Unvermittelbar: Wie du trotzdem eine Stelle findest

203
Unvermittelbar - muss ich arbeitslos bleiben?

Wer schon lange arbeitslos ist oder aus bestimmten Gründen Probleme hat, einen Job zu finden, gilt aus Sicht des Arbeitsamts häufig als unvermittelbar. Wenn das auch auf dich zutrifft, heißt es jedoch noch lange nicht, dass du tatsächlich keine Chancen auf eine neue Stelle hast. Vielmehr kommt es darauf an, an den Ursachen für deine Arbeitslosigkeit zu arbeiten – und mit neuer Energie an die Jobsuche zu gehen.

Wer gilt überhaupt als „unvermittelbar“?

Nicht ganz 750.000 Menschen in Deutschland sind nach Zahlen vom Statistischen Bundesamt im Jahr 2019 langzeitarbeitslos. Hinzu kommen ältere Personen, die in der Statistik oft gar nicht mehr auftauchen, und Menschen, die sich in einer Maßnahme des Arbeitsamts befinden oder einem Ein-Euro-Job nachgehen.

Viele von ihnen gelten als „unvermittelbar“. Das Arbeitsamt räumt ihnen schlechte oder gar keinen Chancen ein, eine neue Stelle zu finden. Das kann verschiedene Ursachen haben; oft haben mehrere Faktoren die Arbeitslosigkeit bedingt. So mancher sucht seit Jahren nach einem neuen Job, ein anderer hat nach seinem Abschluss noch gar keinen Job gehabt und kann somit keine Berufserfahrung vorweisen, wenn er sich bewirbt.

Auch ältere Arbeitslose haben häufig schlechtere Chancen auf eine Jobzusage. Viele Arbeitgeber scheuen sich, sie einzuarbeiten und zweifeln an ihrer Produktivität und Anpassungsfähigkeit. Oft wird jüngeren Kandidaten der Vorzug gegeben – vor allem, wenn der ältere Bewerber schon längere Zeit ohne Arbeit ist. Chronisch kranke Menschen können oft nicht arbeiten – oder nicht in dem Umfang, der für einen regulären Job nötig wäre. Auch sie haben deshalb oft große Probleme, einen Job zu finden. Das gilt in vielen Fällen auch für Menschen mit einer Behinderung.

Als unvermittelbar gelten auch Personen, die durch ihre Lebensumstände Schwierigkeiten haben, einen Job zu finden oder diesen zuverlässig auszuüben. Das kann etwa bei einer bestehenden Alkoholabhängigkeit oder Drogenmissbrauch der Fall sein.

Viele Langzeitarbeitslose haben aufgegeben

Als grundsätzlich erwerbsfähig gelten alle, die in der Lage sind, mindestens drei Stunden am Tag zu arbeiten. Viele Langzeitarbeitslose wären dazu in der Lage, das Problem liegt dann jedoch woanders. Die Folgen der Langzeitarbeitslosigkeit sind häufig gravierend – nicht nur in finanzieller Hinsicht. Wer sich schon lange erfolglos bewirbt, verliert häufig an Selbstvertrauen und glaubt nicht mehr an den Erfolg. Wer resigniert, fühlt sich oft wertlos und zieht sich nicht selten aus dem sozialen Leben zurück. Erschwert wird die Lage oft noch durch die Behandlung beim Arbeitsamt.

Viele Langzeitarbeitslose werden nicht nur vom Amt aufgegeben, indem sie als unvermittelbar eingestuft werden, sie geben sich oft auch selbst auf. Wenn du in einer solchen Lage bist, hast du womöglich keine Hoffnung mehr, dass sich an deiner beruflichen Situation doch noch etwas ändert. In vielen Fällen kommt es jedoch auf den richtigen Ansatz an. Wer nicht von der Langzeitarbeitslosigkeit in die Frührente gehen möchte, der kann seine Chancen auf einen Job verbessern, indem er das Problem analysiert und individuelle Lösungswege entwickelt.

Die Ursache für die Langzeitarbeitslosigkeit erkennen

Um einen Ausweg aus der Arbeitslosigkeit zu finden, musst du zunächst erkennen, wo das Problem liegt. In der Sprache der Arbeitsagentur ausgedrückt sind das die Vermittlungshemmnisse, die einer erfolgreichen Bewerbung im Weg stehen. Bei Menschen, die als „unvermittelbar“ gelten, gibt es häufig gleich mehrere Vermittlungshemmnisse. Nur, wenn dir klar ist, wo das Problem liegt, kannst du überlegen, wie es behoben werden kann. Das kann zwar eine gewisse Zeit dauern, ist aber kein aussichtsloses Unterfangen – wer die Voraussetzungen für eine Erwerbstätigkeit schafft, der kann auch wieder eine Stelle finden.

Überlege, wo deine Vermittlungshemmnisse liegen. Liegt es daran, dass du kaum Erfahrung im Arbeitsleben hast? Vielleicht hast du nach deinem Schulabschluss keine Ausbildung gemacht und auch nicht studiert und nun mangelt es dir an grundlegenden Qualifikationen, die die zwingende Voraussetzung für viele Stellen sind. Je länger du keinen Job mehr hattest, desto mehr Vorbehalte haben Arbeitgeber häufig, dich einzustellen. Das kann dazu führen, dass du selbst mit einem Universitätsabschluss Probleme hast, zum Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden, wenn du schon Jahre ohne Job bist.

Auch gesundheitliche Probleme können ein Hindernis bei der Jobsuche sein

Möglicherweise sind gesundheitliche oder psychische Probleme die Ursache für deine Arbeitslosigkeit. Dann ist die Frage, ob du theoretisch arbeiten kannst oder ob das, zum Beispiel aufgrund von einer Behinderung, nicht möglich ist. Dass du schon lange keinen Job mehr hattest und nur Absagen erhältst, kann auch an deinem Alter liegen. Ältere Arbeitslose haben häufig deutlich schlechtere Chancen bei Bewerbungen, weil Arbeitgeber befürchten, sie könnten nicht flexibel genug sein, um bei ihnen gute Leistungen zu erbringen.

Bei vielen Arbeitslosen, die als „unvermittelbar“ gelten, kommt auch der Frust über die lange Arbeitslosigkeit hinzu. Wer schon seit Jahren Bewerbungen schreibt, aber immer nur Absagen bekommt, der glaubt oft nicht mehr daran, eine positive Rückmeldung zu erhalten. Diese Grundhaltung mag verständlich sein; sie ist jedoch bei Bewerbungen oft deutlich zu spüren – und trägt dann oft ihr Übriges dazu bei, dass du keine Einladung zum Bewerbungsgespräch erhältst.

Aus dem Teufelskreis ausbrechen: Wege aus der Arbeitslosigkeit

Viele Menschen, die schon lange keine Arbeit haben, können nicht mehr die nötige Motivation aufbringen, um eine überzeugende Bewerbung zu schreiben. Auch das kann ein Grund für die mangelnden Jobangebote sein. Wer nicht an sich glaubt, dessen Bewerbung wird schwerlich überzeugend klingen.

Um wieder Arbeit zu finden, musst du alle Hindernisse aus dem Weg räumen, die diesem Plan entgegenstehen. Nicht immer bekommst du vom Arbeitsamt die Unterstützung, die dafür nötig ist – oftmals hängt es von dir ab, ob du doch einen Job findest oder nicht. Überlege, was nötig ist, damit ein Arbeitgeber dich als vielversprechenden Bewerber ansieht.

Möglicherweise sind deine Bewerbungsunterlagen einfach nicht überzeugend oder sie enthalten Fehler. Beides führt zu Absagen. Das gilt auch, wenn du dich mit Bewerbungen nicht gut auskennst und dadurch Unterlagen verschickst, die nicht den aktuellen Gepflogenheiten entsprechen. Informiere dich darüber, was bei Bewerbungen üblich ist, und gib dir Mühe mit deinen Bewerbungsunterlagen. Wichtig ist auch, dass du dabei selbstbewusst auftrittst – auch, wenn du dich aufgrund deiner Langzeitarbeitslosigkeit als Bewerber zweiter Wahl betrachtest. Nur, wenn du aufrichtig interessiert und motiviert wirkst, kommst du für Arbeitgeber infrage.

Hole fehlende Qualifikationen nach

Wenn du keinen Schulabschluss hast, kannst du diesen nachholen. Das dauert zwar eine gewisse Zeit und bedeutet für dich viel lernen, aber danach stehen dir wesentlich mehr Türen offen. Dasselbe gilt, wenn du nach dem Schulabschluss keine weiteren Qualifikationen gesammelt hast – etwa in Form einer Ausbildung oder eines Studiums. Es ist nie zu spät, dir solche Qualifikationen anzueignen. Besonders, wenn du ein Studium oder eine Ausbildung in Bereichen machst, wo Arbeitskräfte gesucht werden, ist diese Option vielversprechend.

Möglicherweise kannst du in deinem erlernten Beruf nicht mehr arbeiten, zum Beispiel, wenn gesundheitliche Probleme dagegensprechen. Dann kann eine Weiterbildung oder Umschulung eine Lösung darstellen. Natürlich kannst du auch in diesem Fall noch einmal studieren oder eine Ausbildung machen.

Bewerbern mit wenig Berufserfahrung sind aus Sicht von Arbeitgebern wenig attraktiv – vor allem, wenn sie schon länger keinen Job mehr hatten. Dann solltest du die Zeit möglichst gut nutzen. Eine gute Idee ist es, ein Praktikum zu machen. Wenn es deine finanzielle Situation erlaubt, kannst du in einem unbezahlten Praktikum in neue Bereiche hineinschnuppern. Wenn du dich gut machst, kannst du bei späteren Bewerbungen nicht nur die Praxiserfahrung vorweisen, sondern auch ein gutes Praktikumszeugnis. Außerdem gewöhnst du dich auf diese Weise wieder an das Arbeitsleben. Viele Bewerber ziehen aus einem Praktikum auch ein neues Selbstbewusstsein, wenn der Arbeitgeber mit ihnen zufrieden ist.

An der richtigen Stelle nach einem Job suchen

Auch abseits eines Praktikums ist es sinnvoll, die Zeit deiner Arbeitslosigkeit möglichst gut zu nutzen. Abhängig davon, wo die Ursache für deine Arbeitslosigkeit liegt, kannst du zum Beispiel eine Zeit lang einen 450-Euro-Job machen, ein Ehrenamt übernehmen, eine Therapie beginnen oder an deinen Qualifikationen feilen. Je mehr du dich als Bewerber zeigst, der trotz längerer Arbeitslosigkeit am Ball bleibt, desto eher kommst du für Arbeitgeber infrage.

Auch Ein-Euro-Jobs sind eine Option. Dabei handelt es sich um staatlich geförderte Eingliederungsmaßnahmen. Du arbeitest dabei für eine gewisse Zeit bei meist gemeinnützigen Trägern. Nach einem solchen Job kannst du möglicherweise im selben Bereich bleiben, denn auch ein Ein-Euro-Job verschafft dir Qualifikationen im Lebenslauf.

Letztlich kommt es auch darauf an, dass du weißt, wo sich die Jobsuche lohnen könnte. Wichtig ist einerseits, wofür du qualifiziert bist. Oft musst du deine Erwartungen jedoch ein Stück weit herunterschrauben, wenn du schon lange keine Stelle mehr hattest. Möglicherweise musst du auf einer niedrigeren Ebene einsteigen.

Falls es dir an grundlegenden Qualifikationen mangelt, gibt es dennoch Branchen, in denen du einen Job finden kannst. Überall dort, wo sich nicht genügend Arbeitskräfte bewerben, hast du auch als Langzeitarbeitsloser Chancen auf eine Zusage. Gleichzeitig findest du eher einen Job, wenn bei diesem keine besonderen Qualifikationen vom Bewerber erwartet werden. Mögliche Bereiche, in denen du den Einstieg finden könntest, sind etwa im Einzelhandel, im Kundensupport, dem Garten- und Landschaftsbau, im Straßenbau, der Gebäudereinigung oder im Friseurhandwerk. Dort mangelt es vielerorts immer an Bewerbern.