den Vorgesetzten um eine Gehaltserhöhung zu bitten, während Männer diesbezüglich oft selbstbewusster sind. Dadurch steigt das Gehalt von Frauen im Laufe ihres Berufslebens häufig weniger stark an.

Wie kann man den Gender Pay Gap schließen?

Um den Gender Pay Gap zu schließen, ist in erster Linie die Politik gefragt. Es gibt zwar Ansätze, die aber offensichtlich noch nicht weitreichend genug sind, um die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern stärker zu verringern. So sollte etwa das Entgelttransparenzgesetz, das seit dem Jahr 2017 in Kraft ist, Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen aufdecken und reduzieren. Beschäftigte haben durch das Gesetz die Möglichkeit, zu erfragen, was Kollegen in vergleichbaren Positionen verdienen. Dieses Recht besteht allerdings nur unter bestimmten Bedingungen, was dazu beitragen dürfte, dass bislang die wenigsten Arbeitnehmer davon Gebrauch gemacht haben.

Wie es besser geht, zeigt das Beispiel Dänemark: Dort ist seit dem Jahr 2007 der Equal Pay Act in Kraft. In Unternehmen mit mehr als 35 Mitarbeitern und mindestens zehn Angestellten beiden Geschlechts müssen Arbeitgeber die Gehälter nach Geschlechtern offenlegen. Diese Gehaltsinformationen kann jeder einsehen; Beschäftigte müssen sie also nicht erst – wie in Deutschland – erfragen. Der Equal Pay Act scheint die Situation in Dänemark verbessert zu haben: Der Gender Pay Gap ist dort um durchschnittlich sieben Prozent gesunken. Unternehmen, die Gehälter offenlegen mussten, haben weiblichen Mitarbeitern mehr Gehaltserhöhungen gezahlt als Unternehmen, die dazu nicht verpflichtet waren.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf muss besser sein

Für ein höheres Einkommen von Frauen ist es essenziell, die Voraussetzungen für eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu schaffen. Das setzt etwa gute und bezahlbare Betreuungsangebote voraus, aber auch, dass Elternzeit für Väter attraktiver wird. Auch Arbeitgeber sind in diesem Zusammenhang gefragt: Sie sollten ihren Beschäftigten entgegenkommen, damit der Job mit der Familie besser zu vereinen ist. Das geht zum Beispiel über flexible Arbeitszeiten und (mehr) Arbeit im Homeoffice. Ebenso sollten Unternehmen Mitarbeitern den beruflichen Aufstieg nicht erschweren, weil sie für die Familie eine Pause gemacht haben oder in Teilzeit arbeiten.

Nicht zuletzt ist es wichtig, dass Mädchen gut überlegen, welchen Beruf sie ergreifen. Frauentypische Berufe sind oft besonders schlecht bezahlt, weshalb sich ein anderer Weg lohnen kann. Frauen sollten sich Aufgaben in Haushalt und Familie mit dem Partner fair aufteilen, anstatt eine Doppelbelastung stillschweigend hinzunehmen. Ebenso hilfreich ist es, den Chef nach einer Gehaltserhöhung zu fragen – mit guten Argumenten natürlich. Und wer sich für einen neuen Job bewirbt, sollte schon beim Einstiegsgehalt gut verhandeln – es entscheidet darüber, wie sich das Gehalt in den kommenden Jahren entwickeln kann.

Bildnachweis: Ink Drop / Shutterstock.com

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